124-Cornelia Travnicek, Klone und Bauerfeind assistiert…

Neuigkeiten
Uta Danella ist verstorben
Max Greger ist tot
Die Band Laibach trat in Nordkorea auf!
Morrissey gibt erstes Interview seit 10 Jahren!
Englands enttäuschendste neue Besucherattraktion! (Dismaland)

Gelesen
Cornelia Travnicek – mindestens einen der weißen wale (Homepage)

In der Reihe “Neue Lyrik aus Österreich”, ist nun Band 11 erschienen. In diesem Band geht es samt und sonders um die Lyrik von Cornelia Travnicek. Nachdem Cornelia Travnicek bis dato mit Prosa unterwegs war, geht es in diesem Band also ausschließlich um Gedichte. Eine Mischung aus allmöglichen Stilen hat sich zusammengefunden und buhlt um des Lesers Gunst.  

Gehört

Klone – Here comes the Sun (Homepage) (Spotify) (Apple Music)

Eine Metalband die keinen Metal macht. Das umschreibt das was diese Band auf diesem Album musikalisch so treibt, eigentlich ganz gut. Und auch wenn sie auf früheren Alben merklich mehr nach Metal klangen, ist nicht erst seit dem letzten Album, abwechslungsreicher und experimenteller Rock das Feld was sie beackern. Hinzu kommt die sehr markante Stimme des Sängers Yann Ligner. Selbst Saxophon- und Synthie-Parts sind auf diesem Album zu finden. Das alles ist komplex, ohne dabei anstrengend zu sein. Auch wer hübsche Melodien mag, wird hier fündig.

Gesehen

Bauerfeind assistiert… – Staffel 2 und 3 (YouTube)

In dieser Reihe assistiert Katrin Bauerfeind Menschen einen Tag lang, bei dem was sie so gemeinhin tun. Es kommt hierbei zu teils komischen, teils ernsten Gesprächen. Die Situationen in die sich Frau Bauerfeind begibt, oder von den zu assistierenden Menschen gebracht wird, können ebenfalls von Lustig bis sehr ernst gehen. Auch der ein oder andere Konflikt wird hier ausgetragen. Auch scheint sich der ein oder andere durchaus Prominente Zeitgenosse, vorgenommen zu haben, einen besonders markanten Eindruck zu hinterlassen.

Empfehkungen
– So gehen Artikel. Die FAZ hat das Internet verstanden!
DKultur – 29. August um 00.05 Uhr: Die lange Nacht über Louis Amstrong ‘Vom Slum in den Trompetenhimmel’ Wiederholung am selben Tag, um 23.05 Uhr im DLF
DKultur – 29. August um 19.05 Uhr: Musikfest Bremen: ‘3 aus 27’ Eröffnung mit ‘Eine große Nachtmusik’ Live aus der Glocke, dem Rathaus, der Kirche Unser Lieben Frauen und dem Landgericht zu Bremen!
Die Kulturpessimisten

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117-Max Frisch, James Horner und Mr. Selfridge

Neuigkeiten
Nachtrag aus der letzen Sendung. Carl Nielsen/Symphonien :  Janacek Philharmonic Orchestra/Theodore Kuchar | Göteburger Symphoniker/Neeme Järvi
Harry Rowohlt ist tot
Stefan Raab beendet TV Karriere zum Ende des Jahres

Gelesen
Max FrischHomo Faber – Dazu: ‘Er nannte sie Kunstfee – sie nannte ihn Homo Faber’ von Bücherstadt Kurier

Es geht um den Ingenieur Walter Faber. Bei einem Flug von New York nach Mexiko muss das Flugzeug in dem er sitzt notlanden. Mit ihm im Flugzeug ist auch Herbert Hencke, der ihm erzählt, er sei auf dem Weg zu einem alten Freund namens Joachim, Faber beschließt, ihn zu begleiten.Nach einer Irrfahrt durch den Dschungel finden sie Joachim, der sich allerdings erhängt hat. Hencke beschließt, dessen Plantage zu übernehmen. Faber reist zurück nach New York und trifft dort Ivy, seine Geliebte. Ivy äußert den Wunsch zu heiraten, was Faber dazu bewegt in ein Schiff mit Ziel Europa zu steigen, um ihr zu entfliehen. Während dieser Schifffahrt lernt Faber die Junge Sabeth kennen und beginnt mit ihr ein Liebesverhältnis. In Europa angekommen, trifft er in Paris zufällig erneut auf Sabeth und entschließt sich spontan, sie auf ihrer Reise quer durch Europa zu begleiten. Während dieser Reise schöpft Faber immer mehr den Verdacht, dass es sich um seine Tochter handeln könnte.

Ein paar Jahre zuvor erfuhr Faber, dass die Kunststudentin Hanna von ihm Schwanger sei. Faber trennte sich von ihr und war der Meinung, das Kind sei abgetrieben worden. Jetzt wird Ihm jedoch klar, dass Hanna das Kind nicht abgetrieben hat und er ein Verhältnis mit seiner eigenen Tochter hat.Die gemeinsame Reise bringt Faber und Sabeth nach Griechenland, dort wird Sabeth von einer Schlange gebissen und stürzt eine Böschung hinab. Faber gelingt es, sie ins Krankenhaus zu bringen, wo sie jedoch letztlich stirbt. Im Krankenhaus trifft er Hanna, beschließt bei ihr zu bleiben und sie zu heiraten. Faber unternimmt eine letzte große Reise, an dessen Ende Athen stehen soll.

Diese Reise ist überschattet von der Trauer um den Tod seiner Tochter. In Athen angekommen, erweisen sich seine seit längerer Zeit anhaltenden Magenprobleme als Magenkrebs. Er unterzieht sich einer Operation. Das Buch endet an dieser Stelle.

Gehört
Marie Samuelsen/Hakon Samuelsen/Royal Liverpool Philharmonic Orchestra (Homepage)/Vasily PetrenkoJames HornerPas de Deux (Spotify)

Ein klassisches Stück zu komponieren, in Zeiten wie diesen ist nicht ohne. Da muss man schon was können. James Horner ist ohne Zweifel ein Könner seines Faches. Wenn es dann noch tonal ist, dann wird es noch schwieriger, weil es dann allzugern ewig gestrig und ein wenig zu elegisch wird. Das letzte mal, dass er sich außerhalb der Filmmusik mit klassischen Kompositionen beschäftigt hat, liegt eine Weile zurück, da muss man schon in die 80er Jahre des 20. Jahrhunderts zurückgehen. Es handelt sich um ein Orchesterwerk mit Solostimmen für Violine und Cello. Drei Sätze gibt es. Obendrein gibt es auf diesem Album noch Fratres für Violine, Streichorchester und Perkussion von Arvo Pärt. Violoncelles, Vibrezi! von Giovanni Sollima und Divenire von Ludovico Einaudi. Bei den Stücken, die nicht von Horner sind, wird’s dann auch Tonal ein ganz klein wenig mutiger. Man sollte die anderen Stücke dieses Albums nicht unterschätzen. Es sind ware Schätze, bei denen es sich lohnt, sich ein wenig näher mit diesen Stücken zu beschäftigen. Was nun Pas de Deux von James Horner angeht, so ist er normalerweise bekannt für seine Filmmusik, und das hört man diesem Stück auch an. Es könnte an einigen Stellen mit Sicherheit auch als eben solche durchgehen. Wer auf Filmmusik steht, wird hier sicher auf seine Kosten kommen.

Gesehen
Mr. Selfridge Staffel 1-2 (IMDb)

Das Kostümdrama folgt der Biografie des amerikanischen Unternehmers Harry Selfridge, der im London der 1910er Jahre das bis dahin größte Kaufhaus eröffnet und viele Dinge neu und anders macht, als es die Londoner bisher gewohnt waren. Entlang der Irrungen und Wirrungen der persönlichen Beziehungen zwischen Harry, seiner Familie und seinen Angestellten zeichnet sich ein überzeugendes, mitreißendes, komplexes und auch gesellschaftshistorisch interessantes Portrait des charismatischen Visionärs und seiner Zeit.

Die erste Staffel dreht sich hauptsächlich um den Aufbau des Unternehmens und dient der Einführung der vielen Charaktere. Es beschäftigt sich politisch u.a. mit der aufkommenden Frauenbewegung, persönlich wiederum mit den Themen Ehe und Monogamie. Wer dem Genre und dem Fokus auf zwischenmenschlichen Beziehungen etwas abgewinnen kann, gerne schöne Menschen in gut gecasteten Rollen und umwerfenden Kostümen sieht und nebenbei noch etwas über gute Führung und das frühe zwanzigste Jahrhundert lernen möchte, darf diese Serie nicht verpassen!

Empfehlungen
– 27.06. um 22.05 Uhr im DLF – Bielefeld neu erfunden – Gordon Kampes experimentelles Musiktheater “Plätze. Dächer. Leute. Wege.”
– 28.06. um 17.05 Uhr im Nordwestradio – Die Geschichte meines Lebens
Die Tagebücher Ferdinand Benekes von 1792 bis 1848 (Wird am Montag, 29.06., um 21.05 Uhr im Nordwestradio wiederholt.)

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114-Erich Kästner, Ibeyi und Only Lovers Left Alive

Neuigkeiten

ESC: Germany…äh….tja nun.
Rainer Werner Fassbinder wäre am 31. Mai 70 Jahre alt geworden.
Mittwoch wurde das Europäische Hansemuseum in der Hansestadt Lübeck eröffnet

Gelesen
Erich KästnerDrei Männer im Schnee (Dazu die Filmbesprechung bei BücherstadtKurier)

Geheimrat und Millionär Tobler, der im Herzen immer noch ein Kind ist, und zum Leidwesen seiner Bediensteten immer für außergewöhnliche Ideen gut ist, will die Menschen studieren. Er beteiligt sich unter fremden Namen an einem Preisausschreiben seiner eigenen Firma. Er  gewinnt den zweiten Preis: einen zehntägigen Aufenthalt in einem Hotel in den Alpen. Als Schulze fährt Tobler in die Alpen, um zu erleben, wie die Menschen auf einen armen Schlucker reagieren. Er fährt nicht allein, als Begleiter nimmt er den Diener Johann mit, der während des Aufenthalts einen reichen Reeder zu spielen soll.

Allerdings bereitet die besorgte Tochter Hilde das Hotel noch vor seiner Abfahrt heimlich auf den Besuch Toblers vor, kommt aber nicht mehr dazu, den Namen Tobler zu nennen. So wird der Gewinner des ersten Preises Dr. Fritz Hagedorn, für Tobler gehalten und entsprechend umsorgt. Tobler hingegen, wird in eine kleine Dachkammer gesteckt, vom Personal schlecht behandelt und gar zu Gelegenheitsarbeiten herangezogen. Schon am ersten Tag schließt er Freundschaft mit Hagedorn, dem Gewinner des ersten Preises. Das überforderte Personal versucht nun jegliches Gespräch zwischen den beiden zu unterbinden. Die Tochter Hilde wird von Johann über die Verwechslung informiert. Jetzt hält auch sie es nicht mehr Zuhause aus. Sie erscheint im Hotel in Begleitung von Toblers Hausdame, Frau Kunkel, die sie als Tante Julchen ausgibt, um nach ihrem Vater zu sehen. Fritz Hagedorn verliebt sich in Hilde „Schulze“ und die beiden beginnen heimlich Hochzeitspläne zu schmieden.

Einige Tage später muss Tobler auf Druck der übrigen Gäste das Hotel verlassen und kehrt mit seiner Tochter, Johann und Frau Kunkel nach Berlin zurück. Die Abreise erfolgt nun aber so plötzlich, dass der arme Hagedorn nicht mehr rechtzeitig informiert werden konnte. Allerdings klärte Hilde den Hoteldirektor über die Verwechslung auf, der daraufhin beinahe einen Nervenzusammenbruch erleidet.

Der nichtsahnende Hagedorn kehrt auch nach Berlin zurück und sucht vergeblich nach Hilde, von der er ja immer noch glaubt, dass sie Schulze heißt. Da werden er und seine Mutter von Tobler eingeladen, und dieser gesteht Hagedorn seine wahre Identität, was jedoch auf die Freundschaft der beiden keinen nachteiligen Einfluss hat. Auch Hilde gibt sich nun als Toblers Tochter zu erkennen. Zu guter Letzt stellt sich heraus, dass das Hotel was Tobler eigentlich kaufen wollte, um anschließend Portier und Direktor hinauszuwerfen, bereits ihm gehört. Ein hinreißend komischer Roman, mit herrlichen Dialogen. Wenn jemand es schafft, dass man Bücher in einem Zug durchliest, dann ist es Erich Kästner. Dieses Buch macht eine Menge Spaß! Spaß wird in der Literatur sowieso immer unterschätzt. Hier kommt er definitiv nicht zu kurz.

Gehört

IbeyiIbeyi (Homepage) (Spotify)

Das Zwischenmenschliche gestaltet sich bei den Zwillingen um die es hier gehen soll, nicht immer einfach, da die beiden recht unterschiedlich sind. Und so haben sie die Musik gefunden, um miteinander zu kommunizieren. Was ist das nun für eine Musik, um die es hier geht? Es ist eine hübsche Mischung aus mehrsprachigen Lyrics auf Englisch, Französisch und Yoruba. Es werden Samples, Synthies, rituelle Gesänge und Vocals die an Björk erinnern, miteinander Verwoben. Tradition und Moderne, könnte man sagen. Es ist eine subtile Melange aus Soul- und Jazzgesang, präzisen Beats und eben diesem Yoruba-Gesang. Eine Sprache, die hauptsächlich in Südwest-Nigeria im Westen Afrikas gesprochen wird. Es verbindet also die unterschiedlichsten Einflüsse aus Frankreich, Kuba und Afrika.  Produziert wurde das ganze von Richard Russell, der auch schon Bobby Womack oder Damon Albarn produziert hat, der die beiden auf YouTube entdeckt hat und sie flugs zu sich ins Studio einlud. Die Spannung der Musik entstammt dem Kontrast zwischen den beiden, die ansonsten so verschieden sind. Letztlich spielt der Vater und dessen Tod auf diesem Album eine nicht unwesentliche Rolle. Vielleicht haben die beiden auch hier einen Weg gefunden zu kommunizieren. Ein sehr spannende Mischung ist ihnen da gelungen. Weltumspannend, und das im wahrsten Sinne des Wortes.

Gesehen

Only Lovers Left Alive (IMDb)

In diesem Film passiert wenig – und doch passiert so viel. Zwei Vampire, Adam und Eve, leben in Detroit bzw. Tangier und sind seit Jahrhunderten ein Paar. Adam, der exzentrische Musiker, schlägt sich melancholisch und mit technischer Rafinesse durchs Leben, während Eve Leben und Liebe genießt, Schach spielt und Kontakte knüpft. Beide trinken aus Angst vor kontaminiertem Blut nur noch „aus der Flasche“ und nicht mehr direkt von Menschen. Auftritt Ava, Eve’s kleine Schwester. Mit ihrer Gier und Freiheitsliebe bringt sie die Ruhe der beiden Liebenden durcheinander und alle Drei in Schwierigkeiten.

„Only Lovers Left Alive“ ist eine poetische Liebesgeschichte zweier “alter Seelen” und sehr verschiedener Persönlichkeiten, eine innere Suche nach Glück und Sinn, begleitet vom Soundtrack der Kulturen, die sie umgeben und durch die Jahrhunderte begleiteten. Jim Jarmusch hat diesen Film komponiert wie ein Musikstück: Alles fließt ineinander, gehört zusammen, bedingt sich, wirkt im Zusammenspiel. Dandy, alt (nicht veraltet), langsam, intensiv, verträumt, sexy, verzweifelt, mit einem trockenen, liebevollen Humor, Dialogen, die man zweimal hören muss und allzu menschlichen Interaktionen, die vermögen, das Herz zu wärmen und das Publikum immer wieder zum Haareraufen bringen können. Zwei Vampire scheitern an an ihrer Umwelt und finden dabei sich selbst und das Leben.

Empfehlungen

Am 08. Juni um 21.05 Uhr Nordwestradio – Du mien, Ick dien
Am 09. Juni um 19.15 Uhr DLF – Kinderleben in einem preußischen Gefängnis
Am 09. Juni um 20.05 Uhr NDR Kultur – Was heißt hier rechts?
Am 12. Juni um 20.10 Uhr im DLF – Deutschland in Kleinanzeigen
Am 14. Juni um 11.05 Uhr NDR Info – Sanfte Siedler
Sufjan StevensCarrie & Lowell (Homepage) (Spotify)
Sophie Hunger – Supermoon (Homepage) (Spotify)
Torres – Sprinter (Homepage) (Spotify)

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113-Milan Kundera, Schlippenbach Trio und Penny Dreadful

fünzNeuigkeiten

David Letterman geht in Rente
Pippi Langstrumpf feiert 70. Geburtstag
Robert Smith klöppelt B-Seite für The Twilight Sad

Gelesen

Milan KunderaDie unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Der Roman spielt zur Zeit des Kalten Kriegs. In dieser Zeit lernt der Chirurg Tomas die Serviererin Teresa kennen. Die Beziehung der beiden leidet unter den ständigen Affären von Tomas. Beide haben eine völlig unterschiedliche Auffassung von Liebe und Sexualität. Teresa weiß das, und erduldet zunächst einmal die Affären. Sie beginnt während des Prager Frühlings als Fotoreporterin zu arbeiten, flüchtet jedoch, nach Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts, der die tschechoslowakische Reformpolitik beendet, mit Tomas in die Schweiz. In der Schweiz angekommen, findet Tomas schnell Arbeit als Chirurg und trifft auf einen seiner Seitensprünge, die Malerin Sabina, mit der er umgehend wieder eine Affäre beginnt. Teresa dagegen hat Schwierigkeiten, mit der neu gewonnen Freiheit im Westen. Sie scheitert an der „unerträglichen Leichtigkeit des Seins“. Sie flieht vor Tomas und seinen Affären zurück in die Tschechoslowakei. Tomas, geplagt von schlechtem Gewissen, folgt ihr nach, gerät dort schon sehr bald mit der neuen Parteilinie in Konflikt, da er sich weigert, einen Zeitungsartikel zu widerrufen, den er während des Prager Frühlings verfasst hat. Er muss seine Karriere als Chirurg aufzugeben, lernt als Fensterputzer eine neue Auffassung von Arbeit kennen und hat viel Zeit für abermalige Liebschaften. Da Teresa  aber nun Tomas’ Affären und die ständigen Denunziationen in Prag nicht mehr erträgt, zieht das Paar in ein abgelegenes Dorf, wo es in einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft arbeitet und endlich zur Ruhe kommt.

Friedrich Nietzsches Idee der „ewigen Wiederkehr“ ist zentraler Gedanke in diesem Roman. Es gibt einen Erzähler, der die ganze Geschichte erzählt, dabei aber nicht chronologisch vorgeht, sondern immer wieder Zeitsprünge macht. So gibt es auch keinen eigentlichen Spannungsbogen, weil aufgrund der Zeitsprünge, Ereignisse vorweg genommen werden. Kein einfacher Roman. Man muss sich den Roman erarbeiten, sich ihn erlesen. Trotzdem lässt er nicht los. Er fesselt. Der Roman ist fast schon ein philosophisches Werk. Weltliteratur, keine Frage!

Gehört

Schlippenbach Trio (Alex von Schlippenbach, Evan Parker und Paul Lovens) – Features (Homepage) (Spotify)

Freejazz! Endlich! Es wurde Zeit, dass diese wunderbare Musikform in diese Sendung Einzug erhielt. Drei Musiker, fünfzehn Stücke und freie Improvisationen haben sich auf diesem Album zusammen gefunden. Piano, Schlagzeug und Saxophon werden hier gespielt. Die Bandbreite geht von Miniaturen, die 2 Minuten lang sind, bis zum ca. acht Minütigen ‘Feature-10’, da geht’s dann auch gleich noch ein wenig mehr zur Sache. Evan Parker spielt so wunderbar Saxophon, dass es vom Sound her, fast ein wenig an den klassischen West Coast Jazz eines Paul Desmond, oder Lee Konitz erinnert. Alexander von Schlippenbach lässt das Piano klingen, nicht lärmen. Und auch Schlagzeuger Paul Lovens, streicht eher über die Felle und Becken, als sie gar zu sehr maltraitieren zu wollen. Das ganze wird nie langweilig, und die drei erfinden sich in jedem Stück neu. In jedem Stück ist eine neue Facette des Freejazz zu hören. Immer wieder werden neue Bilder musikalisch gemalt. Die Stärke dieses Albums liegt darin, dass es bei aller Freejazzerei nie anstrengend wird, zumindest nicht für die die offen sind, offen für freie Formen und freie Tonalität. Ein unglaublich aufregendes Album. Man kommt trotz allem Freejazz nie auf die Idee, die Töne würden gerade mal so eben dahin gespielt werden. Das hier ist die Kunst des freien Spiels, der freien Improvisation! Selten hat man Freejazz so entspannt, malerisch, leise, zurückhaltend und somit unglaublich souverän erleben dürfen! Ein wirklich tolles Album!

Gesehen

Penny Dreadful – Staffel 1 (IMDb)

Zusammengesetzt aus vielen bekannten Figuren aus den gruseligen Groschenromanen des gleichen Namens, bietet die Showtime-Serie Penny Dreadful in ihrer ersten Staffel glücklicherweise doch etwas mehr Handlung, Charakterentwicklung und Konsistenz – etwas. Mit Timothy Dalton, Eva Green, Rory Kinnear, Billie Piper und Josh Hartnett ist einiges an Prominenz dabei, die hin und wieder ihre ganze Kunst durchblicken lassen. Das größte Pfund der Serie ist aber – wie heute so oft – die Optik. Wunderschön und tiefdüster zeichnet sie das viktorianische London voller mystischer Gestalten und Vorkommnisse. Wer auf die typische Jack-the-Ripper-Atmosphäre mit einem Tupfer Stephen King steht, der wird hier sein Glück finden.

Die einzelnen Folgen sind in ihrer Qualität sehr unterschiedlich. Die ein oder andere kann zu Tode nerven, wenn sie aus 40 Minuten stöhnender, Gliedmaßen verrenkender und mit weißen Augen irre satanische Verse rezitierender Eva Green besteht. Andere wiederum erzählen mit Geschick und viel Gefühl für Zwischenmenschliches die Hintergrundgeschichten der Hauptcharaktere oder werden geradezu philosophisch, während sie mit unerwarteter Brutalität gerade lieb gewonnene Figuren einfach so vernichten.

Penny Dreadful ist wegen seiner Gewaltdarstellungen, des Grusels und klassischen Horrors sicher nichts für schwache Gemüter, Fans des Genres freuen sich über gute Unterhaltung der eher schlaueren Sorte mit Starbesetzung.

Empfehlungen

Control – Ian Curtis Story
Am 27. Mai um 22.05 Uhr im DLF: Kühner kleiner Mann – Carl Nielsen zum 150. Geburtstag (Teil 2 am 12. Juni 2015)
Am 29. Mai um 20.10 Uhr im DLF: Die Sprache hat mich wiedergeboren
John Raymond – Foreign Territory (Homepage) (Spotify)
RusconiRevolution  (Homepage) (Spotify)

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112-Franz Kafka, The Chopin Project und Transparent

Neuigkeiten

Gabriel Fauré wäre am 12. Mai 170 geworden
Berliner Philharmoniker wählten erstmal niemanden zum Nachfolger von Simon Rattle
In Wien übt man sich in Toleranz, und fängt schon mal bei den Ampeln an!
B.B. King ist tot

Gelesen

Franz KafkaBlumfeld, ein älterer Junggeselle (DigBib.Org)

Die Erzählung fängt damit an, dass sich Herr Blumfeld Gedanken darüber macht, sich einen Hund als Begleiter anzuschaffen. Wegen der zu erwartenden Unannehmlichkeiten verwirft er diese Idee aber wieder.
Als er sein Zimmer betritt, sind dort zwei Tischtennisbälle, die ohne Fremdeinwirkung auf und ab springen. Von nun an halten sie sich immer knapp hinter ihm und lassen sich nicht abschütteln. Er versucht sie zu einzufangen, was ihm sogar bei einem von ihnen gelingt, dann wiederum findet er es „zu entwürdigend, solche Maßnahmen gegen zwei kleine Bälle zu ergreifen“ und gibt es auf sie zu fangen. Nicht ohne den Hintergedanken, dass er sie sehr zeitnah zerstören wird. Da die Bälle auch des Nachts unter seinem Bett auf und ab springen, legt er zwei Teppiche unter sein Bett, um die Geräusche zu dämpfen. Am nächsten Morgen sperrt er die Bälle in seinem Kleiderschrank ein, bevor er seinen Weg zur Arbeit antritt. Da er die Bälle nach seiner Rückkehr nicht mehr vorfinden möchte, beschließt er, sie dem Jungen seiner Putzfrau zu schenken, und sagt den Kindern aus dem Haus, sie mögen sich die Bälle aus seinem Zimmer zu holen.
Auch in seinem Beruf als Angestellter in einer Wäschefabrik, der Heimarbeiterinnen abfertigt und auszahlt, ist er nicht glücklich. Nach langen Kämpfen hat man ihm zur Unterstützung zwei Praktikanten zugewiesen. Aber er ist unzufrieden mit den doch sehr kindlichen Helfern. Es kommt zu sehr skurrilen Szenen, in denen er nur schwer alles unter Kontrolle hält. Eine wunderbare Erzählung, die das Scheitern und die Einsamkeit auf ganzer Linie thematisiert.

Gehört

Ólafur Arnalds (Homepage)/Alice Sara Ott (Homepage) – The Chopin Project (Spotify)

Es handelt sich hier um Aufnahmen von Chopins Klavierkompositionen, sowie Eigenkompositionen von Arnalds nach Motiven von Chopin. In einem Fall, nämlich beim Nocturne in C-Moll, ist sogar beides kombiniert, also eine Mischung aus eben jenem Werk Chopins kombiniert mit eigenen kompositorischen Ideen Arnalds. Er verwendete verschiedene historische Klaviere, die er alle an verschiedenen Orten mit verschiedenen Mikrofonen aufgenommen hat. Das trägt natürlich zu dieser sehr eigenen Atmosphäre bei, die dieses Album umgibt. Dazu gibt es eine Ambient-Klanglandschaft aus allerlei Geräuschen, die dem ganzen übergestülpt werden. Zwei immer wiederkehrende Themen umrahmen das Album. Das wirkt manchmal ein wenig überladen. Streicher und Chopin, das ist nicht ganz ungefärlich, da wird es leicht kitschig. Nicht immer gelingt es den beiden, das zu verhindern. Trotzdem verdient dieses Album viel Lob, denn es ist ein Versuch, eine Idee, die erstmal da sein muss. Die Umsetzung ist mutig, denn in der Form gab es das wohl so noch nicht. Insofern ist es vielleicht der Anfang von etwas. Wunderbare Idee, die vielleicht noch ein oder zwei Alben braucht bis sie zu dem wird was sie vielleicht werden soll. Nichtsdestotrotz, wundervolle Musik.

Gesehen

Transparent – Staffel 1 (IMDb)

Transparent (schon der Titel ist genial!) erzählt die Geschichte der Familie Pfefferman, deren Vater zu Beginn der Serie seiner Familie eröffnet, dass sie sich schon immer als Frau identifizierte und nun auch als solche leben möchte. Ihre drei Kinder, Sarah, Josh und Ali sowie der Rest der Familie gehen damit sehr unterschiedlich um und im Verlauf der Serie wird klar, dass Gender, Geschlecht, Sexualität, Intimität nur einige der vielen Faktoren sind, die einen Menschen ausmachen und uns beim Finden und Konstruieren unserer Identität immer wieder vor zwischenmenschliche Herausforderungen stellen – und nie so einfach und eindeutig sind, wie es uns die Gesellschaft häufig vorspielt.
Unfassbar, was Amazon da in Eigenproduktion geschaffen hat. Eine wahre Perle, etwas ganz Neues. Einfühlsam, vielfältig, komplex, witzig, traurig, menschlich, leidenschaftlich und sehr mutig – hier liegt Potenzial zur besten (Comedy-)Drama-Serie dieses Jahrzehnts und man möchte fast sagen, es läutet eine neue Ära des Qualitätsfernsehens ein. Die schauspielerische Leistung, allen voran des so charismatischen Jeffrey Tambor, die ehrlichen und mutigen Szenen menschlicher Intimität, der Humor, die zauberhafte Atmosphäre, der berührende Soundtrack, die vor Traurigkeit wie auch Freude zu Tränen rührenden Dialoge… und das alles, ohne auch nur einmal kitschig zu werden! Es gibt einfach nicht genug Klee, über den man diese Serie loben müsste. Sie reißt Wunden auf und sie heilt zur gleichen Zeit. Das einzige Manko ist, dass die erste und bisher einzige Staffel nach 10 Folgen, also ca. 5 Stunden, viel zu schnell vorbei ist!

Empfehlungen

22. Mai um 20.10 Uhr im DLF Best of Mao, Hitler, Stalin – Diktatoren als empfindsame Künstler
31. Mai um 18.30 Uhr im DKultur: Traurigkeit und Melancholie
Chilly GonzalesChambers (Homepage) (Spotify)
– William Youn – William Youn plays Mozart Sonatas (Homepage) (Spotify)

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