Feuilletöne – Sendung 211 – Albert Camus, Sunwook Kim, Robin Hood und Glenfarclas 12

Albert Camus! Endlich! Zumindest sagt das Herr Martinsen. Ob Frau Windhorst ebenso begeistert ist, das erfahrt ihr in dieser Sendung. Außerdem hörten wir Sunwook Kim mit ‘Ludwig van Beethoven/Piano Sonatas’, sahen den Zeichentrickfilm ‘Robin Hood’ aus dem Jahre 1973 und verkosteten einen 12-jährigen Glenfarclas.

Gelesen

Albert CamusDer Mythos des Sisyphos und Der Mensch in der Revolte

Albert Camus schrieb im Jahre 1942 ‘Der Mythos des Sisyphos’ und im Jahre 1951 ‘Der Mensch in der Revolte’. Diese beiden Werke sind die beiden philosophischen Hauptwerke des Franzosen, der aber auch in seinen Romanen immer wieder seine Philosophie zum Ausdruck bringt. Im Zentrum dieser Philosophie steht das Absurde. Erkennt “Mensch” die Sinnlosigkeit der Welt, so stürzt es diesen im Verlaufe seines Strebens nach ebendiesem Sinn in tiefste existentielle Krisen. „Das Absurde kann jeden beliebigen Menschen an jeder beliebigen Straßenecke anspringen.“, sagt Camus. Das menschliche Streben nach Sinn in einer sinnleeren Welt muss notwendigerweise vergeblich sein. Da es laut Camus kein transzendentes Wesen gibt, welches zumindest Dinge angestoßen hat, kann es auch keinen Sinn geben. Somit gibt es auch keine Hoffnung und keinen Trost auf Erlösung oder ähnliches. Sinn ergeben Dinge, die gemacht wurden – nicht die, die da sind, ohne gemacht worden zu sein. Was also tun? Um nicht zu resignieren, fordert Camus den auf sich allein gestellten Menschen, unabhängig von einem Gott und dessen Gnade selbstbestimmt sein Bewusstsein neuer Möglichkeiten zu nutzen. Letzteres haben wir auch schon bei Sartre gehört. Camus folgert, dass der Mensch sich in Auflehnung, Widerspruch und Revolte üben möge. Außerdem könne man, da man nur ein Leben habe, auch nur dieses eine Leben leben. Deswegen solle man es unbedingt so leben, dass es so viel Spaß wie möglich machen möge.

Gehört

Sunwook KimLudwig van Beethoven/Piano Sonatas

Sunwook Kim wurde 1988 in Seoul geboren. Er begann im Alter von drei Jahren Klavier zu spielen, studierte an der Korea National University of Arts sowie an der Royal Academy of Music in London. Er spielte bereits mit etlichen weltbekannten Orchestern zusammen. Hier nun hat er die Klaviersonaten Nr. 8, Nr. 14 und Nr. 23 von Ludwig van Beethoven eingespielt. Er hat sich drei der bekanntesten Beethoven-Sonaten ausgesucht und wir sprechen in dieser Folge darüber ob uns die Interpretationen dieser Klaviersonaten gefallen haben.

Gesehen

Robin Hood (IMDb)

Robin Hood ist in diesem Fall ein Zeichentrickfilm der Walt-Disney-Studios aus dem Jahr 1973. Es geht um den legendären englischen Volkshelden Robin Hood. Die Geschichte wird hier von Tieren gespielt, die die menschlichen Rollen samt ihrer Eigenschaften komplett übernehmen. Der Film wurde 1974 für den Song ‘Love’ für den Oscar nominiert und erhielt 1976 die Goldene Leinwand. Wir haben uns den Film angesehen und teilen mit euch unsere Eindrücke.

Verkostet

Glenfarclas 12 

Glenfarclas (was so etwas Ähnliches wie ‘Tal des grünen Grases’ heißt) wurde 1836 von Robert Hay gegründet, bekam 1844 die Lizenz, um Whisky zu brennen, und wurde 1865 an John Grant verkauft. Dessen Nachfahren renovierten die Brennerei 1896 und sind noch heute die Besitzer. Keine Schließungen, keine drölfzig Besitzerwechesel. In den Jahren 1960 und 1976 wurde um jeweils zwei auf heute insgesamt sechs Brennblasen erweitert. Und fertig. Es gibt in der Core-Range von Glenfarclas einen 8, 10, 12, 15, 17, 21, 25, 30 und gar einen 40-Jährigen Whisky. Außerdem den 105 Cask Strength und eine Menge Sonderabfüllungen. Aber auch bei Glenfarclas werden langsam die Fässer knapp, und so ist der 30-jährige in den letzten 2 Jahren fast doppelt so teuer geworden. Alle Brennblasen werden direkt befeuert, das ist in Schottland mittlerweile einmalig. Es wird ausschließlich in Dunnage-Warehouses gelagert und es kommen bei Glenfarclas Oloroso-Sherry-Fässer zum Einsatz.

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137-Frank Witzel, Fauré, Jessica Jones und Bowmore 15 ‘Darkest’

Neuigkeiten

Am 17. Dezember war der 245. Geburtstag von Ludwig van Beethoven
Brauerei braut Vasily Petrenko Bier
Kurt Masur ist gestorben

Gelesen
Frank WitzelDie Erfindung der Roten Armee Fraktion…

Die Welt, wie sie ein 13-Jähriger sieht und erzählt. Und zwar zu Zeiten der ausgehenden 60er und beginnenden 70er Jahre des 20. Jahrhunderts. Die alte BRD wird noch mal zum Leben erweckt, und erzählt. Ein 13-Jähriger Junge, der aufgrund der Ereignisse dieser Zeit seine eigenen Schlüsse zieht. Man erlebt noch mal die Welt, die es nicht mehr gibt, und die viele auch nicht mehr kennen. Es ist eine Geschichte, die im westlichen Teil Deutschlands spielt, als es noch den kalten Krieg, die RAF und die ersten männlichen Menschen mit langen Haaren gab. Und all das wird nun aus der Sicht eines Heranwachsenden und nicht aus der Sicht eines damals schon Erwachsenen beschrieben. Das alles ist sehr komplex, denn es gibt auch immer wieder Geschichten in der Geschichte. Erzählungen eines Jungen von einer Welt, die es ebenso wie die DDR nicht mehr gibt.

Gehört

Gabriel Fauré Special: Seine Orchesterwerke (Apple Music)

Gabriel Fauré  ist 1845 geboren, wir feiern 2015 also seinen seinen 170. Geburtstag. Er war ein Komponist des sogenannten Fin de siècle. Sein Requiem dürfte sein bekanntestes Werk sein. Er hat aber auch Orchester-, Vokal-, Klavier- und Kammermusikgeschrieben. Zwei Opern hat er vollendet. Wir beschäftigen uns in dieser Folge mit seinen Orchesterwerken. Faurés Stücke zeichnen sich durch zurückhaltende Orchestrierung, eher gemäßigter Lautstärke und feiner Poesie aus. Er hat eine ganz eigene Sprache gefunden, in der sich musikalisch artikuliert. Obwohl seine Musik meist der Diatonik treu bleibt, ist sie mitnichten verstaubt. Im Gegenteil. Manchmal sind die Stüke geradezu überraschend modern. Zu seinen Schülern zählten Nadia Boulanger, George Enescu, Reynaldo Hahn, Charles Koechlin und Maurice Ravel. Ein Komponist den es noch zu entdecken gilt, und der mehr geschrieben hat als nur ein Requiem.

Gesehen

Jessica Jones (IMDb)

In einer weiteren düsteren Marvel-Serie auf Netflix darf nun Privatdetektivin Jessica Jones Hell’s Kitchen unsicher machen. Trotz ihrer Superkraft ist ihr Leben alles andere als leicht: Sie leidet an posttraumatischer Belastungsstörung infolge einer monatelangen Gefangenschaft in den Fängen des charismatischen, aber sadistischen und mittlerweile tot geglaubten Kilgrave. Dieser kann Menschen per Gedankenkontrolle dazu bringen, jeden seiner Befehle auszuführen. Als er zurück ist, um Jessica von seiner Liebe zu überzeugen, beginnt ein perfides Spiel um Leben, Tod und freien Willen.

Verkostet

Bowmore 15 ‘Darkest’

Wir sind diesmal auf der Insel Islay und verkosten den Bowmore 15 ‘Darkest’.

Empfehlungen

Silvester auf 3Sat

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111-Tocotronic, Avengers und Gloria G. Brame

Neuigkeiten

Maja Michailowna Plissezkaja verstarb mit 89 Jahren
– Muppet Show kommt zurück

Gelesen

Gloria G. BrameA Fetish for Men

Wenn Intellektuelle versuchen, sich literarisch mit Sex zu befassen, geht das nicht immer gut. Gloria Brame allerdings ist nicht nur eine international gefeierte Sex-Therapeutin (BDSM, Fetischismus, sexuelle Dysfunktion) und in der klinischen Forschung tätig, sie hat auch verdammt spannende Geschichten zu erzählen. Als Tochter von Holocaust-Überlebenden in Brooklyn hatte sie eine – sehr untertrieben ausgedrückt – eher schwierige Kindheit und Jugend, aber umso mehr Neugier und Stärke, sich die eigene Freiheit nicht nehmen zu lassen. “A Fetish for Men” ist nach “Naked Memory“ ein weiterer Teil ihrer Memoiren, in dem sie ihren gleichermaßen unterhaltsamen wie intellektuellen Schreibstil weiterentwickelt: Sie schafft es, in einem Atemzug von tief philosophischen Gedanken zu schrullig-erotischen Sexgeschichten zu springen, ohne je langweilig oder prätentiös zu werden. Dieser kurze Einblick in ihre bewegte Jugend und Entdeckung ihrer Sexualität ist aufklärend, herausfordernd, unterhaltend, intelligent, ehrlich, schmerzhaft und zuweilen schwer zu verdauen.

Gehört

Tocotronic – Das rote Album (Homepage) (Spotify)

Da ist es, das 11te Album der Band. Nachdem sie sich das letzte mal mit dem Älterwerden und dem Vergehen beschäftigt haben, geht es diesmal um die Liebe. Und was ist das? Pop?
Eingängige wunderschöne Popmusik. Richtige Ohrwurmqualitäten hat dieses Album. Diese Musik, bekommt man so schnell nicht mehr aus dem Kopf. Was die Texte angeht, so braucht man eigentlich kein Wort mehr über diese Band zu verlieren. Es ist Tocotronic, und so sind auch die Texte auf diesem Album. Viele Texte von Ihnen könnten einfach so als Überschrift eines Artikels, eines Aufrufes oder eben auf T-Shirts stehen. So was konnten sie schon immer. Das können sie auch heute noch. Nur, dass es eben diesmal um die Liebe geht. Und das ist gefährlich, denn da droht es sehr schnell kitschig zu werden. Dirk von Lowtzow wäre nicht Dirk von Lowtzow, wenn er diese Klippen nicht meisterhaft umschiffen würde. Es wird über die verschiedene Formen und Aggregatszustände der Liebe gesungen. Das wird dann zum Teil sogar wieder ein wenig politisch. Ganz ohne geht ja auch nicht. Musikalisch wandelten Tocotronic schon immer auf der Wegscheide zwischen Rock, Grunge oder Punkrock, waren aber auch immer große Fans des Pop. Und dieser Pop, steht auf diesem Album eindeutig im Vordergrund. Joy Division, The Cure und ein Hauch Pet Shop Boys. Die Songs sind so zugänglich, wie man es eigentlich noch nie erlebt hat. Nie waren sie poppiger, zugänglicher und ohrwurmiger. Ein zauberhaftes Album.

Gesehen

Avengers – Age of Ultron (IMDb)

„Avengers: Age of Ultron“ ist der nun zweite Avengers-Film im Marvel Cinematic Universe (MCU) und schließt an die Ereignisse von “Captain America: The Winter Soldier” sowie die Serie “Agents of S.H.I.E.L.D.“ an. Wer es noch nicht mitbekommen haben sollte: Marvel baut sich seit 2008 (Iron Man) und für viele Jahre in die Zukunft ein neues Universum für all die illustren Charaktere, die in verschiedenen Formen in den letzten 75 Jahren ihre Comics bevölkert haben und baut dabei einen Berg an Medien mit einem Grad an Intertextualität, der seinesgleichen sucht. Alles ist verwoben, hier wird auf etwas angespielt, dort wird etwas angedeutet, da wieder etwas enthüllt – und doch funktionieren die Filme und Serien auch für sich allein genommen noch erstaunlich gut.
Hier kämpfen sich also die aktuellen Avengers Iron Man, Captain America, Thor, der Hulk, Hawkeye und Black Widow über den Bildschirm. Mittelpunkt der Story ist ein Roboter mit künstlicher Intelligenz, Ultron. Er entstand, als Tony Stark sich in den Kopf gesetzt hatte, eine übermächtige künstliche Intelligenz könne doch die Menschheit sicher viel besser beschützen sodass unsere Superhelden öfter mal Urlaub machen können. Weit gefehlt: Wie wir aus Jahrzehnten der Science-Fiction wissen, ist die beste Möglichkeit, die Erde zu retten, die Menschheit zu vernichten. So sieht es auch Ultron, der nun also aufgehalten werden muss. Wie praktisch, wenn man einen anderen übermächtigen Androiden dabei hat, der die Menschheit gerade lieb gewinnt.

re:publica

Empfehlungen

– 15.05. um 20.10 Uhr im DLF – Winston Churchill – Auf dem Schlachtfeld der Worte
– Ricardo Muti und das CSO mit der 9. Symphonie von Ludwig van Beethoven kostenlos zu sehen. (YouTube) (CSO)

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