Feuilletöne – Sendung 159 – Spezial zum 400. Todestag von William Shakespeare: Romeo und Julia

In unserer 159. Sendung geht es um den 400. Todestag von  William Shakespeare und Romeo und Julia. Zusammen mit unseren Freunden von Bücherstadt Kurier verneigen uns vor William Shakespeare mit Pierre Boulez, dem Cleveland Orchestra, Hector Berlioz und Leonard Bernstein. 

Gelesen

William ShakespeareRomeo and Juliet

Seit Ewigkeiten besteht Feindschaft zwischen den Familien Capulet und Montague. Ein Montague, nämlich Romeo, hat sich aber unbemerkt auf ein Kostümfest der Capulets geschlichen. Dort begegnet er Julia, der Tochter der Capulets. Sie verlieben sich ineinander und lassen sich heimlich von Bruder Lorenzo trauen. Der Franziskanermönch erhofft sich durch die Hochzeit die Versöhnung der verfeindeten Familien. Tybalt, ein Vetter Julias, fängt Romeo auf dem Marktplatz ab. Romeo weigert sich, auf dessen Provokationen einzugehen und Mercutio kämpft an seiner Stelle. Als Romeo aber zwischen die Kämpfenden tritt, um eine drohende Eskalation des Streits zu verhindern, wird er ungewollt zum Anlass der Ermordung Mercutios. Aus Wut über den Tod seines Freundes ersticht Romeo daraufhin Tybalt. Er wird daraufhin aus Verona verbannt. So bleibt den Liebenden eine einzige Nacht – ihre Hochzeitsnacht. Nun hält Paris um Julias Hand an und ihre Eltern drängen zur baldigen Hochzeit. Verzweifelt bittet Julia Bruder Lorenzo um Hilfe. Der gibt ihr einen Trank, der sie vierundzwanzig Stunden in einen todesähnlichen Zustand versetzt. Romeo findet Julia vor und schluckt Gift, weil er er denkt, dass seine geliebte Julia tot ist, und stirbt zu ihren Füßen. Diese erwacht wenige Augenblicke später, erkennt das Misslingen ihres Plans und tötet sich mit Romeos Schwert. Aufgrund des Todes ihrer Kinder, erkennen die verfeindeten Familien die Sinnlosigkeit ihres gegenseitigen Hasses und beenden ihre Feindschaft.

Gehört

Pierre Boulez/Cleveland OrchestraHector BerliozRoméo et Juliette

Roméo et Juliette ist eine Symphonie Dramatique, eine groß angelegte Chorsymphonie (Sinfoniekantate), die am 24. November 1839 uraufgeführt wurde. Das Libretto stammt von Émile Deschamps. Es basiert auf Shakespeares Drama Romeo und Julia und gilt als eines der besten Werke von Berlioz. Es gehört auf jeden Fall zu seinen originellsten.

Gesehen

Hector Berlioz – Roméo et Juliette mit Lenny Bernstein (YouTube)

Im Jahre 1984 war Leonard Bernstein in Salzau beim Schleswig Holstein Musikfestival, um dort mit dem Schleswig Holstein Musikfestivalorchester – das aus jungen Musikerinnen und Musikern aus aller Welt besteht – zu arbeiten. Das Ergebnis dieser Arbeit wurde anschließend auf einer Tournee vorgestellt. Wir haben uns die Proben dazu bei YouTube angeschaut.

.

avatar Herr Martinsen Moderator Amazon Wishlist Icon
avatar Frau Windhorst Moderatorin
avatar Feuilletöne Sender Auphonic Credits Icon

Feuilletöne – Sendung 144 – Im Arbeitslosenpark, Pierre Boulez, Die Muppets und Deanston 12

Diesmal lasen wir ‘Im Arbeitlosenpark’ von Andreas Krenzke; wir hörten Pierre Boulez und das Cleveland Orchestra, die Le sacre de Printemps interpretierten; wir sahen die Muppets und verkosteten einen 12-Jährigen Deanston.

Gelesen

Andreas Krenzke – Im Arbeitslosenpark (YouTube) (Verlag)

Im Arbeitslosenpark ist eine Satire, man könnte auch sagen politisches Kabarett. Es geht um sogenannte Arbeitslosendarsteller, die vermeintlich ihre Arbeitslosigkeit nur noch darstellen, weil es ja ofiziell nach dem Aufschwung gar keine mehr gibt. Ganz so falsch ist das auch nicht, denn wenn erwerbslose Menschen krank sind, sich in einer Fortbildung befinden oder einem sogenannten 1-Euro-Job nachgehen, sind sie tatsächlich nicht mehr als arbeitslos gemeldet und fallen so auch aus der Arbeitslosenstatistik heraus. Eine hübsche, böse und lustige Satire.

Gehört

Pierre Boulez/Cleveland OrchestraIgor StrawinskyLe sacre du Printemps (Apple Music)

Pierre Boulez wollte die Opernhäuser sprengen, er war einer der herausragenden Komponisten der Avantgarde, und hier speziell der seriellen Musik. Aber er war eben auch Dirigent. U.a. des Cleveland Orchestras und des New York Philharmonic Orcherstras. Mit dem Cleveland Orcherstra hat er seinerzeit Le sacre du Printemps von Igor Stravinsky aufgenommen. Eine eher nüchterne, sich an der Partitur orientierende Einspielung. Wer Emotionen à la Bernstein, Zuckerguss à la Karajan oder langsame Tempi à la Celibidache sucht wird hier nicht fündig. Dafür bekommt man das Werk hier mit all seinen Details vorgeführt.

Gesehen

Die Muppets (IMDb)

Es geht um die Brüder Gary und Walter. Während Gary ein Mensch ist, ist Walter eine Puppenfigur. Walter ist ein großer Fan der Muppet-Show. Als Gary mit seiner Freundin nach Los Angeles fährt, nimmt er Walter mit, damit dieser die Muppet-Studios besichtigen kann. Sie stellen fest, dass der alte Glanz der Studios nicht mehr vorhanden ist. Sie sind stillgelegt und heruntergekommen. Während Walter sich Kermits altes Büro ansieht, wird er Zeuge einer Unterhaltung zwischen Statler und Waldorf mit Tex Richman. Dieser will die Muppet-Studios kaufen und gibt vor, dort ein Muppet-Museum eröffnen zu wollen. In Wahrheit will er sie abreißen lassen, um an eine Ölquelle zu gelangen. Walter, Gary und Mary machen sich nun auf die Suche nach Kermit. Dieser lebt zurückgezogen in einer alten Villa und trauert den alten Zeiten nach. Walter gelingt es, Kermit davon zu überzeugen, die Muppet-Show wieder aufleben zu lassen. Mithilfe der Show soll es gelingen 10.000.000 Dollar einzunehmen, um Tex Richmans Knebelvertrag aufzulösen und so den Verkauf der Studios abzuwenden. Gemeinsam machen sie sich auf den Weg, die alte Truppe wieder zusammenzubringen.

Verkostet

Deanston 12

Diesmal sind wir in den Highlands unterwegs, und zwar bei dem 12-Jährigen Deanston. Diesmal ist Frau Windhorst eher ein wenig zurückhaltend, was diesen Whisky angeht, Herr Martinsen hingegen findet ihn gut.

avatar Herr Martinsen Moderator Amazon Wishlist Icon
avatar Frau Windhorst Moderatorin
avatar Feuilletöne Sender Auphonic Credits Icon

109-Mozart, Brahms und Fauré

Neuigkeiten
Pierre Boulez ist 90!
Frühlingspause der Feuilletöne im April
Spenden
Shop
Neue Folge des Klangspektrums

Gehört – Requiem Special
Ein Requiem ist (war) erst einmal nichts anderes als eine Messe für Verstorbene. Sie wurde mit gregorianischen Gesängen unterlegt. Im Laufe der musikalischen Entwicklung des Requiems löste es sich immer mehr vom kirchlichen Kontext und wandelte sich zu einer eigenen musikalischen Form, die z. T. auch komplett ohne klerikalen Kontext auskommt. Da es hier Chor, Solostimmen und Orchester gibt, können Komponisten hier so richtig zeigen, was sie können. Wir wollen die Entwicklung von der musikalischen Untermalung einer Totenmesse bis zur endgültigen Befreiung vom kirchlichen Kontext aufzeigen. Drei Teile, welche in loser Reihenfolge aufeinander folgen werden, sollen diese Entwicklung aufzeigen. Dieser Teil behandelt die Zeit, in der sich Komponisten langsam über die Vorgaben der Kirche hinweg setzen.

Wolfgang Amadeus Mozart Requiem d-Moll KV 626
– Harnoncourt/Concentus Musicus Wien (Homepage)/Schönberg Chor (Homepage) (Spotify)

Das Requiem stammt aus dem Jahr 1791 und war Mozarts letzte Komposition. Obwohl es wohl nur zu ca. zwei Dritteln von Mozart stammt, ist es eines der beliebtesten Requien und eines der Werke von Mozart, welche am meisten geschätzt werden. Mozart starb während der Komposition und konnte es somit naturgemäß nicht zu Ende bringen. Da das Ehepaar Mozart bereits seit Jahren in finanzieller Not war, beschloss die Witwe Constanze Mozart Joseph von Eybler und Franz Xaver Süßmayr, beides Schüler von Mozart, zu engagieren, damit diese die Arbeiten an dem Werk abschließen mögen. Constanzes Behauptung zum Zeitpunkt von Mozarts Tod, die Arbeit sei kurz vor dem Abschluss entstanden, war mehr als optimistisch, führte aber lange zu der Annahme, Mozart hätte das Werk in seinen letzten Zügen mehr oder weniger zu Ende Komponiert. Welchen Umfang die nachträglichen Ergänzungen tatsächlich ausmachen, und was welcher Schüler wann geschrieben hat, das weiß man bis heute nicht so recht. Da Mozart während dieser Komposition starb, hatte das natürlich eine üppige Mythenbildung zu Folge. Hier ist, obwohl es sich um ein Auftragswerk handelt, die christliche Welt noch in Ordnung. Auch wenn Mozart durchaus in der Lage war sich mit Kirchenfürsten anzulegen wenn es um seine Kunst ging – der Kirche abgeneigt oder gar ungläubig war er nicht. Sein Requiem ist wohl das bekannteste und im Felde dieser drei Requien, was das Musikalische, Religiöse und Liturgische angeht, auch das konventionellste. Musikalisch ist es der Wiener Klassik zuzuordnen.

Johannes BrahmsEin deutsches Requiem op. 45
– Sir Roger Norrington/London Classical Players/Schütz Choir of London (Spotify)

Ein Deutsches Requiem ist der Titel dieses Werkes von Johannes Brahms, dabei ist es gar kein Requiem. Erstens war Brahms zumindest auf dem Papier evangelisch, zweitens hält sich das Werk nicht mal ansatzweise an die Liturgie eines Requiems, geschweige denn an sonst irgendwas und drittens war er, wie er selbst sagte, bibelfester Atheist. Wie bei Fauré steht auch hier der Trost der Hinterbliebenen im Mittelpunkt. Um das zu untermauern hat  Brahms dafür Texte des Alten und Neuen Testaments der Lutherbibel und Texte, die nicht aus dem biblischen Kontext stammen, ausgewählt. Er verzichtet wie Fauré auf Gottes Zorn und das jüngste Gericht. Es sollte keine Trauermusik für die Toten, sondern Musik zum Trost für die Lebenden sein. Wenn es aber kein Requiem ist, was ist es dann? Musikalisch könnte man es als Oratorium bezeichnen, da fehlt dann aber die durchgehende Handlung, sprich die dramatische Komponente. Der Text spricht eher für eine der frühen evangelischen Motetten, da passt dann aber die Musik wieder nicht hinein. Aber was ist es dann? Antwort: Nichts. Es ist nichts. Dieses Werk entzieht sich einer Einordnung in irgendeine musikalische Gattung. Wenn man die Biographie des Herrn Brahms ein wenig kennt, und somit seinen Charakter ein wenig einzuordnen vermag, kann man sich die Freude bei Brahms hierüber vorstellen. Die ersten drei Sätze wollte man in Wien nicht spielen und so wurde das Werk an einem Karfreitag, dem 18. April 1868 im Bremer Dom St. Petri unter Leitung von Brahms aufgeführt. Hier fehlte der später hinzugefügte fünfte Satz. Mit fünftem Satz wurde das Werk am 18. Februar 1869 das erste Mal im Leipziger Gewandhaus aufgeführt. Musikalisch ist dieses Werk in der Romantik verwurzelt.

Gabriel FauréRequiem op. 48
– Philippe Herreweghe/Ensemble Musique Oblique (Homepage)/La Chapelle Royale (Spotify)

Fauré respektierte und bewunderte zwar gläubige Menschen, wie er überhaupt eine sehr differenzierte Betrachtungsweise an den Tag legte, was die Dinge die ihn umgaben anging, doch er selbst war Agnostiker. Trotz alledem wurde er 1877 Chordirektor der Kirche La Madeleine in Paris. Als solcher lernte er naturgemäß das ziemlich umfangreiche Repertoire geistlicher Chormusik kennen und befand, dass ihm das alles nicht gar zu sehr zusagte. “Ich begleitete Trauergottesdienste auf der Orgel nun schon so lange! Das reichte mir allmählich! Ich wollte etwas anderes machen!” Und so komponierte er sein Requiem 1887, welches dann am 16. Januar 1888 in La Madeleine zu einem Begräbnis das erste Mal aufgeführt wurde. Zu diesem Zeitpunkt gab es nur fünf Sätze (“Introitus et Kyrie”, “Sanctus”, “Pie Jesu”, “Agnus Dei” und “In Paradisum”) und Faurés Textauswahl legte besonderen Wert auf Ruhe und Frieden und enthielt keinen einzigen Verweis auf das Jüngste Gericht. Im Anschluss fügte Fauré noch das Offertoire und das Libera me, was schon sehr viel früher geschrieben wurde als das eigentliche Requiem, hinzu.  Diese Version wurde am 21. Januar 1893 zum ersten Mal aufgeführt, ebenfalls in La Madeleine, mit Fauré als Dirigent. Zwischen 1899 und 1900 wurde es dann von einem seiner Schüler für großes Orchester orchestriert. Diese Version wurde am 12. Juli des Jahres 1900 im Zuge der Pariser Weltaustellung aufgeführt. 1924 wurde diese Version dann auch zum Tode des Komponisten aufgeführt. Die Version, um die es hier gehen soll, ist die Version von 1893. In diesem Requiem geht es weniger um die Angst vor dem himmlischen Strafgericht, vielmehr ist es vom Trostgedanken durchdrungen. Die Musik hat fast meditativen Charakter, und ist irgendwo zwischen Romantik, Klassik, Renaissance und Moderne einzuordnen. “Es ist so sanftmütig wie ich selbst”, sagte er einst über dieses Werk.

Das erwartet euch nach der Pause u. a.:

– Das neue Tocotronic Album
– Ian McEwan und Kindeswohl
– Das neue Death Cab for Cutie Album
– Milan Kundera und Die unerträgliche Leichtigkeit des Seins
– Ólafur Arnalds und Alice Sara Ott mit dem Chopin Project
– Franz Kafka und Blumfeld, ein älterer Junggeselle
– Das neue Album von Chilly Gonzales

Empfehlungen

– Del Bel – Del Bel (Homepage) (Spotify)
– Of Montreal Aureate Gloom (Homepage) (Spotify)
– Augostino SteffaniNiobe, Regina Di Tebe – (Spotify)
Hiob Gesicht Gottes von Michael Farin nach einem Text von Thomas Harlan. Gesprochen wird das Ganze von Blixa Bargeld von den Einstürzenden Neubauten, am 3. April 0.05 Uhr im DRadioKultur
Die Befristeten von Elias Cannetti 5. April 18.30 Uhr im DRadioKultur
– Feature: Lady Day. Zum 100. Geburtstag von Billy Holiday. Das Leben der Billy Holiday. Am 7. April um 19.15 Uhr im DLF
Party im Blitz/Die englischen Jahre von Elias Cannetti 6. April 18.30 Uhr DKultur
Die Kontrakte des Kaufmanns. Hörspiel von Elfriede Jelinek. Am 13. April 0.05 Uhr im DKultur. Zweite Teil am 20. April um 0.05 Uhr. Dritter Teil am 27. April um 0.05 Uhr. Vierter Teil am 4. Mai um 0.05 Uhr. Fünfter Teil am 11. Mai 0.05 Uhr. Sechster Teil am 18. Mai um 0.05 Uhr
Feature: Bigger than Hip-Hop. Vom Ghetto zum Milliardengeschäft.  26. April um 20.05 Uhr im DLF

avatar Herr Martinsen Moderator Amazon Wishlist Icon
avatar Frau Windhorst Moderatorin
avatar Feuilletöne Sender Auphonic Credits Icon