113-Milan Kundera, Schlippenbach Trio und Penny Dreadful

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Milan KunderaDie unerträgliche Leichtigkeit des Seins

Der Roman spielt zur Zeit des Kalten Kriegs. In dieser Zeit lernt der Chirurg Tomas die Serviererin Teresa kennen. Die Beziehung der beiden leidet unter den ständigen Affären von Tomas. Beide haben eine völlig unterschiedliche Auffassung von Liebe und Sexualität. Teresa weiß das, und erduldet zunächst einmal die Affären. Sie beginnt während des Prager Frühlings als Fotoreporterin zu arbeiten, flüchtet jedoch, nach Einmarsch der Truppen des Warschauer Pakts, der die tschechoslowakische Reformpolitik beendet, mit Tomas in die Schweiz. In der Schweiz angekommen, findet Tomas schnell Arbeit als Chirurg und trifft auf einen seiner Seitensprünge, die Malerin Sabina, mit der er umgehend wieder eine Affäre beginnt. Teresa dagegen hat Schwierigkeiten, mit der neu gewonnen Freiheit im Westen. Sie scheitert an der „unerträglichen Leichtigkeit des Seins“. Sie flieht vor Tomas und seinen Affären zurück in die Tschechoslowakei. Tomas, geplagt von schlechtem Gewissen, folgt ihr nach, gerät dort schon sehr bald mit der neuen Parteilinie in Konflikt, da er sich weigert, einen Zeitungsartikel zu widerrufen, den er während des Prager Frühlings verfasst hat. Er muss seine Karriere als Chirurg aufzugeben, lernt als Fensterputzer eine neue Auffassung von Arbeit kennen und hat viel Zeit für abermalige Liebschaften. Da Teresa  aber nun Tomas’ Affären und die ständigen Denunziationen in Prag nicht mehr erträgt, zieht das Paar in ein abgelegenes Dorf, wo es in einer landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaft arbeitet und endlich zur Ruhe kommt.

Friedrich Nietzsches Idee der „ewigen Wiederkehr“ ist zentraler Gedanke in diesem Roman. Es gibt einen Erzähler, der die ganze Geschichte erzählt, dabei aber nicht chronologisch vorgeht, sondern immer wieder Zeitsprünge macht. So gibt es auch keinen eigentlichen Spannungsbogen, weil aufgrund der Zeitsprünge, Ereignisse vorweg genommen werden. Kein einfacher Roman. Man muss sich den Roman erarbeiten, sich ihn erlesen. Trotzdem lässt er nicht los. Er fesselt. Der Roman ist fast schon ein philosophisches Werk. Weltliteratur, keine Frage!

Gehört

Schlippenbach Trio (Alex von Schlippenbach, Evan Parker und Paul Lovens) – Features (Homepage) (Spotify)

Freejazz! Endlich! Es wurde Zeit, dass diese wunderbare Musikform in diese Sendung Einzug erhielt. Drei Musiker, fünfzehn Stücke und freie Improvisationen haben sich auf diesem Album zusammen gefunden. Piano, Schlagzeug und Saxophon werden hier gespielt. Die Bandbreite geht von Miniaturen, die 2 Minuten lang sind, bis zum ca. acht Minütigen ‘Feature-10’, da geht’s dann auch gleich noch ein wenig mehr zur Sache. Evan Parker spielt so wunderbar Saxophon, dass es vom Sound her, fast ein wenig an den klassischen West Coast Jazz eines Paul Desmond, oder Lee Konitz erinnert. Alexander von Schlippenbach lässt das Piano klingen, nicht lärmen. Und auch Schlagzeuger Paul Lovens, streicht eher über die Felle und Becken, als sie gar zu sehr maltraitieren zu wollen. Das ganze wird nie langweilig, und die drei erfinden sich in jedem Stück neu. In jedem Stück ist eine neue Facette des Freejazz zu hören. Immer wieder werden neue Bilder musikalisch gemalt. Die Stärke dieses Albums liegt darin, dass es bei aller Freejazzerei nie anstrengend wird, zumindest nicht für die die offen sind, offen für freie Formen und freie Tonalität. Ein unglaublich aufregendes Album. Man kommt trotz allem Freejazz nie auf die Idee, die Töne würden gerade mal so eben dahin gespielt werden. Das hier ist die Kunst des freien Spiels, der freien Improvisation! Selten hat man Freejazz so entspannt, malerisch, leise, zurückhaltend und somit unglaublich souverän erleben dürfen! Ein wirklich tolles Album!

Gesehen

Penny Dreadful – Staffel 1 (IMDb)

Zusammengesetzt aus vielen bekannten Figuren aus den gruseligen Groschenromanen des gleichen Namens, bietet die Showtime-Serie Penny Dreadful in ihrer ersten Staffel glücklicherweise doch etwas mehr Handlung, Charakterentwicklung und Konsistenz – etwas. Mit Timothy Dalton, Eva Green, Rory Kinnear, Billie Piper und Josh Hartnett ist einiges an Prominenz dabei, die hin und wieder ihre ganze Kunst durchblicken lassen. Das größte Pfund der Serie ist aber – wie heute so oft – die Optik. Wunderschön und tiefdüster zeichnet sie das viktorianische London voller mystischer Gestalten und Vorkommnisse. Wer auf die typische Jack-the-Ripper-Atmosphäre mit einem Tupfer Stephen King steht, der wird hier sein Glück finden.

Die einzelnen Folgen sind in ihrer Qualität sehr unterschiedlich. Die ein oder andere kann zu Tode nerven, wenn sie aus 40 Minuten stöhnender, Gliedmaßen verrenkender und mit weißen Augen irre satanische Verse rezitierender Eva Green besteht. Andere wiederum erzählen mit Geschick und viel Gefühl für Zwischenmenschliches die Hintergrundgeschichten der Hauptcharaktere oder werden geradezu philosophisch, während sie mit unerwarteter Brutalität gerade lieb gewonnene Figuren einfach so vernichten.

Penny Dreadful ist wegen seiner Gewaltdarstellungen, des Grusels und klassischen Horrors sicher nichts für schwache Gemüter, Fans des Genres freuen sich über gute Unterhaltung der eher schlaueren Sorte mit Starbesetzung.

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