Archiv: Episoden

  • Gabriele Tergit, Gidon Kremer, Mieczysław Weinberg, Daniel Sloss und Teeling 15

    Die freien Tage sind vorbei und wir sind wieder am Start! In unserer 294. Episode lasen wir ‚Effingers‘ von Gabriele Tergit, hörten ’24 Preludes Op. 100′ von Mieczysław Weinberg, gespielt von Gidon Kremer, sahen ‚Jigsaw‘ von Daniel Sloss und verkosteten den 15-jährigen Teeling.

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    Gabriele Tergit – Effingers (Schöffling und Co)

    Gabriele Tergit wurde 1894 in Berlin geboren. Sie war eine deutsch-britische Schriftstellerin und Journalistin, bekannt wurde sie vor allem für ihre Gerichtsreportagen. Als Schriftstellerin wahrgenommen wurde sie für ‚Käsebier erobert den Kurfürstendamm‘. Nachdem Frauen nach dem Ersten Weltkrieg auch in Deutschland endlich studieren durften, holte sie das Abitur nach und studierte ab 1919 Geschichte, Soziologie und Philosophie in Berlin, München, Heidelberg und Frankfurt am Main, wo sie 1923 in Geschichte promovierte.

    Nach dem Studium begann sie mit Gerichtsreportagen für den Berliner Börsen-Courier. Ihre erste feste Anstellung als Reporterin erhielt sie 1924 von Theodor Wolff, dem damaligen Chefredakteur des Berliner Tageblatts. Freiberuflich arbeitete sie bis 1933 als Journalistin für diverse andere Berliner Zeitungen und schrieb u. a. Gerichtsreportagen und Berichte für den Berliner Börsen-Courier, die Vossische Zeitung und die Kulturzeitschrift Die Weltbühne.

    Nach dem Zweiten Weltkrieg versuchte sie nur noch kurz, ihre Reportagetätigkeit wieder aufzunehmen. Sie erlebte den ersten Prozess gegen Adolf Hitler, der zusammen mit Goebbels wegen eines Pressevergehens angeklagt war. Die daraus folgende Reportage und andere Artikel über die völkische Bewegung und die Nazis veranlassten die Nazis, sie auf ihre Gegnerliste zu setzen. Am 5. März 1933 um drei Uhr morgens überfiel die SA die Tergit-Reifenbergsche Wohnung in Siegmundshof in Berlin-Tiergarten. Die SA scheiterte an der mit Eisenbeschlägen verstärkten Tür. Ein Kollege vom Berliner NSDAP-Blatt ‚Angriff‘ gab ihr den Tipp, sich an den neuen Polizeireferenten Hans Mittelbach zu wenden, der ihr wiederum die noch sozialdemokratisch dominierte Schutzpolizei empfahl, die für eine kurze Zeit weitere Überfälle abwenden konnte.

    Gabriele Tergit sagte später: „Ich roch, dass so ein gewaltiger Hass, wenn freigegeben, zu Mord führen musste“, und floh daraufhin mit ihrem Sohn nach Spindlermühle. Den Rest ihres Lebens verbrachte sie mit nahezu zwanzig unterschiedlichen Adressen im Exil. Ihr Mann bekam einen Architekturauftrag in Palästina und emigrierte daraufhin dorthin. Nach einem Aufenthalt in Prag folgten Gabriele Tergit und der Sohn ihm im November 1933. 1938 übersiedelten sie nach London. Dort wurde sie 1957 vom P.E.N.-Zentrum deutschsprachiger Autoren im Ausland als bestellte Sekretärin gewählt. Dieses Amt hatte sie bis 1981 inne. 1977 wurde sie im Rahmen der „Berliner Festwochen 1977“ wiederentdeckt: Das Feuilleton feierte sie als Neuentdeckung des Jahres, und ihre Romane wurden neu aufgelegt. Es gelang ihr, für mehrere alte Romanmanuskripte Verlage zu finden und sie schrieb ihre Autobiographie. Diese Werke erschienen jedoch alle erst nach ihrem Tod im Jahre 1982.

    Es handelt sich bei ‚Die Effingers‘ um einen Familienroman – eine Chronik der Familie Effinger über vier Generationen hinweg. Außer dass sie Juden sind, unterscheidet sich ihr Leben in nichts von dem anderer gebildeter Bürger im Berlin der Jahrhundertwende. Es geht um Glück, Schmerz, Leichtsinn, Erfolg und Scheitern, wie anderswo auch. Ein typisch deutsches Bürgerschicksal in Berlin.
    Als sich dann der Nationalsozialismus breitmacht, wird die Geschichte der Effingers von einer deutschen zu einer jüdischen. Wer wachsam ist, wandert aus.
    Die Geschichte der Familie Effinger beginnt mit einem Brief des 17-jährigen Lehrlings Paul Effinger, und ebenso endet sie mit einem Brief: dem Abschiedsbrief des nunmehr 80-Jährigen kurz vor seiner Deportation in die Vernichtungslager. ‚Die Effingers‘ ist der zweite Roman von Gabriele Tergit. Sie hat ihn 1931 begonnen und er ist erst 1951 erschienen. Die Geschichte umfasst den Zeitraum zwischen 1878 bis 1948. Zum Zeitpunkt des Erscheinens kam das Buch beim Publikum zunächst überhaupt nicht an. Es wurde im Jahr 2019 schließlich von Schöffling und Co. neu aufgelegt.

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    Gidon KremerMieczysław Weinberg – 24 Preludes Op. 100

    Mieczysław Weinberg

    Mieczysław Weinberg wurde 1919 in Warschau geboren. Er war ein sowjetischer Komponist polnisch-jüdischer Herkunft. Er kam schon früh mit Musik in Berührung und begann bereits im Alter von 12 Jahren, Klavier am Konservatorium der Musikakademie Warschau zu studieren. Nach dem deutschen Überfall auf Polen 1939 brach er sofort seine Studien ab und floh über Minsk und Taschkent nach Moskau. Seine Familie wurde aufgrund der jüdischen Herkunft ermordet. Er wurde in der Sowjetunion von nun an Moisej Samulowitsch Wajnberg genannt. Zunächst ging er nach Minsk und studierte dort Komposition. 1943 schickte er seine erste Sinfonie an Dmitri Schostakowitsch, der ihn daraufhin nach Moskau einlud.

    Noch im selben Jahr ließ sich Weinberg dort nieder und lebte bis zu seinem Tode in der russischen Hauptstadt als freischaffender Komponist. 1948 starb sein Schwiegervater Solomon Michoels bei einem vermeintlichen Autounfall, der von der Moskauer Geheimpolizei inszeniert wurde. Im selben Jahr wurde er wegen formalistischer Tendenzen gerügt. 1953 wurde er inhaftiert, weil er angeblich die Errichtung einer jüdischen Republik auf der Krim propagiert habe. Sein lebenslanger Freund und Mentor Schostakowitsch setzte sich daraufhin mit einem für die Zeit sehr mutigen Brief für ihn ein, seine Freilassung erfolgte letztlich jedoch aufgrund von Stalins Tod.

    Die Oper ‚Die Passagierin‘ gilt als sein Hauptwerk. Es ist die Geschichte einer Auschwitz-Überlebenden, die „ihrer“ KZ-Aufseherin nach dem Krieg auf einem Ozeandampfer wiederbegegnet. Das 1968 fertiggestellte Werk des Komponisten wurde erstmals 2006 konzertant in Moskau uraufgeführt und erlebte 2010 – also 42 Jahre nach Fertigstellung – seine szenische Weltpremiere als Oper bei den Bregenzer Festspielen. Weinberg komponierte zudem eine große Anzahl von Filmmusiken.

    Bevor Weinberg Werke veröffentlichte, zeigte er sie immer erst Schostakowitsch. Das galt auch umgekehrt. Es ist auch bekannt, dass sie sich gegenseitig zum Komponieren animierten, so lieferten sie sich quasi einen kleinen privaten Wettbewerb um Streichquartette. Unverkennbar ist der Einfluss jüdischer Folklore, der sich in charakteristischen Intervallschritten manifestiert. Die hohe strukturelle Bedeutung von Quarten und Quinten verweist dagegen eher auf Paul Hindemith. Allerdings ist teilweise auch ein Bezug von Weinbergs Musik zur Romantik zu erkennen; so zitiert er beispielsweise in seiner 21. Sinfonie „Kaddish“ das Thema der 1. Ballade in G-Moll von Frédéric Chopin.

    Oft mutet Weinbergs Musik eher klassizistisch an. Nach einigen recht modernen ersten Kompositionen sind seine Werke später eher durch eine klare Tonalität gekennzeichnet. In späten Werken weitet Weinberg das tonale Idiom beträchtlich aus und schreibt eine eher introvertierte, persönliche Musik. Viele seiner Werke setzen sich mit der Thematik des Krieges auseinander. Seine letzten Werke hingegen, besonders die Kammersinfonien, sind teilweise von ungewöhnlicher Heiterkeit erfüllt und kehren wieder zu eingängiger Melodik und klarer Tonalität zurück. Er schrieb sieben Opern, 21 Symphonien, 4 Kammersymphonien, 17 Streichquartette, sechs Klaviersonaten, ein Violinkonzert, ein Cellokonzert, zwei Flötenkonzerte, ein Klarinettenkonzert und ein Trompetenkonzert.

    Gidon Kremer

    Gidon Kremer wurde 1947 in Riga geboren. Er ist ein lettisch-deutscher Violinist und Autor. Er erhielt ab dem Alter von vier Jahren im häuslichen Kreis Musikunterricht von Vater und Großvater. Im Alter von sieben Jahren besuchte er das Konservatorium von Riga, bereits mit Sechzehn wurde er mit dem Ersten Preis der Lettischen Sowjetrepublik ausgezeichnet.
    Mit 18 Jahren ging er dann an das Moskauer Konservatorium, wo er Schüler von David Oistrach wurde. Er gewann mehrere renommierte Wettbewerbe.

    1975 gab Kremer sein erstes Konzert in (West-)Deutschland, und 1977 in den USA. 1980 blieb er länger im Westen, als sein sowjetisches Visum ihm erlaubte. Kremer entschied sich, nicht mehr in die UdSSR zurückzukehren. 1981 gründete Kremer das Kammermusikfest Lockenhaus, das seitdem jedes Jahr im Sommer stattfindet, seit 1992 unter dem Namen Kremerata Musica. 1997 gründete er das Streichorchester Kremerata Baltica mit jungen Musikern aus den baltischen Staaten. Im selben Jahr wurde er zum künstlerischen Leiter des Festivals in Gstaad ernannt. Seit 2002 ist er künstlerischer Leiter des Basler Festivals ‚les muséiques‘ und ist außerdem im künstlerischen Beirat der Kronberg Academy. Seit 2004 veranstaltet er Ende Juni/Anfang Juli mit der Kremerata Baltica ein Festival in der lettischen Stadt Sigulda.

    1993 veröffentlichte Kremer das Buch ‚Kindheitssplitter‘, 1997 ‚Obertöne‘, 2003 ‚Zwischen Welten‘ und 2013 ‚Briefe an eine junge Pianistin‘. Diese Bücher enthalten autobiografische Erzählungen und Auseinandersetzungen mit künstlerischen Themen. Kremer hat mit zahlreichen bedeutenden Orchestern und Dirigenten wie z. B. Leonard Bernstein, Herbert von Karajan, Christoph Eschenbach, Nikolaus Harnoncourt, Lorin Maazel, Riccardo Muti, Zubin Mehta, James Levine, Valery Gergiev, Claudio Abbado oder Sir Neville Marriner gespielt und über 100 CDs eingespielt. Er spielte darauf immer wieder Werke zeitgenössischer Komponisten ein, einen großen Teil auch als Uraufführung.

    Es handelt sich bei diesen Aufnahmen um Gidon Kremers Transkription der Weinberg-Präludien für Cello. Diese 24 Präludien für Cello von Mieczysław Weinberg haben eine besondere Geschichte. Er komponierte sie Ende der sechziger Jahre für Mstislav Rostropovich, der sie jedoch nie spielte. Die musikalische Sprache dieser Präludien ist oft brutal, provokant und von einer inneren Zerrissenheit geprägt. Gidon Kremer hat nun diese Präludien für Solovioline adaptiert und diese Aufnahme ist die erste Einspielung seiner Adaption. In seinen Konzerten spielt er sie bereits zu Projektionen von Bildern des Fotografen Antanas Sutkus.

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    Daniel Sloss – Jigsaw

    Daniel Sloss wurde 1990 in der Nähe von London geboren, wuchs allerdings in Schottland auf. Er ist Komiker, Schauspieler und Schriftsteller. Sloss war bereits als Teenager auf der Bühne und auch im Fernsehen zu sehen. Daniel Sloss war der jüngste Komiker, der im Alter von 19 Jahren ein Solo-Programm im Londoner West End spielte. Er tourte anschließend weltweit und war schließlich auch im US-Fernsehprogramm mit mehrfachen Auftritten in den Sendungen ‘Conan’ und ‘The Late Late Show’ mit Craig Ferguson zu sehen. 2018 veröffentlichte Netflix ein zwei-Stunden-Comedy-Special unter dem Titel ‘Daniel Sloss – Live Shows’ mit den Programmen ‘DARK’ und ‘Jigsaw’. ‚DARK‘ haben wir bereits in Episode 272 besprochen, hier soll es nun um ‚Jigsaw’ gehen.

    Verkostet

    Teeling 15

    Wir sind mal wieder in Irland unterwegs! Im Jahre 1782 errichtete Walter Teeling eine Distillery in Dublin. Es folgten viele Besitzerwechsel. 1987 eröffnete John Teeling, ein Nachkomme von Walter Teeling, eine Brennerei in Cooley. Die Söhne Jack und Stephen arbeiteten mit ihrem Vater in der Distillery, bevor sie sie 2011 an Beam Suntory verkauften. Im Rahmen dieses Verkaufs verhandelten die Teelings den Kauf von befüllten 16.000 Fässern. Mit diesen Beständen startete Teeling Whiskey im Jahr 2012. Im Jahr 2015 gründeten die Teelings dann eine neue Whiskey-Brennerei im Newmarket Square in Dublin – nicht weit von der Stelle, wo die ursprüngliche Teeling Distillery einmal stand. Die Brennerei beschäftigt heute rund 55 Mitarbeiter und exportiert in 44 Länder. Wir haben diesmal den 15-jährigen Single Malt der Brennerei aus Dublin verkostet. Er wird mit 46% abgefüllt und ist weder gefärbt noch kühlgefiltert.

  • Sarah Kuttner, Dave Brubeck Quartet, Chilling Adventures Of Sabrina und Slyrs 12

    Wir machen uns zum 293. Mal auf die kulturellen Socken und besprechen diesmal ‚Kurt‘ von Sarah Kuttner, ‚Time Out‘ vom Dave Brubeck Quartet, ‚Chilling Adventures of Sabrina‘ und den 12-jährigen Slyrs.

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    Sarah Kuttner – Kurt (S. Fischer Verlag)

    Sarah Kuttner wurde 1979 in Berlin geboren und ist Autorin und Moderatorin. Sie wurde mit ihren Sendungen ‚Sarah Kuttner – Die Show‘ bei VIVA und ‚Kuttner.‘ bei MTV bekannt und arbeitete mehrfach für die ARD. Für zdf.neo hat sie das Magazin ‚Bambule‘ und die Talkshow ‚Kuttner plus Zwei‘ moderiert. Seit 2016 produziert und moderiert sie die monatliche Veranstaltungsreihe ‚Kuttners schöne Nerdnacht‘. Seit 2017 moderiert sie gemeinsam mit Stefan Niggemeier den Podcast ‚Das kleine Fernsehballett‘ auf Deezer. Ihre Kolumnen für die Süddeutsche Zeitung und den Musikexpress wurden im Fischer Taschenbuch Verlag veröffentlicht. Ihr erster Roman ‚Mängelexemplar‘ erschien 2009 und stand wochenlang auf der Bestsellerliste. Danach erschienen die Romane ‚Wachstumsschmerz‘ im Jahr 2011 und ‚180 Grad Meer‘ im Jahr 2015, welches wir in Episode 145 besprochen haben.

    Lena hat mit ihrem Freund Kurt ein Haus gekauft. Es scheint, als wäre ihre größte Herausforderung, sich an die neuen Familienverhältnisse zu gewöhnen, daran, dass Brandenburg nun Zuhause sein soll. Doch als der kleine Kurt bei einem Sturz stirbt, bleiben drei Erwachsene zurück, deren Zentrum in Trauer implodiert. 

    Dieser Roman erzählt von einer ganz normalen und somit natürlich auch von einer komplizierten Familie, davon, was sie zusammenhält, wenn das Schlimmste passiert. Der Roman erzählt von dieser Tragödie, die so einfach und naturgemäß doch so kompliziert ist. Es geht um die Suche nach Familie, der Sehnsucht nach dem richtigen Ort und darüber, dass nichts davon planbar ist.

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    Dave Brubeck QuartetTime Out

    The Dave Brubeck Quartet war ein Jazz-Quartett, welches 1951 von Dave Brubeck am Piano zusammen mit Paul Desmond am Saxophon gegründet wurde.

    Im Jahr 1958, nach verschiedenen Schlagzeugern und Bassisten, formiert sich das so genannte ‚Classic Quartet‘, das sich aus Dave Brubeck, Paul Desmond, Joe Morello am Schlagzeug und Eugene Wright am Bass zusammensetzte und bis zur Auflösung der Band Bestand hatte. 1959 veröffentlichte das Quartett sein berühmtes Album ‚Time Out‘. Ein Höhepunkt für die Gruppe war ihr Live-Album aus dem Jahr 1963, ‚At Carnegie Hall‘, das von Kritiker Richard Palmer als der beste Auftritt dieses Quartetts bezeichnet wurde. 1967 löste sich das Quartett auf und traf nur für das 25-jährige Jubiläum im Jahr 1976 noch einmal zusammen.

    Das Album ‚Time Out‘ wurde 1959 veröffentlicht. Der Name der LP leitet sich von den ungewöhnlichen ungeraden Taktarten wie z. B. 5/4 oder 9/8-Takt ab, schaltet also den überwiegenden 4/4-Takt, die ‚Time‘ aus. Ungerade Taktarten waren das Markenzeichen des Quartetts. Das Album entstand in den Columbia Studios an der 207 E/30th Street in New York. Diese Tonstudios gehörten der CBS, auf deren Label das Album auch erschien. Der erste Song ‚Blue Rondo à la Turk‘ beginnt im 9/8-Takt, wobei die 9 Schläge als 2+2+2+3 gruppiert sind. Das Stück wechselt in einem Übergangs-Chorus zwischen 9/8 und 12/8, bleibt für die Improvisationen im 12/8-Takt, und kehrt über einen Übergangschorus wieder zum Thema im 9/8-Takt zurück. ‚Take Five‘ ist wie der Name des Titels schon vermuten lässt im 5/4-Takt gehalten. ‚Three to Get Ready‘ wechselt alle zwei Takte zwischen dem 3/4-Takt und 4/4-Takt. Teils übernimmt im 3/4-Takt Dave Brubeck das Thema und im 4/4-Takt Paul Desmond.

    ‚Kathy’s Waltz‘ beginnt im 2/2-Takt, die dann in den 3/4-Takt übergeht und in einem letzten Chorus in den 6/8-Takt, um dann das Schlussthema im 3/4-Takt zu bringen. Auch dieses Stück wurde wie schon ‚Take Five‘ und ‚Blue Rondo à la Turk‘ ein Standard. ‚Everybody’s Jumpin’‘ ist hauptsächlich im 6/4-Takt gehalten, steht anfänglich und im Wechsel im 4/4-Takt, während ‚Pick Up Sticks‘ in einem beständigen 6/4-Takt verbleibt.

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    Chilling Adventures Of Sabrina

    ‚Chilling Adventures of Sabrina‘ ist eine US-amerikanische Horrorserie von Roberto Aguirre-Sacasa. Die Serie basiert auf der gleichnamigen Comicbuchreihe, die durch Archie Horror seit 2014 veröffentlicht wurde. Die Netflix-Produktion wird häufig, fälschlicherweise, als düsteres Remake der Fernsehserie ‚Sabrina – Total Verhext!‘ bezeichnet, basiert allerdings stattdessen auf der Comicbuchreihe ‚Sabrina the Teenage Witch‘. Die ersten zehn Episoden wurden 2018 veröffentlicht, die restlichen neun Episoden der ersten Staffel 2019. Im Dezember 2018 verkündete Netflix die Produktion einer zweiten Staffel mit 16 Episoden, die, genau wie die erste Staffel, in zwei Teile geteilt werden wird.

    Die Serie handelt von der Halbhexe Sabrina Spellman, die ihre Identität als verwaiste Tochter eines Hexenmeisters und einer sterblichen Mutter finden muss. Dabei muss sie sich dunklen Kräften und Dämonen stellen, die ihr und ihrer Familie in der normalen Welt gefährlich werden. Sabrina lebt in Greendale mit ihren Tanten Hilda, Zelda und ihrem Cousin Ambrose. Sie besucht die Baxter Highschool. Dem Schulleiter ist Sabrina ein Dorn im Auge. Nebenbei besucht Sabrina auch die Akademie der Unsichtbaren Künste, wo sie zur Hexe ausgebildet wird. Dort muss sie sich mit Prudence Night, die einen Groll gegen Sabrina hegt, Agatha und Dorcas rumärgern. Zu Sabrinas Gegenspielern gehören außerdem der Hohepriester Pater Blackwood und der Dunkle Lord, der Teufel selbst. Verbündete hat Sabrina in ihrem Mitschüler Nicholas Scratch. Dann ist da noch ihre Lehrerin Mary Wardwell, die in Wahrheit Lilith, die Mutter der Dämonen ist, die Sabrina auf die Seite des Dunklen Lords ziehen will.

    Verkostet

    Slyrs 12 43%

    Slyrs ist eine Destillerie für Whisky in Schliersee im bayerischen Oberland, in der Nähe der österreichischen Grenze. Die Brennerei ist der größte Single-Malt-Hersteller Deutschlands. Der Name Slyrs leitet sich von Slyrse ab, dem altbairischen Namen für den Schliersee und das gleichnamige Kloster. Der Single Malt wird im Pot-Still-Verfahren zweifach destilliert. Stand August 2014 werden in der Brennerei 70.000 Liter Whisky pro Jahr produziert. Als Rohstoff dient Gerstenmalz, das zum Teil mit Buchenholz geräuchert wird.

    Wir haben den 12-jährigen mit 43% verkostet. Dieser Malt ruht mindestens 12 Jahre in Bourbon-Fässern, in denen zuvor bereits Slyrs Single Malt lag. Er ist weder gefärbt noch kühlgefiltert.

  • Berni Mayer, Stella Donnelly und Hannah Arendt

    In unserer 292. Episode lasen wir ‚Ein gemachter Mann‘ von Berni Mayer, hörten ‚Beware of the Dogs‘ von Stella Donnelly und sahen den Film ‚Hannah Arendt‘.

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    Berni Mayer – Ein gemachter Mann (Dumont)

    Berni Mayer ist 1974 geboren, und zwar in Mallersdorf. Dieser Ort liegt in Niederbayern, ca. 30 km von Regensburg und Landshut entfernt. Er lebt als Journalist, Musiker, Übersetzer und Moderator eines wunderbaren Podcasts namens ‘Brennerpass‘ in Berlin. Er war Redaktionsleiter bei MTV- und VIVA-Online und hat für Virgin Records gearbeitet. Er schreibt u. a. für das Musikmagazin ‘Rolling Stone’ und bloggt auf bernimayer.de über Fußball, Filme. Bei Twitter findet man ihn als @stburnster. 2012 bis 2014 erschien seine dreibändige Krimireihe um den arbeitslosen Musikjournalisten und Detektei-Erben Max Mandel. ‘Rosalie’ war sein literarisches Debüt. Wir lasen es in Episode 237 Wir haben es also mit dem zweiten Roman von Berni Mayer zu tun.

    Es geht in diesem Roman um Robert Bley. Die Schule ist vorbei, endlich kann Robert weg von zu Hause, weg von der Gärtnerei des Vaters, und das tun, was er schon immer tun wollte. Was auch immer das sein soll. Auf jeden Fall in die Stadt ziehen und studieren, eine eigene Wohnung finden, neue Freunde, eine neue Band – und vor allem: die richtige Freundin, am besten eine Psychologin. Mit Antonia erlebt er seine eigene sexuelle Revolution. Seine Band ‚Herman Lush‘ hat tatsächlich Erfolg, Robert wird gefragter Barkeeper. Und auch das Lehramtsstudium ödet ihn zwar an, fällt ihm aber einigermaßen leicht. Besser kann es im Grunde gar nicht mehr werden. Dann aber beschließt das Leben kurzerhand und radikal, die Erfolgs- und Abenteuerspur in die andere Richtung zu lenken.

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    Stella DonnellyBeware of the Dogs

    Stella Donnelly ist eine Sängerin und Songwriterin aus Perth in Australien. Geboren wurde sie allerdings in der Nähe der walisischen Hauptstadt Cardiff in Wales und wuchs bei die ersten zehn Jahre in der Nähe von Swansea auf. Danach zog ihre Familie nach Fremantle in Australien.

    ‚Beware of the Dogs‘ ist das Debutalbum der 25-Jährigen Sängerin. Und es geht auf diesem Album u.a. um Feminismus und Kritik an der patriarchalischen Gesellschaft. Der Jingle-Jangle-Gitarrenpop verdeckt fast ein wenig die schwerwiegenden Themen, die sie besingt. Seit diesem Jahr wird sie von einer Band begleitet, sowohl auf Konzerten als auch im Studio auf diesem Album.

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    Hannah Arendt

    Hannah Arendt ist ein Spielfilm von Margarethe von Trotta aus dem Jahr 2012 mit Barbara Sukowa in der Rolle der politischen Theoretikerin und Publizistin Hannah Arendt. Premiere hatte der Film 2012 beim 37. Toronto International Film Festival, der deutsche Kinostart war 2013. Der Film spielt in den Jahren 1960 bis 1964.

    Es geht um den sogenannten Eichmann-Prozess; Hannah Arendt schlägt dem Magazin ‚The New Yorker‘ vor, über den Prozess in Jerusalem zu berichten. 1961 reist sie nach Jerusalem. Sie besucht dort alle wichtigen Gerichtsverhandlungen, in denen sie akribisch alles protokolliert. Der Film baut Originalmaterial in die Handlung ein. Adolf Eichmann entpuppt sich im Verlauf des Prozesses nicht als Monster, sondern eher als ein ziemlich mittelmäßiger Bürokrat, was Hannah Arendt überrascht. Im Laufe des Prozesses wird sie auch Zeugin, wie Überlebende des Holocaust während der Befragung zusammenbrechen. Nach zwei Jahren schreibt Hannah Arendt die Artikelserie, die sofort für einen für sie unerwarteten Skandal in den USA, Israel und in der Welt sorgt. Sie zieht sich aufs Land zurück. Auch viele Freunde kritisieren sie heftig. Vor allem werden Hannah Arendt ihre Anschuldigungen an die Judenräte, mit den deutschen Behörden kooperiert zu haben, ihre These von der ‚Banalität des Bösen‘ und mangelnde Liebe zu den Juden vorgeworfen. Ihre akademische Karriere scheint gefährdet, als sie von Leitern ihrer Universität aufgefordert wird, die Universität zu verlassen. In einer für den Film erfundenen Szene wird sie während eines Waldspazierganges von Agenten des Mossad bedrängt, die Veröffentlichung ihres geplanten Buchs ‚Eichmann in Jerusalem‘ aufzugeben. Hannah Arendt bleibt konsequent bei ihrer Haltung und scheut keine Auseinandersetzungen. Bei ihren Vorlesungen sind die Hörsäle überfüllt, die Studenten hören mit Begeisterung ihre Analysen und unerschrockenen Schlussfolgerungen.

  • Gerhard Henschel, Amanda Palmer, After Life und Kilbeggan 21

    Episode 291, und wir lesen den zweiten Martin-Schlosser-Roman namens ‚Jugendroman‘. Außerdem hörten wir ‚There will be no Intermission‘ von Amanda Palmer, sahen ‚After Life‘ und verkosteten einen 21-jährigen Kilbeggan.

    Gelesen

    Gerhard Henschel – Jugendroman (Hoffmann und Campe)

    Gerhard Henschel wurde 1962 geboren und lebt heute als freier Schriftsteller in der Nähe von Hamburg. Sein Briefroman ‘Die Liebenden’ aus dem Jahre 2002 begeisterte die KritikerInnen ebenso wie die Abenteuer seines Erzählers Martin Schlosser, um den es heute mal wieder gehen soll und von dem wir heute den zweiten von acht Bänden lesen, nämlich ‘Jugendroman’. Er erschien im Jahr 2009. Zusammen ergibt sich dann am Ende eine achtteilige Chronik, die er entlang des Lebens von Martin Schlosser erzählt. Gerhard Henschel ist außerdem Autor zahlreicher Sachbücher und wurde mit mehreren Preisen ausgezeichnet.

    Martin Schlosser und seine Familie sind mittlerweile von Koblenz nach Meppen gezogen, und er bricht als Dreizehnjähriger in der emsländischen Kleinstadt zu neuen Abenteuern auf, erlebt den die Hitzewelle im Sommer 1975, und steigt tief hinab in die Gräuel der Pubertät und kämpft den Kampf mit einer Welt, die einfach nicht begreifen will, dass er es gut mit ihr meint: Er möchte für Deutschland Tore schießen und in einer großen Liebe die Erfüllung all seiner Träume finden. Ist das zu viel verlangt? Anfänglich sieht es ganz so aus, und am Ende irgendwie auch …

    Gehört

    Amanda PalmerThere will be no Intermission

    Amanda Palmer wurde 1976 in New York City geboren. Sie ist Musikerin, Sängerin und Songwriterin. Sie wurde vor allem als Mitglied des Duos ‚The Dresden Dolls‘ international bekannt. Seit 2008 ist sie als Solokünstlerin tätig. Obwohl sie das Notenlesen nie richtig gelernt hatte, spielte sie bereits als Kind Klavier und komponierte erste Melodien. Im Alter von zehn Jahren kreierte sie ihr erstes Musical. Sie studierte an der privaten Wesleyan University in Middletown, Connecticut. Ende der 90er Jahre lebte Palmer als Studentin der Germanistik einige Auslandssemester lang in Heidelberg und Regensburg. 2008 erschien ihr erstes Soloalbum namens ‚Who Killed Amanda Palmer‘. Der Titel ist eine Anspielung auf die Fernsehserie Twin Peaks, in welcher der Mord an der fiktiven Figur Laura Palmer untersucht wird. 2010 erschien die EP Amanda Palmer Performs the Popular Hits of Radiohead on Her Magical Ukulele, die ausschließlich aus Coverversionen von Liedern der britischen Band Radiohead besteht, die von Palmer auf der Ukulele eingespielt wurden. Mit dem Album feierte Palmer die Emanzipation von ihrer Plattenfirma, nachdem sie nach zwei Jahren zäher Verhandlungen den Vertrag mit der Firma aufgelöst hatte. 2012 nahm sie zusammen mit ‚The Grand Theft Orchestra‘ ihr neues Album ‚Theatre is Evil‘ auf und startete anschließend ein Kickstarter-Projekt zur Finanzierung der Produktions- und Tourkosten durch Albumvorbestellungen der Fans. Letztendlich finanzierten 24.883 Unterstützer mit 1.192.793 US-Dollar Album und Tour, was es zum erfolgreichsten Musik-Crowdfunding-Projekt überhaupt machte. 2014 erschien mit ‚The Art of Asking‘ Amanda Palmers Autobiographie. Mit diesem Buch gelang ihr der Einstieg in die Bestseller-Liste der New York Times. 2016 nahm sie mit ihrem Vater Jack Palmer ein Album auf namens ‚You Got Me Singing‘, das wir in Episode 170 besprochen haben.

    Dieses neue Album vereint Songs, die in den letzten sechs Jahren für Patreon geschrieben wurden, aber auch neue Songs und spiegelt die Zeiten wider, in denen wir leben. Es ist ein offenes und ehrliches Album, auf dem sich Palmer gegen alles was in der Welt vorgeht und gegen alles was in dieser Welt lebt stellt. Produziert wurde es von John Congleton. Die 10 Tracks des Albums werden außerdem mit kurzen Instrumentals von Jherek Bischoff angereichert. ‚There will be no Intermission‘ ist ein Album, das mal wieder in Gänze gehört werden muss. Amanda Palmer ist eine Künstlerin, die sich dafür engagiert, das zu tun zu können, was sie auf dieser Erde am liebsten tut. Und das hört man mal wieder.

    Gesehen

    After Life

    ‚After Life‘ ist eine britische Dark-Comedy-Fernsehserie, die von Ricky Gervais – der auch die Hauptfigur spielt und die Regie führte – geschrieben und produziert wurde. Die Serie ist seit 2019 auf Netflix zu sehen.

    Es geht in dieser Serie um Tony, der ein perfektes Leben hat bevor seine Frau an Brustkrebs stirbt. Nachdem er zunächst über Selbstmord nachgedacht hat, beschließt er lange genug zu leben, um die Welt für den Tod seiner Frau zu bestrafen, indem er buchstäblich sagt und tut was er will. Obwohl er dies als eine Art Supermacht betrachtet, wird die Situation schwierig, weil alle um ihn herum versuchen, ihn wieder zu einem besseren Menschen zu machen.

    Verkostet

    Kilbeggan 21 40%

    Locke’s Distillery oder auch die Kilbeggan Distillery ist eine Whiskybrennerei in der Republik Irland. Der Sitz der Firma befindet sich in Kilbeggan im County Westmeath, nördlich von Dublin. Gegründet im Jahr 1757 gilt die Distillery als die älteste kontinuierlich lizenzierte Whiskeybrennerei der Welt. Von 1957 bis 2007 war die Brennerei jedoch stillgelegt. Die Marke Kilbeggan Irish Whiskey und das alte Brennereigebäude sind Teil der 1987 gegründeten Cooley Distillery, die mittlerweile zu Beam-Suntory gehört.

  • Maxim Leo, Art Blakey & The Jazz Messengers, I called him Morgan und Glenrothes Vintage 21

    In der 290. Folge der wöchentlichen Sendung der Feuilletöne lasen wir ‚Wo wir zu Hause sind‘ von Maxim Leo, hörten ‚Moanin‘ von Art Blakey & The Jazz Messengers, sahen ‚I called him Morgan‘ – wo es um den Trompeter der Messengers geht – und verkosteten einen 21-jährigen Glenrothes.

    Gelesen

    Maxim Leo – Wo wir zu Hause sind (Kiepenheuer & Witsch)

    Maxim Leo wurde 1970 in Ost-Berlin geboren. Er ist gelernter Chemielaborant, studierte Politikwissenschaften und wurde schließlich Journalist. Heute schreibt er gemeinsam mit Jochen Gutsch Kolumnen für die Berliner Zeitung über sprechende Männer und Alterspubertierende und Drehbücher für den Tatort. 2006 erhielt er den Theodor-Wolff-Preis. Für sein autobiografisches Buch ‚Haltet euer Herz bereit, eine ostdeutsche Familiengeschichte‘ wurde er 2011 mit dem Europäischen Buchpreis ausgezeichnet. 2014 erschien sein Krimi ‚Waidmannstod. Der erste Fall für Kommissar Voss‘ und 2015 ‚Auentod‘.  Er ist der Enkel des Résistance-Kämpfers und Journalisten Gerhard Leo und Sohn der Historikerin Annette Leo und des Künstlers Wolf Leo.

    Es geht in diesem Buch um die Geschichte einer jüdischen Familie, die auf der Flucht vor den Nazis in alle Winde zerstreut wurde, und deren Kinder und Enkel nach Berlin zurückfinden, in die Heimat ihrer Vorfahren Irmgard und Hans – zwei Berliner Jura-Studenten – die 1934 nach Israel auswanderten und in einem Kibbuz unweit der Golanhöhen ihre Kinder großzogen.

    In England trifft Maxim Leo die Familie von Hilde, die als Schauspielerin in kleinen Theatern in der Berliner Friedrichstraße arbeitete und in jungen Jahren Fritz Fränkel heiratete – er war Gründer der KPD und Freund Walter Benjamins – mit dem sie nach Frankreich emigrierte. Später floh sie mit ihrem Sohn nach London, wo sie es bis zur Millionärin brachte.

    In Frankreich wohnt Maxim Leos Tante Susi, deren Mutter Ilse im Internierungslager Gurs in Frankreich ihre große Liebe kennenlernte und bis zum Kriegsende im Untergrund lebte.

    Maxim Leo ist auf der Suche nach der Vergangenheit seiner Familie. Er entdeckt, dass Zusammengehörigkeit keine Grenzen kennt.

    Gehört

    Art Blakey & The Jazz MessengersMoanin‘

    Arthur William Blakey wurde 1919 in Pittsburgh, Pennsylvania geboren. Er war Jazz-Schlagzeuger und Bandleader. Er verdiente sein Geld zunächst im Bergbau. Musikalisch begann er als autodidaktischer Pianist, bis er in seiner eigenen Band von Erroll Garner abgelöst wurde. Daraufhin wandte er sich dem Schlagzeug zu.

    Im Jahr 1944 schloss sich Art Blakey der neugegründeten Bigband von Billy Eckstine an. Im Sommer 1944 spielten Billy Eckstine and His Orchestra in East St. Louis, Illinois, wo sie in der Besetzung Charlie Parker, Dizzy Gillespie, Buddy Anderson, Gene Ammons, Lucky Thompson und Art Blakey auftraten. Ihr Zusammenspiel begeisterte einen 18-jährigen jungen Mann namens Miles Davis so sehr, dass er von nun an nichts anderes mehr hören wollte als eben diese Musik.

    Als Billy Eckstine die Band 1947 auflöste, reiste Art Blakey nach Afrika, wo er die nächsten zwei Jahre verbrachte. Die musikalische Erfahrungen dieses Aufenthalts schlugen sich später in Stücken wie ‚Message from Kenya‘, Abdallah’s Delight oder seinen polyrhythmischen Schlagzeugsoli nieder. Weitere Beispiele für diese Einflüsse sind die Alben Holiday for Skins Vol. 1 und Vol. 2.

    Nach seiner Rückkehr in die USA spielte er in vielen Bands und als Begleiter herausragender Solisten, zum Beispiel von Fats Navarro, Thelonious Monk oder eben Miles Davis. Und für Miles Davis entstand auch das Blue Note-Album ‚Miles Davis Volume 2‘, für das Art Blakey einen jungen und unbekannten Pianisten namens Horace Silver hinzuzog.

    Unter dem Eindruck von Charlie Parker, Fats Navarro und Freddie Webster und anderen wurde auch Art Blakey heroinabhängig.

    1955 war es dann so weit, er gründete zusammen mit Horace Silver eine eigene Combo, die Hard-Bop-Band ‚The Jazz Messengers‘. Silver stieg aber bereits 1956 wieder aus und überließ Art Blakey den Bandnamen, so dass aus ‚Horace Silver & the Jazz Messengers‘ nun ‚Art Blakey & the Jazz Messengers‘ wurde. Art Blakey erwartete von seinen jeweiligen Bandmitgliedern, dass sie ihren Beitrag zum Repertoire der Gruppe leisteten. So stammen z.B. die bekanntesten Messengers-Stücke Moanin‘ und Dat Dere aus der Feder des Pianisten Bobby Timmons. Die geschlossensten und auch bekanntesten Formationen aus dieser Zeit – wir sprechen von den späten 50ern, bzw. den frühe 60ern – waren diejenigen mit den Trompetern Lee Morgan und Freddie Hubbard, den Tenorsaxophonisten Benny Golson und Wayne Shorter und den Pianisten Horace Silver, Bobby Timmons und Cedar Walton. Zu Beginn der 1960er Jahre wurden die Messengers außerdem durch die Hinzunahme des Posaunisten Curtis Fuller gelegentlich zum Sextett erweitert. Mit den 80er Jahren begann die letzte Phase der Band. In dieser Zeit war u.a. Wynton Marsalis Teil der Band. Blakey starb 1990 an Lungenkrebs.

    Moanin’ wurde 1958 aufgenommen und im 1959 veröffentlicht. Es gilt als eines der Jazz-Alben schlechtin. Das Album hatte zunächst einen anderen Titel, aber die sofortige Popularität des Bobby Timmins-Stückes ‚Moanin’‘ sorgte dafür, dass das Album unter eben diesem Titel bekannt wurde. Die anderen Stücke wurden vom Saxophonisten Benny Golson geschrieben, der nur dieses eine Album mit ihnen aufnahm. Alle Stücke bis auf die ‚Drum Thunder Suite‘ wurden Erkennungszeichen der Jazz-Messengers. Dieses Album ist anspruchsvoller, moderner Jazz aus dem Jahre 1959.

    Gesehen

    I called him Morgan

    Es geht in diesem Film um Lee Morgan – genau der, von dem schon bei ‚Gehört‘ die Rede war. Er wurde 1938 in Philadelphia geboren. Die in diesen Zeiten der faktischen Rassentrennung fast ausschließlich von schwarzen Schülern besuchte Mastbaum High School, die Lee Morgan besuchte, war für ihren musikpädagogischen Schwerpunkt bekannt. Und Morgan galt als ausgesprochenes Wunderkind. Tatsächlich war Morgan schon mit 18 Jahren prominentes Mitglied der Big Band von Dizzy Gillespie. Bei einem Konzert der Gillespie-Band wurden die Besitzer des aufstrebenden Plattenlabels Blue Note Records auf den jungen Virtuosen aufmerksam und nahmen ihn unmittelbar darauf unter Vertrag. 1958 verließ er Gillespies Band, um sich den Jazz Messengers von Art Blakey anzuschließen. Die Messengers-Besetzung mit Morgan wird allgemein zu den besten in der über dreißigjährigen Geschichte dieses stilbildenden Ensembles gerechnet, und mit Sicherheit stammt eines der bekanntesten Solos der Bandgeschichte von ihm: Am 30. Oktober 1958 spielten die Messengers die Studio-Version von ‚Moanin’‘ ein. Sein Solo wurde stilprägend und mit dem fast genau 30 Jahre älteren Louis Armstrong auf einem Level verglichen.

    I Called Him Morgan ist ein schwedisch-amerikanischer Dokumentarfilm aus dem Jahr 2016, der von Kasper Collin geschrieben und inszeniert wurde. Er berichtet über das Leben des Jazztrompeters Lee Morgan und seiner Frau Helen Morgan, die im Februar 1972 für seinen Mord verantwortlich war. ‚I called him Morgan‘ hatte am 24. März 2017 in den USA Premiere. Die New York Times nannte den Film „ein zartes menschliches Drama über Liebe, Ehrgeiz und Ruhm in der Musik“. Seit 2017 kann man den Film nun auch bei Netflix sehen.

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    Glenrothes Vintage 21

    Glenrothes ist eine Whiskybrennerei am Ortsrand von Rothes in der Speyside. Die Brennerei wurde 1878 durch James Stuart & Co. gegründet. Sie war nach Glen Grant die zweite Destillerie im Ort. Die Produktion von Whisky begann 1879, an dem Tag als die erst zwei Jahre zuvor erbaute Firth-of-Tay-Brücke bei Dundee einstürzte. 1887 kam die Brennerei zu Highland Distillers. Ein Feuer zerstörte 1922 das Lagerhaus Nr. 1 mit rund 2.500 Fässern Whisky. Der brennende Whisky floss in den Burn of Rothes, der mitten durch den Ort läuft. 1963 wurde die Anzahl der Brennblasen von vier auf sechs, 1980 auf acht und 1989 auf zehn erhöht. Wir haben es diemal mit einem 21-jährigen Single Malt zu tun, der nicht gefärbt wurde.

  • Uschi Brüning, Die goldenen Zitronen, Norsemen Staffel Zwei und Redbreast 21

    In der 289. Folge unserer drolligen Kultursendung sprechen wir über das Buch ‚So wie ich‘ von Uschi Brüning, über das Album ‚More than a Feeling‘ von Die goldenen Zitronen, über die zweite Staffel der Serie ‚Norsemen‘ und über den 21-jährigen Redbreast.

    Gelesen

    Uschi Brüning – So wie ich (Ullstein Verlag)

    Uschi Brüning wurde 1947 in Leipzig geboren. Sie ist singt sowohl Jazz- als auch Soulstücke und ist Songautorin. Sie besuchte ab 1969 die Spezialklasse Tanzmusik und Gesang. Seit 1970 ist sie Berufssängerin. In diesem Jahr unternahm sie auch ihre erste Tournee durch die DDR mit dem Günther-Fischer-Quintett und mit Manfred Krug. 1972 erhielt sie den zweiten Preis beim Internationalen Schlagerfestival in Dresden. Ab 1975 arbeitete sie mit ihrer eigenen Band. Ab 1983 dann arbeitete sie mit Ernst-Ludwig Luten Petrowsky zusammen, mit dem sie auch verheiratet ist. Von 2015 bis zu dessen Tod 2016 trat sie mit Manfred Krug unter dem Titel ‚Manfred Krug liest und s(w)ingt‘ auf.

    Schon als kleines Kind sang Uschi Brüning mit Begeisterung – zu Hause, auf der Straße, im Kinderheim, in der Schule. Mit dreizehn beschloss sie, als Sängerin berühmt zu werden. Ihre großen Vorbilder waren und sind Caterina Valente und Ella Fitzgerald. Sie genoss als erfolgreiche Künstlerin manche Freiheiten: Jazz war in der DDR eine geduldete Nische, in der sich auch Unangepasste relativ zwanglos zusammenfinden konnten. ‚So wie ich‘ ist eine Reise in die Zeit des kalten Krieges, in ein Land namens DDR, die dortige Musikszene und eine Liebeserklärung an die Menschen, die sie umgaben und noch immer umgeben.

    Gehört

    Die goldenen Zitronen – More than a Feeling

    Die Goldenen Zitronen sind eine Band aus Hamburg. 1984 als Fun-Punkband gegründet, zeigen sie in ihren Texten seitdem eine zunehmend gesellschaftskritische Tendenz. Seit den 1990er Jahren verfolgten sie einen Crossover-Stil zwischen Punk und Hip Hop. Seit dem 21. Jahrhundert kamen elektronische Elemente, experimentelle musikalische Formen und Krautrock-Einflüsse hinzu. Die Texte haben oft einen politischen Bezug. Inzwischen sind von den Gründungsmitgliedern nur noch Schorsch Kamerun und Ted Gaier dabei.

    Anfangs kombinierte die Band Rock mit Punkrock und humoristischen und teils sarkastischen Texten. Die Goldenen Zitronen sehen sich als ein Symbol der Unabhängigkeit und lehnen die Zusammenarbeit mit der Musikindustrie ab. 1986 sorgten sie mit dem Song ‚Am Tag, als Thomas Anders starb‘, einer satirischen Abwandlung des Liedes ‚Am Tag, als Conny Kramer starb‘ von Juliane Werding für Aufsehen. Mehrere Major-Label-Verträge wurden von der Band abgelehnt. 1990 veröffentlichten sie das Album ‚F*ck You‘, auf dem sie sich über große Rockbands lustig machten und gegen den Alltagsstumpfsinn protestierten. In den 90ern flossen neue musikalischen Stilmittel in ihre Songs ein, es kamen Elemente aus Garagen-Trash, Electro-Beats, Hip-Hop und Noise-Rock-Pop hinzu.

    Das Anfang 2019 erschienene ‚More Than A Feeling‘ ist das 13. Studioalbum der Band aus Hamburg. Elektronisch ist es bisweilen und der Sprechgesang ist das bevorzugte Stilmittel der Band. Politisch ist es, und das nicht zu knapp. Gegen die AfD, die Politik im Allgemeinen, aber auch gegen die gentrifizierten Großstadtkieze und den schwarzen Block. Alle bekommen sie ihr Fett weg, wie man so schön sagt. Ob uns das alles gefällt, erzählen wir euch in dieser Episode.

    Gesehen

    Norsemen – Staffel 2

    Norsemen ist eine norwegische TV-Serie, bei der es um eine Gruppe von Wikingern geht, die im Dorf Norheim um das Jahr 790 leben. Zunächst lief die Serie in Norwegen unter dem Namen ‘Vikingane’ auf NRK1 im Jahre  2016. Das Drehbuch wurde von Jon Iver Helgaker und Jonas Torgersen gerschrieben. Die Serie wird in Norwegen gedreht und es wurde sowohl in norwegisch als auch in englisch aufgezeichnet. Die erste Staffel der englischen Version wurde auf Netflix im Jahr 2017 unter dem Namen ‘Norsemen’ veröffentlicht. Die zweite Staffel wurde im Frühjahr 2017 gedreht. Auch eine dritte Staffel wird bei Netflix zu sehen sein. Wir haben über die erste Staffel in der 287. Episode unserer Sendung gesprochen. Diesmal ist die zweite Staffel dran.

    Verkostet

    Redbreast 21

    Produziert wird Redbreast mittlerweile in Midleton im Süden der Republik Irland, nicht mehr in Dublin. Nach den Folgen mehrerer Krisen des irischen Whiskeys in den USA und in UK – siehe hierzu auch unser Whiskey-Special Folge 279 – schloss sich im Jahre 1966 Jameson Irish Whiskey mit den letzten verbliebenen Destillerien der Republik Irland zur Irish Distillers Group zusammen. 1975 eröffnete diese Gruppe in Midleton eine Destillerie, die auch heute noch besichtigt werden kann. Seit 1988 gehört die Irish Distillers Limited zum französischen Pernod-Ricard-Konzern. Im Jahr 2012 lag der Gesamtabsatz bei 36 Mio. Liter. Und zu dieser Brennerei gehört eben auch der Single Pot Still Whiskey Redbreast. Er wird aus einer Mischung von gemälzter und ungemälzter Gerste hergestellt. Die Trocknung der gemälzten Gerste erfolgt im Gegensatz zum schottischem Whisky, ohne dass Rauch an das Malz gelangt. Es erfolgen drei Brennvorgänge, die Dreifach-Destillation. Die anschließende Lagerung erfolgt in Eichenfässern aus Spanien und den USA, in denen zuvor Sherry oder Bourbon reiften. Der Malt ist offiziell gefärbt, aber nicht kühlgefiltert und wird mit 46% abgefüllt.