Archiv: Episoden

  • Feuilletöne – Sendung 282 – Clue Writing, Jeff Tweedy, Hannah Gadsby und Andrea da Ponte

    Wir haben mal wieder was von unseren Freunden von Clue Writing gelesen, diesmal ‚Bedeutung(slos)‘. Außerdem haben wir ‚Warm‘ von Jeff Tweedy gehört, das Programm ‚Nanette‘ von Hannah Gadsby gesehen und unseren ersten Grappa verkostet, und zwar den ‚Uve Bianche Malvasia e Chardonnay‘ von der Brennerei Andrea da Ponte.

    Gelesen

    Clue WritingBedeutung(slos)

    Wir haben mal wieder etwas von den tollen Menschen von Clue Writing gelesen. Rahel und Sarah heißen die beiden Menschen hinter der Literaturplattform Clue Writing. Seit 2012 veröffentlichen sie wöchentlich Kurzgeschichten, die an einem vorher festgelegten Handlungsort (Setting) spielen und vorgegebene Stichworte (Clues) nach klaren Vorgaben vertexten. So kam im Laufe der Zeit ein Textsammelsurium mit mehreren hundert Geschichten zusammen! Und das in allen möglichen Genres. Und so behaupten sie mit Fug, Recht, dass auf Clue Writing jedes Leserherz umworben wird. Man findet bei Clue Writing Krimis, Abenteuergeschichten, Komödien, Charakterstudien, Romantik, Science Fiction und Horror. Da dürfte für alle Menschen was dabei sein.

    Victor liegt ob der Spende eines Teiles seiner Leber für seinen Vater im Krankenhaus und ärgert sich über die Krankenschwester Madeleine Hugo, über das Krankenhaus an sich und überhaupt über alles. Bis dann ihn dann seine Mutter besucht.

    Gehört

    Jeff TweedyWarm

    Jeffrey Scot ‚Jeff‘ Tweedy wurde 1967 in Belleville in Illinois geboren. Er ist Autor, Sänger, Songwriter, Plattenproduzent und Bandleader der Band Wilco. Er begann seine Musikkarriere in der High School in der Band ‚The Plebes‘, die später in die alternative Country-Band ‚Uncle Tupelo‘ überging. Anschließend gründete er Wilco, die vor allem mit ‚Yankee Hotel Foxtrot‘, ‚A Ghost Is Born‘ oder auch ‚Star Wars‘ kommerziellen Erfolg erzielten und auch von Musikkritikern in höchsten Tönen gelobt werden. ‚Yankee Hotel Foxtrot‘ wurde 2005 mit einem Grammy für das beste alternative Album des Jahres ausgezeichnet. Er veröffentlichte insgesamt 16 Studioalben, darunter vier mit Uncle Tupelo, zehn mit Wilco, eines mit seinem Sohn Spencer, ein akustisches Soloalbum sowie zahlreiche Kooperationen mit anderen Musikern, insbesondere mit Billy Bragg. Im November 2018 veröffentlichte Tweedy seine Memoiren namens ‚Let’s Go (So We Can Get Back)‘.

    Am 30. November 2018 veröffentlichte Jeff Tweedy sein Soloalbum ‚Warm‘. Das ist auch der Grund weswegen wir es erst jetzt besprechen und es nicht schon im letzten Jahr besprachen, es wurde einfach zu spät veröffentlicht um noch bei den Alben des Jahres dabei sein zu können. Es ist das zweite Soloalbum, aber das erste mit ausschließlich neuen Songs. Das Schlagzeug spielt Spencer Tweedy. Und auch ansonsten bleibt viel in der Familie. So werden die Synthesizer von den beiden Söhnen gespielt, ebenso wie die Backing Vocals von eben jenen gesungen werden. Einzig auf dem 11. Song des Album spielt Glenn Kotche von Wilco die Drums. Produziert ist das Album von Jeff Tweedy und Tom Schick.

    Gesehen

    Hannah GadsbyNanette

    Hannah Gadsby wurde wurde 1978 in Smithton in Tasmanien geboren. Sie ist Komikerin und Autorin. Bekannt wurde sie in Australien, nachdem sie den ‚Raw Comedy‘-Wettbewerb im Jahr 2006 gewann. Sie tourte anschließend auch außerhalb Australiens und war im australischen und neuseeländischen Fernsehen zu sehen. Im Jahr 2018 veröffentlichte Netflix das Standup-Programm ‚Nanette‘ auf seiner Streaming Plattform und machte so das internationale Publikum auf sie aufmerksam. Ein Comedy-Programm, was eigentlich gar keines ist. Aber hört selbst.

    Verkostet

    Andrea da Ponte – Uve Bianche Malvasia e Chardonnay

    1892 gründet Brennmeister Andrea da Ponte den Betrieb in Venezien. Nur wenige Jahre später perfektioniert Matteo da Ponte die Destillationskunst und veröffentlichte das ‚Handbuch der Destillation‘. Die exklusive ‚Metodo da Ponte‘, die in diesem Buch auch mit Zeichnungen der vom Autor konstruierten Brennkolben beschrieben ist, wird als innovativ und äußerst modern erkannt. Sie macht Schule und sorgt dafür, dass der Grappa da Ponte bekannt und geschätzt wird. Die Brennerei Andrea da Ponte ist immer noch ein Familienbetrieb der Familie Da Ponte. Die Brennerei war die erste, die begonnen hat die Produktion mit der Umwelt in Einklang zu bringen. So haben sie angefangen mit Biomasse beheizte Kessel zu nutzen oder modernste Anlagen zur Energierückgewinnung zu bauen. 2009 schließlich stellten sie eine Photovoltaikanlage fertig, die eine jährliche CO2-Senkung von 70 Tonnen gestattet. Durch die Verwendung erneuerbarer Energien konnten sie die Schadstoffemissionen auf annähernd null senken.

    Grappa wird aus den vergorenen alkoholhaltigen Pressrückständen der Weinherstellung destilliert. Es hat einen Mindestalkoholgehalt von 37,5 Volumenprozent. Grappas werden aus den Pressrückständen roter und weißer Trauben gewonnen. Durch Fasslagerung können Farbe, Geschmack und Geruch bestimmt werden, also ähnlich wie beim Whisky. Da die Schalen von weißen Trauben immer noch Zucker enthalten, werden sie mit Most aufgegossen und abermals vergoren. Der entstandene Wein wird anschließend destilliert. So entstehen Traubenbrände aus weißen Sorten. In diesem Fall handelt sich um die Trauben Malvasia und Chardonnay.

  • Feuilletöne – Sendung 281 – Günter Seuren, Das Lied von der Erde, Joachim Fuchsberger, Inge Meysel und Eisenhart Lager

    Angekommen im Jahr 2019 ist bei den Feuilletönen die Normalität zurückgekehrt. Alle Rubriken sind wieder da, und so lasen wir ‚Das Experiment‘ von Günter Seuren, hörten ‚Das Lied von der Erde‘ von Gustav Mahler in verschiedenen Aufnahmen, sahen Joachim Fuchsberger dabei zu, wie er Inge Meysel 1983 im Rahmen der Sendung ‚Heut‘ Abend‘ interviewte und verkosteten ein Eisenhart Lager von der Liebhart’s Privatbrauerei.

    Gelesen

    Günter Seuren – Das Experiment (Text)

    Der Schriftsteller wurde 1932 in Wickrath am Niederrhein geboren. Er war Mitarbeiter der Illustrierten ‚Neue Post‘ in Düsseldorf, für die er kleinere Texte verfasste. Seit 1955 war er freier Schriftsteller und Filmkritiker bei der ‚Deutschen Zeitung‘. In den Sechzigerjahren des 20. Jahrhunderts stand er der sogenannten ‚Kölner Schule‘ des neuen Realismus nahe und verfasste neben erzählerischen Werken auch zahlreiche Hörspiele und Drehbücher für Fernsehspiele. Ab 1986 entstanden im Auftrag von ARD und ZDF eine Reihe von Drehbüchern für Dokumentarfilme; die Dreharbeiten hierfür führten ihn u. a. nach Kanada, Mexiko, Ecuador und Peru.

    Wir haben ‚Das Experiment‘ aus dem Jahre 2002 gelesen. Wir lesen davon, dass ein Mann nur noch rückwärts geht, nicht mehr vorwärts.

    Gehört

    Gustav MahlerDas Lied von der Erde

    Das Lied von der Erde ist ein sinfonischer Liederzyklus von Gustav Mahler, dennoch gehört das Werk nicht in die Reihe seiner nummerierten Sinfonien, ist aber das neunte symphonische Werk Mahlers dieser Gattung. Mahler selbst gab erst dem nachfolgenden Werk den Titel 9. Sinfonie.

    Das Werk entstand in den Jahren 1907 bis 1908. In dieser Zeit beschäftigte Mahler sich mit Nachdichtungen altchinesischer Lyrik. Er komponierte ‚Das Lied von der Erde‘ in einer Zeit privater Schicksalsschläge. Zum Einen starb die ältere Tochter Maria Anna im Alter von nur vier Jahren an Diphtherie, zum Anderen hatte er nach einer antisemitisch motivierten Pressekampagne gegen ihn als Direktor der Wiener Hofoper zurücktreten müssen. Außerdem wurde in jenem Jahr auch noch eine schwere Herzkrankheit diagnostiziert, die wenige Jahre später zu seinem Tod führen sollte. Kurz vor der Vollendung des Werkes schrieb er an Bruno Walter – der auch am 20. November 1911 in der Münchener Tonhalle die Uraufführung kurz nach Mahlers Tod leitete: „Ich war sehr fleißig. […] Ich weiß es selbst nicht zu sagen, wie das Ganze benamst werden könnte. Mir war eine schöne Zeit beschieden und ich glaube, daß es wohl das Persönlichste ist, was ich bis jetzt gemacht habe.“

    Das Lied von der Erde besteht aus sechs Teilen, in denen Mahler sieben Gedichte aus der Sammlung ‚Die chinesische Flöte‘ von Hans Bethge vertont hat. Folgende Lieder hat Mahler im Lied von der Erde vertont:
    1. Das Trinklied vom Jammer der Erde
    2. Der Einsame im Herbst
    3. Von der Jugend
    4. Von der Schönheit
    5. Der Trunkene im Frühling
    6. Der Abschied

    Bruno Walter und die Wiener Philharmoniker

    Hierbei handelt es sich um eine Aufführung aus dem Jahr 1952. Das heißt, sie kann nicht mehr ganz den klanglichen Ansprüchen der heutigen Zeit genügen. Darauf kommt es aber auch nicht an. Wir wollten einfach eine Aufnahme dabei haben, die von dem Dirigenten geleitet wird, der auch die Uraufführung dirigierte, um einen Eindruck davon zu bekommen, wie das alles mal geklungen haben könnte als Mahler noch da war, zumindest fast noch da war.

    Kent Nagano und das Orchestre symphonique de Montréal

    Diese Aufnahme ist aus dem Jahr 2009, also zum Zeitpunkt dieser Aufnahme ca. 10 Jahre alt – oder jung, je nach Sichtweise. Es ist ein eher transparenter Klang, man könnte auch sagen ein französischer Klang. Kent Nagano pflegt einen sehr eleganten Stil, der so gar nicht romantisch ist. Eine moderne Interpretation.

    Wir haben uns beide Interpretationen angehört und erzählen euch, was wir von ihnen halten. Und überhaupt, wie wir ‚Das Lied von der Erde‘ gehört haben, und wie wir es einordnen.

    Gesehen

    Heut‘ AbendJoachim Fuchsberger interviewt Inge Meysel im Jahre 1983 (YouTube)

    Heut’ Abend war eine Talkshow des Bayerischen Fernsehens und des SWF, später auch des NDR. Zunächst wurde die Sendung von wechselnden Moderatoren präsentiert. Ab Dezember 1980 an übernahm dann Joachim Fuchsberger sowohl Moderation als auch Produktion bis zur 300. und letzten Folge. Die Titelmelodie komponierte Klaus Doldinger.

    Joachim „Blacky“ Fuchsberger wurde 1927 in Stuttgart geboren. Er war Schauspieler, Synchronsprecher, Hörbuchsprecher und Showmaster.
    In einem Zeitraum von rund 60 Jahren war er in über 80 Filmen und Fernsehserien zu sehen. Berühmt wurde er unter anderem durch die Edgar-Wallace-Filmreihe aus den 1960er Jahren, in der er häufig einen Inspektor von Scotland Yard verkörperte. Zudem war er mit Sendungen wie ‚Der heiße Draht‘, natürlich ‚Auf Los geht’s los‘ und eben ‚Heut’ abend‘ als Showmaster erfolgreich. Er starb 2014 in Grünwald in der Nähe von München.

    Die Tochter des deutschen jüdischen Kaufmanns Julius Meysel und seiner dänischen Frau Margarete Hansen beendete mit 17 Jahren vorzeitig die Schule und begann 1930 ihre Theaterkarriere in Zwickau, Berlin und Leipzig. Zum ersten Mal stand Inge Meysel im Alter von drei Jahren in der Oper Hänsel und Gretel als Engel auf der Bühne.
    In der Zeit von 1933 bis 1945 hatte Inge Meysel als „Halbjüdin“ Auftrittsverbot. Ab den 1960er Jahren stand bei Inge Meysel das Fernsehen im Mittelpunkt. Bekannt wurde sie vor allem in der Rolle der Käthe Scholz in der Fernsehserie Die Unverbesserlichen, die von 1965 bis 1971 produziert wurde. Ihren ersten politischen Auftritt hatte Inge Meysel 1925 mit einer Rede gegen die Todesstrafe auf einer Kundgebung der Berliner Jungdemokraten. Auch an Protesten gegen den Paragraphen 218 beteiligte sie sich bereits in dieser Zeit. Ende der zwanziger Jahre wechselte sie zu den Jungsozialisten.
    1972 unterstützte sie den Wahlkampf von Willy Brandt und 1978 gehörte sie neben Alice Schwarzer und acht weiteren Frauen zu den Klägerinnen im sogenannten „Sexismus-Prozess“ gegen den Stern. 1981 lehnte sie das Bundesverdienstkreuz ab, weil es keinen Orden wert sei, dass jemand „sein Leben anständig gelebt hat“. Den Kampf gegen AIDS unterstützte sie durch mehrere Auftritte bei Benefizveranstaltungen.

    Im Januar 1987 sprach sie in einem Interview in der Emma über ihre gleichgeschlechtliche Erfahrung: „Männer waren gestrichen, bis 21. Aber da hatte ich schon längst eine Liebesbeziehung zu einer Frau. Schon 1975 sprach sie in einer Theater-Talk-Show über gleichgeschlechtliche Erlebnisse. 1991 trat sie als prominentes Mitglied in der Deutschen Gesellschaft für Humanes Sterben in Erscheinung. Inge Meysel starb am 10. Juli 2004 in ihrem Haus im niedersächsischen Bullenhausen.

    Verkostet

    Liebhart’s Brauerei – Eisenhart Lager

    Mithilfe ortsansässiger Handwerksunternehmen wurde die Liebhart’s Brauerei neu aufgebaut. Ende 2004 begann die Planung der Anlagen, im darauffolgenden Jahr wurde der Braukessel angefeuert. Es handelt sich um einen Familienbetrieb. Beim ‘Eisenhart Lager’ handelt es sich um ein Bier, was aus Hopfen und Gerstenmalz aus biologischem besteht. Die Bestandteile dieses Bieres stammen allesamt aus ökologischer Landwirtschaft und werden ohne Zusatz von Agrarchemie oder Pestizide hergestellt.

  • Feuilletöne – Sendung 280 – Die Besten des Jahres 2018!

    Es ist mal wieder so weit! Ein Jahr ist vorüber! Wir lassen das Jahr 2018 literarisch, musikalisch, filmisch und maltisch zu Ende gehen! Es gilt die Besten des Jahres zu küren, die ihr und wir auserwählt haben! Und wie jedes mal wissen wir bis kurz vor der Sendung nicht wie ihr entschieden habt. Und auch wir selber erfahren von der Wahl der jeweils anderen erst während der Sendung.

    Bücher des Jahres

    HörerInnen

    1. Margarete Stokowski – Die letzten Tage des Patriarchats -> 18%

    2. Hannah Arendt – Menschen in finsteren Zeiten -> 16%

    3. Maxim Biller – Sechs Koffer -> 13%

    4. Vanessa Sonder/Patrizia Hausheer – Was soll das alles – Bargespräche zweier Philosophinnen -> 7%

    4. Mara Pfeiffer – Im Schatten der Arena -> 7%

    5. Juna Grossmann – Schonzeit Vorbei -> 5%

    5. Helene Hegemann – Bungalow -> 5%

    5. Ally Klein – Carter -> 5%

    5. Ulrich Alexander Boschwitz – Der Reisende -> 5%

    Frau Windhorst

    1. Vanessa Sonder/Patrizia Hausheer – Was soll das alles – Bargespräche zweier Philosophinnen

    2. Inge Buck – Prager Tagebuch

    3. Hannah Arendt – Menschen in finsteren Zeiten

    4. Mara Pfeiffer – Im Schatten der Arena

    5. Thekla Kraußeneck – Cronos Cube

    Herr Martinsen

    1. Maxim Biller – Sechs Koffer

    2. Ulrich Alexander Boschwitz – Der Reisende

    3. Juna Grossmann – Schonzeit Vorbei

    4. Mara Pfeiffer – Im Schatten der Arena

    5. Vanessa Sonder/Patrizia Hausheer – Was soll das alles – Bargespräche zweier Philosophinnen

    Alben des Jahres

    HörerInnen

    1. The Good, the Bad & the Queen – Merrie Land -> 20%

    2. Tocotronic – Die Unendlichkeit -> 8%

    2. Julia Holter – Aviary -> 8%

    2. Low – Double Negativ -> 8%

    2. Kreisky – Blitz -> 8%

    2. Ólafur Arnalds – re:member -> 8%

    3. Marianne Faithfull – Negative Capability -> 6%

    3. Paul Weller – True Meanings -> 6%

    3. Chilly Gonzales – Solo Piano III -> 6%

    Frau Windhorst

    1. The Good the Bad and the Queen – Merrie Land

    2. Low – Double Negative

    3. Olafur Arnalds – re:member

    4. Chilly Gonzales – Solo Piano III

    5. Marianne Faithfull – Negative Capability

    Herr Martinsen

    1. Julia Holter – Aviary

    2. Laurie Anderson/Kronos Quartet – Landfall

    3. The Good the Bad and the Queen – Merrie Land

    4. Kreisky – Blitz

    5. Tocotronic – Die Unendlichkeit

    Film/Serie des Jahres

    Frau Windhorst

    1. Norsemen

    2. Gravity Falls

    3. Alias Grace

    Herr Martinsen

    1. Norsemen

    2. Annihilation

    3. The Alienist

    Single Malt des Jahres

    Frau Windhorst

    1. Eimverk Flóki Single Malt

    2. Balvenie 15 Single Barrel

    3. Bruichladdich Port Charlotte 10

    Herr Martinsen

    1. Bruichladdich Port Charlotte 10

    2. Kilkerran 12

    3. Glencadam 10

  • Feuilletöne – Sendung 279 – Whisk(e)y Special und Glencadam 21

    Wir haben uns auf die Spuren des Whiskys gemacht. Wir sind dem Ganzen sozusagen auf den Grund gegangen. Wir verkosten diesmal also nicht nur Whisky, wir reden auch einfach über eben jenen. Verkostet haben wir natürlich trotzdem was, nämlich den Glencadam 21.

    Whisk(e)y

    Whisky wurde erstmals 1736 erwähnt und leitet sich sowohl vom schottisch-gälischen ‚uisge beatha‘ als auch vom Irischen Gälisch ‚uisce beatha‘ ab und bedeutet so viel wie ‚Wasser des Lebens‘. Was also wiederum vom lateinischen aqua vitae abgeleitet werden kann. Die englisch sprechenden Menschen anglisierten das gälische Wort zu dem heute noch immer gebräuchlichen Wort ‚Whisky‘. Aber wo kommt er denn nun her, der Whisk(e)y? Und warum schreibt man ihn mit und ohne ‚e‘? Und was unterscheidet einen Single Malt von einem Single Pot Still? Was ist das Besondere am Bourbon? Was ist überhaupt Bourbon? Ist das überhaupt noch ein Whisky? Was unterschiedet einen Single Blend von einem Blend? Und was zur Hölle ist ein Blended Malt? Und wer hat überhaupt Recht? Alle? Keiner?

    Nun, die Frage wer Recht hat, die werden wir nicht abschließend klären können. Und wer den Whisk(e)y erfunden hat, und vor allem wo? Tja, auch da werden wir keine abschließenden Antworten finden können. Aber alles andere können wir aufklären. Wir versuchen es zumindest. Es wurde zunächst illegal gebrannt, was das Zeug hält und viele der heutigen Brennereien sind eben in dieser Zeit entstanden. Einige berufen sich sogar auf diese Zeit, und wollen uns weiß machen, dass sie gegründet wurden bevor sie überhaupt gegründet wurden. Glaubt ihr nicht? Na dann hört mal rein.

    Das tolle am Whisk(e)y ist, dass es so unfassbar viele Aromen gibt, die man da erriechen, erschmecken und entdecken kann. Das kommt zum einen vom New Make – dem Rohbrand – und zum anderen natürlich von der Fasslagerung. Die Art des Fasses/der Fässer spielt hier eine entscheidende Rolle. Und ob es sich um ein Finish oder um ein Vatting handelt. Und….und….und.

    Hier einmal ein paar unterschiedliche Arten von Whisky:

    • Grain in Europa = Whisky aus Weizen und Hafer
    • Grain in Kanada = Whisky aus Weizen, Hafer und/oder Roggen
    • Grain in den USA = Whisky aus Weizen, Hafer, Roggen und/oder Mais
    • Rye = Whisky, der mindestens aus 51 Prozent Roggen besteht
    • Bourbon = Whisky, der mindestens aus 51 Prozent Mais besteht
    • Corn = Whisky, der mindestens aus 80 Prozent Mais besteht
    • Malt = Whisky, der ausschließlich aus gemälzter Gerste hergestellt wurde.

    In Schottland sieht das Ganze dann im Groben so aus:

    • Single Malt = Whisky, der ausschließlich aus gemälzter Gerste besteht und ausschließlich in einer Brennerei hergestellt wird.
    • Single Grain= Whisky, der aus Weizen oder Hafer besteht und ausschließlich in einer Brennerei hergestellt wird.
    • Single Blend = Whisky, der aus mindestens einem Single Malt und einem Single Grain besteht und ausschließlich in einer Brennerei hergestellt wurde.
    • Blended Malt = Whisky, der aus mindestens zwei Single Malts besteht, die aus mindestens zwei unterschiedlichen Brennereien stammen.
    • Blended Grain = Whisky, der aus mindestens zwei Single Grains besteht, die aus mindestens zwei unterschiedlichen Brennereien stammen.
    • Blend = Whisky, der aus mindestens einem Single Malt und mindestens einem Single Grain besteht, die aus mindestens zwei unterschiedlichen Brennereien stammen.

    In Irland gibt es das auch alles, aber dort gibt es noch den Begriff ‚Single Pot Still‘. Warum? Tja. Höret selbst.

    Verkostet

    Glencadam 21

    Die Brennerei wurde 1825 gegründet. Als Glencadam 1954 dann den Besitzer wechselte, wurde dieser Single Malt hauptsächlich für Blends der Marke ‘Ballantine’s’ verwendet. Sie gehören mittlerweile zu Angus Dundee zu denen auch Tomintoul gehören. Nachdem in den vergangenen Jahren ausschließlich der 15-jährige Single Malt unter eigenem Namen abgefüllt und Teile an unabhängige Abfüller verkauft wurden, wird seit 2009 unter dem Namen Glencadam eine komplett neue Core Range vermarktet. Sie beinhaltet auch diesen 21-jährigen Single Malt.

  • Feuilletöne – Sendung 278 – Leonard Bernstein Special und Port Charlotte 10

    Leonard Bernstein und Port Charlotte, wenn das mal keine gute Kombination ist! Und so reden wir in unserem zweiten Special des Jahres über genau diese beiden. Über den phantastischen Dirigenten, Komponisten und Musiker und über einen 10-jährigen Whisky. Ob der auch toll ist? Hört selbst!

    Und: Weiterhin nicht vergessen, abzustimmen!
    Alben des Jahres: https://www.feuilletoene.de/gehoert/alben-des-jahres-2018/
    Bücher des Jahres: https://www.feuilletoene.de/gelesen/buecher-des-jahres-2018/

    Leonard Bernstein 100!

    Biographie

    Leonard „Lenny“ Bernstein wurde 1918 als Louis Bernstein in Lawrence, Massachusetts geboren. Er war Komponist, Dirigent und Pianist. Er komponierte u.a. ‚On the Town‘ ‚Candide‘, und natürlich die ‚West Side Story‘. Sowohl ‚On the Town‘ als auch ‚West Side Story‘ wurden verfilmt. Leonard Bernstein entstammte einer jüdischen Familie, sein Vater kam aus der Ukraine, schlug sich mit Hilfsarbeiten durch und kam erst mit der Gründung einer Kosmetikfirma gemeinsam mit seinem Onkel zu einem gewissen Wohlstand. Der Vater heiratete die jüdisch-russische Jennie. Leonard Bernstein lebte durch die häufigen Umzüge seiner Eltern zunächst scheu und zurückgezogen. Er blieb lange Zeit ein schwächliches und oft kränkelndes Kind mit Asthma und Heuschnupfen. Eine große Freude in seiner Kindheit waren die Besuche der Synagoge mit seinen Eltern, da dort Chorgesang und Orgelspiel zu hören waren. Seine Freude an der Musik wuchs nochmals, als der Familie von einer Tante ein gebrauchtes Klavier geschenkt wurde. Er spielte so lange darauf herum, bis er mit elf Jahren von einer Nachbarin die ersten Klavierstunden erhielt.

    Mit vierzehn Jahren bekam er Klavierunterricht am Konservatorium. Er wollte Pianist werden. Dieser wurde zunächst von seinem Vater abgelehnt. Es kam zu heftigen Auseinandersetzungen mit finanziellen Konsequenzen für Leonard Bernstein. Da er sich jedoch als ein überdurchschnittlich guter Schüler bewährt hatte, durfte er nach dem allgemeinen Schulabschluss ein Musikstudium an der Harvard-Universität aufnehmen. Hier belegte er neben den Vorlesungen des Musikstudiums auch noch Philosophie, Ästhetik, Literatur- und Sprachwissenschaften. Seine Studienzeit beschrieb er später als die schönste Zeit seines Lebens. Auf Anraten von Dimitri Mitropoulos begann er am Curtis Institute of Music in Philadelphia bei Serge Koussevitzky in Tanglewood dirigieren zu lernen. Seinen ersten öffentlichen Auftritt hatte Bernstein aber 1934 als Pianist mit dem Boston Public School Symphony Orchestra und dem Klavierkonzert von Edvard Grieg.

    Sein erstes eigenes Konzert als Dirigent und Komponist gab er 1939 in Harvard. 1940 hatte er seinen ersten Auftritt als Dirigent einer Symphonie im neu eröffneten Berkshire Music Center vom Tanglewood Music Festival. 1943 wurde er Assistant Conductor des New York Philharmonic Orchestra unter Artur Rodziński. Ebenfall 1943 konnte Bernstein seine Begabung unter Beweis stellen, als er kurzfristig für den erkrankten Bruno Walter in der Carnegie Hall einspringen musste. Die Aufführung von Schumanns Manfred-Ouvertüre und Strauss’ Don Quixote wurde über den Rundfunk landesweit übertragen und machte ihn über Nacht in den gesamten USA bekannt. Er konnte nun zahlreiche Konzerte mit weltweit bekannten Orchestern dirigieren. Er war von 1958 bis 1969 der erste US-amerikanische Musikdirektor des New York Philharmonic Orchestra sowie regelmäßiger Gastdirigent der Wiener Philharmoniker und des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks bis zu seinem Tod 1990.

    Sein Repertoire umfasste klassische, avantgardistische und moderne Werke. Ob Jazz oder Pop, nichts war ihm fremd und alles hatte seinen Platz. Ein Komponist hatte es ihm besonders angetan: Gustav Mahler. Seine erste Symphonie namens ‚Jeremiah‘ schrieb er 1943, die er seinem Vater widmete. Die Uraufführung dirigierte er mit dem Pittsburgh Symphony Orchestra 1944. Seine Symphony Nr. 2 ‚The Age of Anxiety‘ feierte 1949 mit dem Boston Symphony Orchestra unter Serge Koussevitzky und Bernstein am Klavier Premiere. Die Symphony Nr. 3 ‚Kaddish‘, folgte im Jahr 1963 und wurde vom Israel Philharmonic Orchestra uraufgeführt. Das Musiktheater ‚Mass‘, ein Theaterstück für Sänger, Schauspieler und Tänzer kam 1971 in Washington zur Uraufführung. Seine Fernsehreihe ‚Young People’s Concerts‘ mit dem New York Philharmonic Orchestra darf wohl als einflussreichste Fernsehsendung zur musikalischen Bildung aller Zeiten bezeichnet werden. Zwischen 1958 und 1972 leitete Bernstein insgesamt 53 Konzerte dieser Reihe. Mit Werken der klassischen Musik erläuterte er Grundbegriffe der Musik, erklärte die musikalischen Eigenschaften des Impressionismus oder stellte Komponisten und deren Werke vor.

    Leonard Bernstein dirigierte sein erstes Konzert in Deutschland bereits im Jahr 1948. 1987 gründete er gemeinsam mit Justus Frantz die internationale Orchesterakademie – heute heißt es Schleswig-Holstein Festival Orchestra. Das dazugehörende Klassik-Festival wurde ein Jahr zuvor von Justus Frantz ins Leben gerufen und findet seitdem alljährlich zwischen Juni und August in Schleswig-Holstein statt. Bernstein war seitdem auch an der allgemeinen Planung des Festivals beteiligt. Als eine seiner letzten Produktionen dirigierte Leonard Bernstein 1989 auf eine spontane Einladung von Justus Frantz hin in Berlin Beethovens 9. Sinfonie. Er ließ Musiker aus dem damaligen West- und Ost-Deutschland sowie aus den vier Besatzungsmächten USA, Sowjetunion, Frankreich und UK gemeinsam auftreten. Er ließ hier anlässlich des Falls der Berliner Mauer im vierten Satz der 9. Symphonie Beethovens ‚Freiheit‘ statt ‚Freude‘ singen. Damit machte er aus ‚Ode an die Freude‘ ‚Ode an die Freiheit‘. „Ich bin sicher, Beethoven würde uns zustimmen“, war Bernstein überzeugt.

    Im großen Sendesaal des Funkhauses Wien fand 1963 die erste Aufführung von Leonard Bernsteins Musical ‚Candide‘ in deutscher Sprache statt. Im Jahre 1959 trat Leonard Bernstein erstmals bei den Salzburger Festspielen auf, 1966 debütierte er an der Wiener Staatsoper mit ‚Falstaff‘. Ebenfalls 1966 nahm er sein erstes Konzert mit den Wiener Philharmonikern auf. Er dirigierte Mahlers ‚Das Lied von der Erde‘. Die Verbindung Bernsteins mit den Wiener Philharmonikern war eine ganz besondere. Bernstein hat mit eben jenen sämtliche Sinfonien von Mahler dirigiert. 1978 kehrte er noch einmal nach Wien zurück, um an der Wiener Staatsoper Otto Schenks Fidelio-Inszenierung neu zu beleben.

    Musik

    West Side Story

    Bernstein kombinierte für dieses Musical verschiedenste Musikelemente miteinander. Es sind z. B. Elemente aus verschiedenen Jazzströmungen, der klassischen Oper und der lateinamerikanischen Tanzmusik enthalten. Durch die Verwendung bestimmter musikalischer Mittel charakterisiert er die rivalisierenden Gruppen dieses Musicals, der Jets und der Sharks.

    Die Jets – zur Zeit der Veröffentlichung des Musicals die modernste Errungenschaft der Technik – sind eine Gruppe von jungen einheimischen New Yorkern, die in den sozial schwächeren Teilen der Stadt aufwachsen. Um das Lebensgefühl dieser Gruppierung auszudrücken, greift Bernstein auf die Musik der 50er Jahre zurück, den Progressive Jazz. Bei diesem handelt es sich um eine Verbindung von Jazz und europäischer Kunstmusik. Man hört treibende hektischer Rhythmen, viele Dissonanzen, zahlreiche große Tonsprünge, eine abgerissene Melodieführung und natürlich eine von den Jazzbands übernommene Instrumentierung und Tongebung. Die Sharks wiederum sind eine Gruppe von eingewanderten Puerto-Ricanern. Diese treffen in den Slums New Yorks auf die Jets, was immer wieder zu Konflikten zwischen den beiden Gruppen führt. Bernstein gelang es, genau diese Spannungen musikalisch darzustellen. Die Sharks werden durch lateinamerikanische Tanzmusik charakterisiert. Hier hören wir beschwingte tänzerische Rhythmen, Wechsel zwischen 6/8 und 3/4 Takt, ein großes Unterhaltungsorchester mit besonderer Betonung lateinamerikanischer Perkussionsinstrumente, eine weiche Tongebung, sowohl vokal als auch instrumental und einen Wechsel von staccato und portato.

    In der Liebesbeziehung zwischen Maria und Tony verbinden sich die unterschiedlichen Musiken der Jets und der Sharks und somit auch die verschiedenen Stilmittel. Dies setzt Bernstein um, indem er in z. B. in dem Song ‚Maria‘ sowohl musikalische Elemente der Jets – wie etwa den Tritonus – mit Elementen der Sharks – wie z. B. den Rhythmus – in Verbindung bringt.

    Mass

    MASS: A Theatre Piece for Singers, Players, and Dancers – ist ein Musiktheaterstück. Das Stück ist eine Art Gottesdienst, bei dem einiges außer Kontrolle gerät. Ein Priester versammelt seine Gemeinde um sich und feiert mit ihnen die katholische Messe. Unterbrochen wird diese durch tiefe Lebens- und Glaubenskrisen des Priesters und der Gemeindemitglieder. Der Musikstil ändert sich ständig und es kommen viele Stile des 20. Jahrhunderts vor, wie z.B. Jazz, Blues, Rock, Musical, Expressionismus oder Zwölftontechnik.

    Die europäische Erstaufführung fand 1973 durch ein Gastspiel des Yale Symphony Orchestra unter der Leitung von John Mauceri im Wiener Konzerthaus statt. Die deutschsprachige Erstaufführung fand 1981 in der Wiener Staatsoper statt.

    Bernstein benötigte einige Jahre zum Komponieren. Es war die Zeit der Hippies und der Beginn der Frauen- und Umweltbewegung. Zudem steckten die USA mitten im Vietnamkrieg. In dieser politischen Gemengelage sorgte Bernsteins Stück für heftige Kontroversen. Sein Umgang mit dem Messeritus war ebenso umstritten wie die Botschaft von Friede und Geschwisterlichkeit, mit der Bernstein indirekt seine Ablehnung des Vietnamkriegs kundtat. Das Stück basiert auf der lateinischen Liturgie von 1962 der römisch-katholischen Kirche, die zur Zeit des Kompositionsauftrags in Gebrauch war. Die Uraufführung fand aber nach der gemäß dem Beschluss des Zweiten Vatikanischen Konzils durchgeführten Liturgie-Reform statt. Das Stück beinhaltet außerdem Texte Bernsteins und des Broadway-Komponisten Stephen Schwartz. Aus dem Werk extrahierte Bernstein drei Sätze unter dem Titel ‚Three Meditations‘ für Cello und Orchester.

    Bernstein als Dirigent

    Bernstein war in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eine der wichtigsten Dirigenten. Bei vielen Musikern, einschließlich der Mitglieder der Wiener Philharmoniker, wurde er hoch angesehen, was durch seine Ehrenmitgliedschaft belegt wurde. Er genoss ab den 60er Jahren eine Art Superstar-Status, der dem von Herbert von Karajan ähnelte, obwohl er im Gegensatz zu jenem relativ wenig Opern dirigierte und ein Teil seines Ruhmes natürlich auch auf seinen Erfolgen als Komponist beruhte.

    Bernstein war der erste in Amerika geborene Musikdirektor des New York Philharmonic Orchestras. Er deckte ein breites Repertoire von der Barockzeit bis zum 20. Jahrhundert ab, obwohl er sich ab den 1970er Jahren eher mit Musik der Romantik beschäftigte. Besonders gern dirigierte er die Werke von Gustav Mahler, die amerikanischer Komponisten, wie George Gershwin, Aaron Copland, Charles Ives, Roy Harris oder William Schuman.  Sein Stil war durch extreme Emotionen gekennzeichnet, wobei der Rhythmus der Musik visuell auch durch seine sehr körperliche Art des Dirigierens vermittelt wurde, da wurde auch schon mal gehüpft und gesprungen während eines Konzertes. Seine Dirigate waren tendenziell stärker von einer persönlichen Ausdruckskraft geprägt. Musiker berichteten oft, dass sein Verhalten in der Probe dieselbe war wie im Konzert. So wurde Bernstein auf der einen Seite sehr gefeiert und auf der anderen Seite sehr skeptisch gesehen. Und so ist es auch bis heute. Die einen loben seine emotionale Herangehensweise, seine überbordenden Dirigate, die auch mal den ein oder anderen Zeitrahmen sprengen konnten, weil Bernstein der Meinung war, das soll so; die anderen sehen Bernstein skeptisch, weil er nicht immer werktreu war, sich nicht immer ganz genau an die Partitur gehalten hat und auch nicht immer alle Vorgaben der KomponistInnen befolgte, weil ihm die Aussage des Werkes wichtiger war als alle Noten immer genau so zu spielen, wie es vorgeschrieben war.

    Die Wahrheit liegt wohl irgendwo in der Mitte. Manchmal hat er es vielleicht an der ein oder anderen Stelle übertrieben. Man siehe sich z. B. die ein oder andere Aufnahme der Pathétique von Tschaikowsky oder auch das Adagio der 9. Symphonie von Mahler an. Die Tempi liegen hier z. B. deutlich über den üblicherweise gewählten. So dass die Sätze deutlich länger sind. Aber auf der anderen Seite sind es genau diese Dinge, die Menschen die ein oder der anderen Komposition näher gebracht haben. Und viele hätten vielleicht ohne diese Art zu dirigieren gar nicht zur Klassik gefunden, wer weiß.

    Bernstein und Mahler

    Bernstein war der erste, der alle Mahler-Symphonien hintereinander als Zyklus aufnahm. Das erste Mal mit dem New York Philharmonic Orchestra. Das nimmt ihm keiner! Zweimal hat er mit den Wiener Philharmonikern Mahler aufgenommen. Beide Male zunächst mit Schwierigkeiten. Er musste bei einigen Musikern mit Widerständen kämpfen. Sie wollten Mahler nicht, sie wollten Bernstein nicht. Beide Male hat er sie überzeugt, mit seinem Enthusiasmus, seiner Inbrunst, seiner Liebe zu Mahler und zur Musik.

    Bernsteins Tod

    Seine letzte Konzertreise führte ihn 1990 durch Japan. Jedoch musste er diese aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig abbrechen. 1990 dirigierte Bernstein das Boston Symphony Orchestra in Tanglewood. Diese Aufnahme der ‚Four Sea Interludes‘ von Benjamin Britten und der 7. Sinfonie von Beethoven wird als sein Final Concert bezeichnet. Während des Konzerts erlitt er einen Schwächeanfall . Dennoch dirigierte er bis zum Schluss und verabschiedete sich mit den Worten „It´s over.“ Noch im Oktober gab er bekannt, dass er sich auf Grund der angeschlagenen Gesundheit vom Dirigieren zurückziehen werde. Am 14. Oktober 1990 starb Bernstein 72-jährig an akutem Herzversagen infolge eines Emphysems und einer Krebserkrankung.

    Seine Freunde legten ihm einen Taktstock, ein Stück Bernstein und die Partitur von Gustav Mahlers 5. Sinfonie mit in den Sarg – weil er gerade diese in seinem Musikerleben so meisterhaft beherrscht habe. Aus Anlass seines 100. Geburtstages im Jahr 2018 fanden weltweit viele Veranstaltungen statt. Insgesamt wurden 2.000 Termine zur Würdigung Leonard Bernsteins gezählt.

    Unter anderem erwähnt wurden in diesem Podcast:

    West Side Story
    Candide
    Gustav Mahler – 5. Symphonie
    Mass
    Young People’s Concerts

    Stimmen, die außer den unseren in diesem Podcast zu hören sind

    Leonard Bernstein selbst
    – Jamie Bernstein – Tochter
    – Nina Bernstein – Tochter
    – Alexander Bernstein – Sohn
    – Craig Urquhart – Persönlicher Assistent
    Marin Alsop – Dirigentin
    Kent Nagano – Dirigent
    Christoph Eschenbach – Dirigent
    – Sue Mallet – Leiterin für Planung beim London Symphony Orchestra
    – Steve J. Sherman – Fotograf
    Peter Schmidl – Musiker der Wiener Philharmoniker
    – Werner Esel – Musiker der Wiener Philharmoniker
    Norman Lebrecht – Autor

    Verkostet

    Port Charlotte 10

    Bruichladdich wurde 1881 erbaut. Im Gegensatz zu den meisten Brennereien, die meist aus umgebauten Bauernhäusern entstanden sind, wurde Bruichladdich als Destillerie geplant und gebaut. Von 1929 bis 1937 wurde nicht produziert, danach folgten einige Besitzerwechsel. Invergordon baute 1974 ein weiteres Paar Brennblasen ein. 1994 wurde die Brennerei erneut stillgelegt, bis sie im Jahr 2000 von Mark Reynier, Simon Coughlin und Gordon Wright für 7.500.000 £ gekauft und anschließend vollständig renoviert wurde. Als Brennmeister konnte Jim McEwan gewonnen werden, der vorher bei Bowmore war. 2012 wurde bekanntgegeben, dass Rémy Cointreau die Brennerei für 58.000.000 £ gekauft hat. Wir haben heute einen der rauchigen Bruichladdich probiert, sie heißen Port Charlotte und wir haben es diesmal mit dem 10-jährigen zu tun, der mit 50% angefüllt wird, 40 ppm hat und aus 65% 1st-Fill Bourbon, 10% 2nd-Fill Bourbon und 25% 2nd-Fill Weinfässern zusammengebaut wird.

  • Feuilletöne – Sendung 277- Edvard Grieg Special und Kilkerran 12

    Das erste Special dieses Jahres. Wir feiern den 175. Geburtstag von Edvard Grieg! Wir wollen in dieser Sendung u. a. zeigen, dass Grieg mehr war und ist als diese hoch und runter gedudelte Peer Gynt Suite. Er war viel mehr als das!

    Außerdem: Nicht vergessen, abzustimmen!
    Alben des Jahres: https://www.feuilletoene.de/gehoert/alben-des-jahres-2018/
    Bücher des Jahres: https://www.feuilletoene.de/gelesen/buecher-des-jahres-2018/

    Edvard Grieg

    Biographie

    Edvard Hagerup Grieg wurde 1843 in Bergen in Norwegen geboren. Er war Pianist und Komponist. Sein Vater Alexander Grieg war Kaufmann und britischer Konsul in Bergen. Er führte den von seinem aus Schottland eingewanderten Großvater 1779 gegründeten Fischhandel fort. Seine Mutter Gesine wurde von ihren Eltern zur Ausbildung in das damals zu Dänemark gehörende Altona – heute Stadtteil von Hamburg – geschickt. Sie trat in Bergen als Pianistin und Dichterin auf und zählte zu den angesehensten Klavierlehrerinnen der Stadt. Sie veranstaltete in ihrem Haus allwöchentliche Kammermusikabende, bei denen neben Instrumentalwerken auch Teile aus Opern aufgeführt wurden. Grieg misst den hier gewonnen Eindrücken eine entscheidende Bedeutung für seinen musikalischen Werdegang zu. Grieg: „So vermochte ich, wenn es mir als kleinem Jungen erlaubt war, zu einem Begräbnis zu gehen oder einer Auktion beizuwohnen, ganz genau zu berichten, welchen Eindruck der Vorgang auf mich gemacht hatte. Wenn man mir untersagt hätte, diesen kindlichen Instinkten nachzugehen, wer weiß, ob meine Phantasie nicht unterdrückt und in eine andere Richtung getrieben worden wäre, die meiner wahren Natur fremd war.“ Ab dem sechsten Lebensjahr erhielt er von der Mutter regelmäßigen Klavierunterricht. Mit neun Jahren begann er erste eigene Kompositionen zu entwerfen. Seine Schulzeit verlief eher unschön. Nach der Grundschule absolvierte er die Realschule, eine an neuen Sprachen, Mathematik und Naturwissenschaften ausgerichtete Schule, welche dem musisch veranlagten Grieg überhaupt nicht entgegenkam. Seinem Interesse an Musik und Komposition begegneten die Lehrer teilweise mit Spott und Zynismus. Grieg sagte im Jahre 1903 zu seiner Schulzeit folgendes: „Seine Rauheit, seine Kälte, sein Materialismus – alles das war für meine Natur so abschreckend.“ Der Besuch und die positive Beurteilung des jungen Grieg durch Ole Bull – einem damals bekannten norwegischen Geiger – führten schließlich zu Griegs Studium am Konservatorium in Leipzig. Dort studierte er von 1858 bis 1862. Auch seine Studienzeit in Leipzig beschrieb Grieg später eher kritisch. Er habe nach eigenen Angaben in dem uninspirierenden und konservativem Unterricht kaum etwas gelernt und auch seine Mängel in der Klaviertechnik seien teils auf die am Konservatorium üblichen Unterrichtsmethoden zurückzuführen. Er habe nur stumpfsinnig Etüden üben müssen. Mit Werken modernerer Komponisten sei er nicht vertraut gemacht worden. Auch der Harmonieunterricht war ihm zu konservativ. Die Lehrer am Konservatorium kritisierten u. a. den anzutreffenden starken Hang zu chromatischer Gestaltung in seinen Kompositionen. Ein 1861 von Grieg komponiertes Streichquartett wurde aus dem Programm eines öffentlichen Konzerts genommen weil es als zu futuristisch galt. 1863 übersiedelte er nach Kopenhagen. 1864 gründete er zusammen mit einigen anderen in Kopenhagen die Konzertgesellschaft Euterpe zur Pflege neuer skandinavischer Musik. 1867 heiratete er in Kopenhagen seine Cousine Nina Hagerup. Franz Liszt war überzeugt von Griegs Violin-Sonaten und verschaffte Grieg ein Reisestipendium für einen Aufenthalt in Rom, wo er auch Liszt erstmals begegnete.
    Ab 1874 lebte er als freischaffender Komponist teils in Bergen, teils in Oslo, teils in Lofthus am Sørfjord. Im Herbst 1875 starben kurz hintereinander beide Eltern – er verarbeitete dies musikalisch in der Ballade g-Moll op. 24 für Klavier. Er unternahm jetzt Reisen durch ganz Europa als Pianist und Dirigent. Oft begleitete er dabei seine Frau, die Sopranistin war. Von 1880 bis 1882 war Grieg Dirigent des Orchesters der Musikgesellschaft ‚Harmonie‘ in Bergen. Wahrend eines Besuches in England im Jahre 1888 lernte Grieg den reformatorisch-antitrinitarischen Unitarismus kennen und bekannte sich seitdem selbst als Unitarier. 1885 bezog Grieg das Haus ‚Troldhaugen‘ südlich von Bergen. Heute befindet sich dort das Grieg-Museum.
    Im Rahmen der Dreyfus-Affäre lehnte Grieg 1899 in einer öffentlichen Erklärung die Einladung eines Konzerts mit der Begründung ab, er könne wegen der Affäre und der damit praktizierten Verachtung von Gesetz und Rechtsprechung nicht nach Frankreich reisen. Grieg: „Indem ich Ihnen für Ihre gütige Einladung bestens danke, bedauere ich, dass ich mich nach dem Ausgang des Dreyfus-Prozesses jetzt nicht entschließen kann, nach Frankreich zu kommen. Wie alle Nicht-Franzosen bin ich empört über die Ungerechtigkeit in Ihrem Lande und daher nicht imstande, in irgendwelche Beziehungen zu dem französischen Publikum zu treten. Verzeihen Sie mir, dass ich so fühle, und versuchen Sie, meine Gefühle zu verstehen.“
    Darauf erhielt er teilweise antisemitisch gefärbte Schmäh- und Drohbriefe. 1903 nahm er eine neuerliche Einladung nach Frankreich an. Beim Konzert im Pariser Théâtre du Châtelet musste Grieg ein Pfeifkonzert des französischen Publikums über sich ergehen lassen. Edvard Grieg und seine Frau Nina waren mit Peter Tschaikowski und Johannes Brahms befreundet. Außerdem traf Grieg unter anderem Max Bruch, Clara Schumann und Franz Liszt. Gegen Ende seines Lebens setzte sich Grieg vermehrt mit zeitgenössischer Musik auseinander. Er pries die Lieder Hugo Wolfs, studierte die 5. Sinfonie von Gustav Mahler und kommentierte die Werke von Max Reger, Richard Strauss und Carl Nielsen. Edvard Grieg starb am 4. September 1907 in Bergen an einem Lungenemphysem.

    Musik

    Musikalisch vermengte Grieg Elemente der norwegischen Volksmusik mit den Errungenschaften der Spätromantik. Seine Harmonik war stilprägend für den Impressionismus und ist in einigen Kompositionen wie etwa ‚Klokkeklang‘ aus dem Zyklus der Lyrischen Stücke op. 54 von einzigartiger Radikalität. Ebenfalls diesbezüglich herausragend ist das Streichquartett in g-Moll op. 27.
    Des Weiteren schrieb Grieg Stücke für Chor und Lieder. Als Höhepunkt der Lieder gilt der Zyklus ‚Haugtussa‘ nach Texten von Arne Garborg. Und so zeigt sich der Einfluss Griegs in den Werken der nachfolgenden Komponistengeneration auf vielfältige Weise. Ganz deutlich wird Griegs Nachwirkung in den Streichquartetten von Claude Debussy und Carl Nielsen. Letzterer widmete Grieg gar eines. Außerdem beeinflusste er u.a. Frederick Delius, Maurice Ravel, Sergej Rachmaninow, Dmitrij Schostakowitsch und Béla Bartók.

    In dieser Sendung u.a. erwähnte Werke:

    Klavierkonzert Nr. 1 in e-Moll

    Peer GyntSchauspielmusik und Suite

    Lyrische Stücke – hier besonders op. 54 – sowohl Klavier als auch die Orchesterfassung

    Streichquartett in g-Moll op. 27

    Liedzyklus ‚Haugtussa‘

    Verkostet

    Kilkerran 12

    Die Destillerie heißt eigentlich Glengyle und entstand als eine Abspaltung  der Springbank-Destillerie. Als Anfang des 20. Jahrhunderts die Whiskybranche von der wirtschaftlichen Depression und der Prohibition in den USA getroffen wurde, musste in der Folge diese Destillerie wegen der schlecht laufenden Geschäfte 1919 an West Highland Malt verkauft werden. Nur kurze Zeit später wechselte die Brennerei erneut den Besitzer. Dieser fuhr die Produktion der Brennerei nur ein Jahr später herunter und verkaufte die Restbestände des Whiskys. Ein Versuch die Brennerei wieder zu eröffnen wurde aufgegeben als der Zweite Weltkrieg ausbrach. Ein zweiter Versuch der Wiederbelebung in den 50er Jahren schlug ebenfalls fehl. Im Jahr 2000 gelang schließlich die Neugründung durch Mitchell’s Glengyle Ltd. Die relativ gut erhaltenen Gebäude, die zwischendurch als landwirtschaftliches Warenlager gedient hatten, wurden renoviert und wieder zu einer Brennerei ausgebaut. Glengyle ist durch die Neugründung jetzt wieder mit Springbank verbunden, wird aber als separate Firma geführt. Die Produktion begann 2004 mit der Herstellung des ersten New Make. Die Brennerei produziert nur zwei Monate im Jahr, was einer Jahresproduktion von ca. 60.000 Litern entspricht. Die Brennerei war die erste, die nach der Jahrtausendwende in Schottland (wieder)eröffnet wurde. 2007 wurde ein Whisky namens Kilkerran abgefüllt. Der Whisky der Glengyle-Brennerei trägt deswegen nicht den Namen der Brennerei, weil es zum einen Tradition in der Region Campbeltown ist Whiskies nicht mit einem ‚Glen‘ im Namen zu versehen und zum anderen konnten schlicht die Namensrechte nicht erworben werden. Es existiert bereits ein Vatted Malt, der ebenfalls Glengyle heißt. Wir haben den 12-jährigen verkostet, der mit 46% abgefüllt wird, nicht gefärbt und nicht kühgefiltert ist. Mitterweile gibt es auch einen 8-jährigen Cask Strength, also einen Single Malt der in Fassstärke abgefüllt wird.