Feuilletöne – Sendung 249 – Wei Zhang, Antonello Manacorda, Kammerakademie Potsdam, NDR Chor, Felix Mendelssohn, Dark und Balvenie 15 Single Barrel

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Eine Sendung vor unserem großen Jubiläum lasen wir ‘Eine Mango für Mao’ von Wei Zhang, hörten die 2. Symphonie von Felix Mendelssohn, gespielt und gesungen von der Kammerakademie Potsdam und dem NDR Chor unter der Leitung von Antonello Manacorda, sahen die erste Folge der Serie Dark und verkosteten einen 15 Jahre alten Balvenie Single Barrel.

Gelesen

Wei Zhang – Eine Mango für Mao (Salis Verlag)

Wei Zhang wurde während der Kulturrevolution in Chongqing in der Volksrepublik China geboren. Sie studierte Anglistik. Seit 1990 lebt sie in der Schweiz. 2007 erschien ihr Buch ‘Zwischen den Stühlen: Geschichten von Chinesinnen und Chinesen in der Schweiz’. Sie schreibt für das Feuilleton der NZZ, arbeitet daneben als Hochschuldozentin und gibt Kurse zu interkulturellen Themen. ‘Eine Mango für Mao’ ist ihr erster Roman.

Der Roman spielt im Jahr 1968 zur Zeit der Kulturrevolution in China. Das Leben ist geprägt von materiellem Mangel und extremer Politisierung. Yingying lebt mit ihren Eltern in einer kleinen Wohnung auf dem Areal ihrer Schule. Hier spielt sich ihr ganzes Leben ab: rivalisierende Cliquen in der Nachbarschaft, regimekritische Lehrer, der Tod des Onkels, die Mango als Kultobjekt und die erste Liebe. Sie ist fünf, als sie verstehen muss, dass selbst ein Konto mit einem verschwindend geringen Kindersparbetrag als Hochverrat gelten kann. Als das Haus ihrer Großmutter Nainai enteignet wird, versucht sie, ihr Geld abzuheben – aber setzt sie damit nicht ein Signal, das ihrer Familie schadet? Denn Privateigentum ist schließlich verboten!

Gehört

Antonello Manacorda/Kammerakademie Potsdam/NDR ChorFelix Mendelssohn2. Symphonie ‘Lobgesang’

Antonello Manacorda studierte Violine und schloss mit Auszeichnung ab. 1994 bestellte ihn Claudio Abbado zum Konzertmeister des Gustav Mahler Jugendorchesters. 1997 gründete er dann gemeinsam mit Kollegen und Abbado das Mahler Chamber Orchestra, bei dem er Konzertmeister und Vizepräsident ist. Mit dem MCO war er an zahlreichen Tourneen in Europa, Nordamerika und dem Fernen Osten sowie in den renommiertesten Festivals der Welt beteiligt, u. a. unter der Leitung Abbados sowie von Pierre Boulez, Bernard Haitink, Marc Minkowski, Trevor Pinnock, Christopher Hogwood und Daniel Harding. Seit der Spielzeit 2010/2011 ist Antonello Manacorda Chefdirigent der Kammerakademie Potsdam.

Die Kammerakademie Potsdam ist ein Kammerorchester. Als Hausorchester des Potsdamer Konzertsaals Nikolaisaal wird sie von der Landeshauptstadt Potsdam gefördert. Die Kammerakademie ist im Jahr 2001 durch den Zusammenschluss des Ensemble Oriol Berlin mit dem Persius Ensemble aus Potsdam entstanden. Die stilistische Vielfalt des Orchesters reicht von Barock auf historischem Instrumentarium über die klassische Symphonie bis hin zur Uraufführung zeitgenössischer Werke.  

Jakob Ludwig Felix Mendelssohn Bartholdy wurde 1809 in Hamburg geboren und starb 1847 in Leipzig. Er war Komponist, Pianist und Organist. Er gilt als einer der bedeutendsten Komponisten der Romantik und setzte als Dirigent neue Standards, die das Selbstverständnis des Dirigierens bis heute prägen. Daneben setzte er sich für die Aufführung von Werken Händels und Johann Sebastian Bachs ein. Damit trug er zu ihrer Wiederentdeckung und zur Herausbildung des Verständnisses für diese Musik bei. Er ist Mitbegründer der historischen Musikpflege und gründete das erste Konservatorium in Deutschland in Leipzig.

Es handelt sich bei der 2. Symphonie, die eigentlich gar keine ist, wohl um einen Auftrag aus dem Jahre 1839 vom Rat der Stadt Leipzig anlässlich der Vierhundertjahrfeier der Erfindung der Buchdruckerkunst durch Johannes Gutenberg. Mendelssohn suchte lange nach einer geeigneten Form für das Werk, dachte zunächst an ein Oratorium oder eine großangelegte Psalmvertonung, bis er schließlich in einer Mischung aus Sinfonie und Kantate landete. So entstand dieses Werk, dass am 25. Juni 1840 in einem großen Festkonzert in der Leipziger Thomaskirche erstmals erklang. Später erweiterte Mendelssohn das Werk noch um einige weitere Sätze. Die zweite Fassung des Werks erklang erstmals am 3. Dezember 1840 in Leipzig. Die Uraufführung war ein beachtlicher Erfolg, und das Stück wurde zu einem der meistaufgeführten Werke Mendelssohns zu seinen Lebzeiten. 

Auf ‘historisch korrekten Instrumenten’ musizieren sich die Musiker der Kammerakademie Potsdam durch diese Symphoniekantate. So ergibt sich ein recht authentisches Bild von dem, was sich Felix Mendelssohn einst vorgestellt hat. Es ist die vorletzte Aufnahme im Mendelssohn-Zyklus der Kammerakademnie Potsdam und Antonello Manacorda. Die Solisten dieser Aufnahme sind die Sopranistinnen Maria Bengtsson und Johanna Winkel und der Tenor Pavol Breslik, als Chor konnte der NDR Chor gewonnen werden.

Gesehen

Dark – Pilotfolge

Dark ist eine deutschsprachige Fernsehserie, die bei Netflix veröffentlicht wurde. Es ist die erste Serie von Netflix, die in Deutschland entwickelt, produziert und gefilmt wurde. Die erste Staffel wurde 2017 veröffentlicht. Die Verlängerung um eine zweite Staffel wurde bereits bekanntgegeben. Die Serie wurde gemeinsam von Baran bo Odar und Jantje Friese entwickelt, die das auch Drehbuch der Pilotfolge schrieb. 

Die Geschichte beginnt in einer fiktiven deutschen Kleinstad mit dem Suizid von Michael Kahnwald. Er hinterlässt einen Brief mit dem Hinweis, ihn nicht vor dem 4. November um 22:13 Uhr zu öffnen. Die Handlung setzt sich dann am Morgen dieses Tages fort. Michaels Sohn Jonas kehrt von einem mehrmonatigen Aufenthalt in der Psychiatrie an seine Schule zurück.  Als eine Gruppe Jugendlicher sich auf der Suche nach Drogen zu den ‘Windener Höhlen’ aufmachen, nehmen sie unheimliche Geräusche aus der Höhle wahr und ihre Taschenlampen versagen. Auf ihrer Flucht aus dem Wald verläuft sich Mikkel – einer der Jugendlichen – und geht verloren. Die Stadt gerät allmählich in Panik. Währenddessen tritt Mikkel aus dem Wald hinaus und kehrt zurück zum Haus seiner Eltern. Doch als er dort läutet, öffnet jemand, dem Mikkel anscheinend noch nie begegnet ist. Durch einen Zeitungsartikel wird ihm klar, dass er im Jahr 1986 gelandet ist. Ab diesem Zeitpunkt springt die Serie immer wieder zwischen den Jahren 2019, 1986 und 1953. Nach und nach fügen sich immer neue Puzzleteile der verschiedenen Protagonisten in allen Zeitebenen zu einem Bild zusammen. 

Verkostet

Balvenie 15 Single Barrel

Die Balvenie Distillery ist eine Brennerei in Dufftown, in Schottland. Die Brennerei wurde 1892 von William J. Grant erbaut, der auch Glenfiddich gründete. Bei der Errichtung von Balvenie verwendete man u.a. kostengünstige gebrauchte Brennblasen von Lagavulin. Inzwischen verfügt die Brennerei über neun Brennblasen. Balvenie teilt sich mit Glenfiddich das Wasser zum Brennen, die Kesselschmiede, die Küfer und den Brennmeister David Steward. Im Gegnessatz zu Glenfiddich kommen 15 % des Malzbedarfes wohl noch von den eigenen Malting Floors. Obwohl es Balvenie schon so lange gibt, wurde der erste Single Malt erst 1973 abgefüllt. Bis dahin floss der Whisky in die hauseigene Verblendung. Die Brennblasen werden mit innenliegenden Dampfspiralen befeuert. Der Dampf selbst stammt aus der Abhitze Glenfiddichs.

Feuilletöne – Sendung 248 – Clue Writing, Lush, Mitternachtsspitzen und Flensburger Dark Amber

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Wir schreiben das Jahr zwei vor 250, oder auch nur fünf vor Zwölf! Je nachdem. Wir lasen mal wieder etwas von den wunderbaren Menschen von Clue Writing, nämlich die Kurzgeschichte ‘Die Hölle, das sind die anderen’. Außerdem hörten wir ‘Split’ von Lush, sahen die Mitternachtsspitzen und verkosteten das Flensburger ‘Dark Amber’.

Die Amazon Wunschliste: https://www.amazon.de/wishlist/36WF7LHD12UZ5

Audiobeiträge zum 250. Geburtstag bitte an info@feuilletoene.de Wir würden uns wirklich richtig freuen.

Gelesen

Clue Writing – Die Hölle, das sind die anderen (Text)

Wir haben mal wieder etwas von den tollen Menschen von Clue Writing gelesen. Rahel und Sarah heißen die beiden Menschen hinter der Literaturplattform Clue Writing. Seit 2012 veröffentlichen sie wöchentlich Kurzgeschichten, die an einem vorher festgelegten Handlungsort (Setting) spielen und in die wir vorgegebene Stichworte (Clues) nach klaren Vorgaben vertexten. So kam im Laufe der Zeit ein beachtliches Textsammelsurium mit mehreren hundert Geschichten zusammen! Und das in allen möglichen Genres. Und so behaupten sie mit Fug, Recht und Grössenwahn, dass auf Clue Writing jedes Leserherz gehörig umworben wird. Man findet bei Clue Writing Krimis, Abenteuergeschichten, Komödien, Charakterstudien, Romantik, Science Fiction und Horror. Da dürfte für alle Menschen was dabei sein.

Das Setting ist hier ein Flugfeld. Und so geht in dieser sehr kurzen Kurzgeschichte um Passagiere, die alle sehr mit sich selbst beschäftigt sind und darauf warten, dass das Flugzeug endlich starten möge. Da ist Mohammed, der sich Gedanken macht, ob ihn jemand für einen Terroristen hält, Brigitte, die Angst hat, dass der schlummernde Mann vermeintlich Schande über sie bringt, Safia, der es davor graust, dass ihre Eltern ihre Partnerwahl nicht gutheißen könnten, Janosch, der sich von einer missglückten Unterhaltung erholt, Paul, der sich nicht mit seinen eigenen Vorlieben anfreunden kann, Tina, die sich über ihr Image als Mutter sorgt, Robert, der an seiner geistigen Gesundheit zweifelt, Tom, der in Scham und Gewissensbissen badet, Aisha, der der lebhafte Charakter ihrer Herkunft unangenehm ist und Rita, die lernt wie man Minestrone zubereitet. 

Gehört

LushSplit

Lush wurde 1988 in London gegründet. 1989 wurde die erste EP mit namen ‘Scar’ veröffentlicht. Die ersten drei EPs wurden 1990 auf einem Album namens ‘Gala’ zusammengefasst. Das erste Album der Band heißt  ‘Spooky’ und erschien im jahr 1992. Im selben Jahr spielten Lush in den USA auf der Lollapalooza-Festival-Tour.

1996 beendeten Lush nach zwei weiteren Alben und dem Suizid des Schlagzeugers Chris Acland zunächst ihre aktive Karriere, um sich dann 1998 aufzulösen. 2015 gab es eine re-union und es gab eine Tour im Jahr 2016. Ebenfalls im Jahr 2016 erschien eine EP mit dem Titel ‘Blind Spot’. Ein geplantes Album kam aber zum Leidwesen der Fans nicht zustande. Ende 2016 kündigte die Band ihre erneute Auflösung an.

Dieses Album handelt von allmöglichen Formen von emotionalen Turbulenzen. Und das kann dieses Album richtig gut. Und so nimmt sich ‘Split’ jedes noch so negativen Aspekts des Scheiterns an und meistert dieses mit Bravour. Wer ein bisschen genauer  hinhört, wird den ein oder anderen kleinen Warpaint-Moment wahrnehmen. Das ist auch nicht weiter verwunderlich, orientiert sich doch Warpaint u.a. an dieser Band. Dass sich Lush immer von den durschnittlichen Durschnitts-Dreampopbands abheben, dafür sorgt allein schon Emma Anderson mit ihrem sehr einzigartigen Gitarrenspiel. Oft wird die Band auch mit dem Genre Shoegazing in Verbindung gebracht. Auch Post-Rock kann man hier durchaus hören. Ein großartiges Album einer Band, die nie wirklich richtig bekannt war. Schade, sie hätte es verdient gehabt.  

Gesehen

Mitternachtsspitzen

Die Mitternachtsspitzen sind die am längsten existierende Kabarettsendung im deutschsprachigen Fernsehen. Aufgezeichnet wird die Sendung live on tape vor Publikum jeweils am Donnerstagabend, online abrufbar ist sie dann sie zwei Tage später ab 18 Uhr, ausgestrahlt wird sie Sonnabend im Abendprogramm des WDR Fernsehen.

Die Sendung besitzt eine relativ konstante Gliederung. Es beginnt mit Jürgen Becker, der auch durch die Sendung führt , und dem Satz: ” So! Dann woll’n wir uns mal einen schönen Abend machen, oder…….” und dann anschließend auf aktuelle Ereignisse einzugehen. Danach folgt eine fingierte Live-Schalte nach Berlin, genannt ‘Deppendorf’, benannt nach Ulrich Deppendorf, dem ehemaligen WDR-Chefredakteur und Fernsehdirektor, der bis zu seiner Pensionierung 2015 als Leiter des ARD-Hauptstadtstudios in Erscheinung trat. Aktuell verkörpert Wilfried Schmickler stattdessen einen Hipster. Weiterer Bestandteil der Sendung sind fingierte Dialoge von Jürgen Becker mit Prominenten: Dazu werden originale Bewegtbilder aus dem Archiv mit falschen Texten unterlegt, gesprochen von Stimmenimitator Elmar Brandt – den einige vielleicht noch als Gehart Schröder-Parodist kennen. Die Mitglieder der Stammbesetzung treten aber auch paarweise in ‘Überschätzte Paare der Weltgeschichte’ auf. Hier Parodiert Wilfried Schmickler meist Bundeskanzlerin Angela Merkel und Uwe Lyko unterschiedliche Rollen, wie zum Beispiel den Ehemann Merkels Joachim Sauer, Benedikt XVI., Silvio Berlusconi, Recep Tayyip Erdoğan, Adolf Hitler, Karl Lagerfeld, Jogi Löw, Wladimir Putin oder Nicolas Sarkozy. Seit 1996 ist der Ruhrgebietsrentner Herbert Knebel dabei, verkörpert von Uwe Lyko. Susanne Pätzold gehört seit Sommer 2014 zur Stammbesetzung und parodiert z.B. Ursula von der Leyen, Andrea Nahles, Frauke Petry, Sabine Rau oder Claudia Roth. Mit dem Ruf: “Aufhören, Herr Becker, aufhören!”, beginnt Wilfried Schmickler in jeder Sendung seit 1992 seine finale Moralpredigt. Jürgen Becker beschließt jede Sendung mit dem Hinweis auf die nächste Ausgabe der Mitternachtsspitzen und dem Satz: „Machen Sie sich einen Knoten in die Fernbedienung!“

Zur Stammbesetzung hinter den Kameras gehören seit etlichen Jahren Autor Dietmar Jacobs, Stimmenimitator Elmar Brandt, Redakteur Klaus Michael Heinz und Regisseur Helmut Zanoskar. Zuvor und mehr als ein Jahrzehnt lang gehörten bis zum Tode 2004 Regisseur Alexander Arnz sowie bis zur Pensionierung 2005 der ehemalige Monitor-Redakteur Rolf Bringmann zum Team. Neben der Stammbesetzung gibt es meist drei Gastauftritte bekannter Kabarettisten oder aufstrebender Nachwuchskünstler.

Verkostet 

Flensburger Dark Amber 6,6% (nicht gefärbt oder kühlgefiltert) 

Die Flensburger Brauerei klöppelt mal wieder außergewöhnliche Biere, diesmal das ‘Dark Amber. Es handelt sich um ein malzintensives, neuartiges Amber Ale gepaart mit einem klassischen englischen Brown Ale. Letzteres gibt diesem Bier die dunklere Farbe. Vier spezielle Kara-Malze und Pale-Ale-Malz werden hier verwendet. Außerdem werden englischen Ale-Hefe und deutscher Aromahopfen in diesem Bier miteinander veklöppelt. “Een Hot ut jede Dörp”, secht man wohl in Flensbuich, to so’n modernen Kram. 

Feuilletöne – Sendung 247 – Ulrich Alexander Boschwitz, MGMT, Annihilation und Balvenie 12 Single Barrell

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Wir lasen ‘Der Reisende’ von Ulrich Alexander Boschwitz, hörten ‘Little Dark Age’ von MGMT, sahen den Film ‘Annihilation’ und verkosteten einen Balvenie 12 Single Barrell. Unsere Amazon Wunschliste: https://www.amazon.de/wishlist/36WF7LHD12UZ5

Gelesen

Ulrich Alexander Boschwitz – Der Reisende (Klett-Cotta)

Ulrich Alexander Boschwitz wurde als Sohn eines jüdischen Kaufmanns 1915 in Berlin geboren. Seine Mutter stammte aus einer Lübecker Senatorenfamilie. Da er Jude war, musste er während des Nationalsozialismus emigrieren und ging so 1935 nach Schweden, von dort weiter nach Norwegen und 1936 nach Frankreich. In den Jahren 1937 und 1938 hielt er sich in Luxemburg und Belgien auf und ging schließlich 1939 nach England. Nach Kriegsausbruch wurde er dort als ‘Enemy Alien’ (feindlicher Ausländer) interniert und in ein Internierungslager nach Australien verlegt. 1942 wurde das Schiff, auf dem er sich auf der Rückreise nach England befand, von einem deutschen U-Boot torpediert und ging unter. Boschwitz wurde nur 27 Jahre alt. Sein Roman ‘Menschen neben dem Leben’ wurde 1937 in schwedischer Übersetzung verlegt. Sein zweites Buch ‘Der Reisende’ erschien unter dem Pseudonym John Grane 1939 in London in englischer Sprache unter dem Titel ‘The man who took trains’ und 1940 in den USA als ‘The Fugitive’. Eine weitere Übersetzung erschien 1945 in Frankreich als ‘Le fugitif’. Von den beiden Romanen ist bisher nur der ‘Der Reisende’  im Jahr 2018 bei Klett-Cotta in deutscher Originalsprache verlegt worden.

Es geht in diesem Roman um den jüdischen Kaufmann Otto Silbermann, ein angesehenes Mitglied der Gesellschaft, der in Folge der Novemberpogrome aus seiner Wohnung vertrieben und um sein Hab und Gut gebracht wird. Die Familie muss er zurücklassen. Lediglich mit einer Aktentasche voll Geld, die er retten konnte, reist er von nun an ziellos umher. Zunächst glaubt er noch, ins Ausland fliehen zu können. Der Versuch, illegal die belgische Grenze zu überqueren, scheitert aber. Also nimmt er Zuflucht in der Reichsbahn, verbringt seine Tage in D-Zügen, auf Bahnsteigen und in Bahnhofsrestaurants. Hier trifft auf Flüchtlinge und auf Nazis; auf gute wie auf schlechte Menschen. Es wird in diesem Buch sehr eindrücklich die Atmosphäre beschrieben, die im Deutschen Reich herrschte. In den Gesprächen, die Silbermann führt und mithört, werden die LeserInnen in die Lage versetzt, die Lebenswirklichkeit jener Tage zu zumindest in Ansätzen nachzuempfinden.

Gehört

MGMTLittle Dark Age

MGMT ist eine Indietronic-Band aus New York. Sie wurde 2002 von Andrew VanWyngarden und Ben Goldwasser gegründet. Sie lernten sich auf der Wesleyan University in Connecticut beim Studium experimenteller Musik kennen und begannen, ihre gemeinsamen Vorstellungen in Kurzauftritten vor studentischem Publikum umzusetzen. Sie traten regelmäßig innerhalb der Universität auf. Sie nannten sich zunächst The Management, später einfach nur noch MGMT. 2007 wurde ‘Oracular Spectacular’ veröffentlicht. Danach erlangten sie u.a. durch Auftritte bei David Letterman und Jools Holland größere Bekanntheit. Außerdem ist ‘Time to Pretend’ auf dem Soundtrack des 2008 angelaufenen Films ’21’ als Eröffnungssong zu finden. Ferner lief der Song in der britischen Fernsehserie ‘Skins’ und befindet sich, ebenso wie einige andere Songs der Band, im Soundtrack diverser Computer- und Konsolentitel. Single und Album stiegen ab 2008 international in die Charts ein. Das folgende Album mit dem Titel ‘Congratulations’ wurde 2010 veröffentlicht. Die Band hatte das komplette Album als kostenlosen Stream auf ihrer Website bereitgestellt, nachdem das Album in verschiedenen Tauschbörsen aufgetaucht war. Die Zeitschrift Musikexpress kürte das Album zum Album des Jahres. 2013 veröffentlichten MGMT das Album mit dem überraschenden Namen ‘MGMT’, nachdem es bereits eine Woche früher als Stream verfügbar gemacht wurde.

‘Little Dark Age’ ist das vierte Album der New Yorker Band, und es ist ein bisschen anders als die Vorgänger. Es sind viel mehr Songs auf diesem Album, die man gemeinhin als Pop bezeichnen würde. Was die Texte angeht, ist man aber weiterhin elaboriert und engagiert unterwegs. Der Titel ‘Little Dark Age’ soll Ausdruck von Bestürzung ob des aktuellen politischen und sozialen Klimas sein. Die Wahl von Donald Trump zum Präsidenten der Vereinigten Staaten war einer der Gründe für den Titel des Albums und einige Texte. Die Band kommentierte in einem Interview das Ganze mit den folgenden Worten: “We were like, ‘Wow, is it actually possible for the most impossible thing to happen?… Apparently, we were more inspired to write pop music after evil took over the world.” Weniger Komplex als die Vorgänger, aber nicht minder intensiv. MGMT zeigen mal wieder, dass elektronische Musik sehr anspruchsvoll sein kann.

Gesehen

Annihilation

Annihilation ist ein US-amerikanisch-britischer Science-Fiction-Film von Alex Garland. Das Drehbuch – ebenfalls von Garland – basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jeff VanderMeer. Die Darsteller der fünf Wissenschaftlerinnen, die mysteriöse Vorgänge aufdecken sollen, sind Natalie Portman, Jennifer Jason Leigh, Gina Rodriguez, Tuva Novotny und Tessa Thompson. In den USA, Kanada und China kam der Film Anfang des Jahres 2018 in die Kinos. Die deutschsprachige Erstveröffentlichung fand beim Streaming-Anbieter Netflix statt.

Das Expeditionsteam ist bereits das zwölfte, das in ein Gebiet geschickt wird, das als ‘Area X’ bekannt ist, es besteht aus fünf Wissenschaftlerinnen. Seit sich vor drei Jahren etwas mysteriöses ereignete, überwuchert in ‘Area X’ ein als “Schimmer” bezeichnetes Schild das Land sowie die letzten Überbleibsel menschlicher Zivilisation und breitet sich weiter aus. Die Gruppe soll nicht nur das Areal und seine Tier- und Pflanzenwelt erforschen, sondern auch die Ursachen dieses Vorfalls aufdecken. Die vorherigen Teams sind spurlos verschwunden.

Verkostet 

Balvenie 12 Single Barrel

Die Balvenie Distillery ist eine Brennerei in Dufftown, in Schottland. Die Brennerei wurde 1892 von William J. Grant erbaut, der auch Glenfiddich gründete. Der erste Brennvorgang fand 1893 statt. Balvenie liegt heute noch unterhalb der Glenfiddich Destillerie. Wenn man in Dufftown sagte, »Rome was built on seven hills, Dufftown was built on seven stills«  so haben die Grants hier also ihren Teil gleich doppelt beigetragen. Mittlerweile befindet sich auf dem Areal auch noch eine dritte Brennerei der Grants: die 1990 eröffnete Kininvie Destillerie. Die Ortschaft Duffton wurde einst als Balvenie gegründet. Noch heute kann man die Ruinen von Balvenie Castle besuchen. Bei der Errichtung von Balvenie verwendete man u.a. kostengünstige gebrauchte Brennblasen von Lagavulin. Inzwischen verfügt die Brennerei über neun Brennblasen. Balvenie teilt sich mit Glenfiddich das Wasser zum Brennen, die Kesselschmiede, die Küfer und den Brennmeister David Steward. Im Gegnessatz zu Glenfiddich kommen 15 % des Malzbedarfes wohl noch von den eigenen Malting Floors. Auch der Torf unterscheidet die kleine von der großen Schwester. Obwohl es Balvenie schon so lange gibt, wurde der erste Single Malt erst 1973 abgefüllt. Bis dahin floss der Whisky in die hauseigene Verblendung. Die Brennblasen werden mit innenliegenden Dampfspiralen befeuert. Der Dampf selbst stammt aus der Abhitze Glenfiddichs.

Feuilletöne – Sendung 246 – Stefan Zweig, Kate Bush, Jessica Jones – Season 2 und Flensburger Blonde

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In dieser Folge lasen wir ‘Der Amokläufer’ von Stefan Zweig, hörten ‘Hounds of Love’ von Kate Bush, sahen die zweite Staffel der Netflix-Serie ‘Jessica Jones’ und verkosteten das Flensburger Blonde.

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Gelesen

Stefan ZweigDer Amokläufer

Stefan Zweig wurde 1881 in Wien geboren. Die Schule empfand er als Tortur, weil auf individuelle Interessen überhaupt nicht eingegangen wurde. Statt für die Schule begeisterte er sich für Literatur und schwärmte u.a. für Hugo von Hofmannsthal. Trotz alledem studierte er Germanistik- und Romanistik und schloss 1904 mit der Promotion in Berlin ab. Vor dem Ersten Weltkrieg reiste Stefan Zweig bereits nach Belgien, Holland, Frankreich, England, Italien, Spanien, Indien, Nordafrika und Amerika. Bei einer russischen Bildhauerin in Florenz entdeckte er ein Buch von Romain Rolland, begeisterte sich für dessen europäische Haltung und schrieb ihm. Es war der Beginn einer innigen Freundschaft. Nachdem Stefan Zweigs Bücher am 10. Mai 1933 zusammen mit denen anderer Autoren öffentlich in Deutschland verbrannt worden waren, zog er 1934 von Salzburg nach England, wo er zuerst in London, dann in Bath wohnten. Nach dem Verlust seiner österreichischen Staatsangehörigkeit bat er in Großbritannien um einen Pass für Staatenlose. Als die Deutschen 1939 Polen überfielen und die britische Regierung deshalb dem Deutschen Reich den Krieg erklärte, sank Stefan Zweig eine weitere Stufe nach unten: vom Staatenlosen zum “enemy alien”. 1940 emigrierte Stefan Zweig über New York nach Brasilien. Am 22. Februar 1942 nahm er sich in Petrópolis bei Rio de Janeiro mit einer Überdosis Veronal das Leben.

‘Der Amokläufer’ ist eine Novelle. Sie wurde erstmals 1922 in der Zeitung ‘Neue Freie Presse’ veröffentlicht und ist wenig später in der Novellensammlung ‘Amok: Novellen einer Leidenschaft’ erschienen.

Es gibt in dieser Novelle eine Rahmenhandlung. Es geht zunächst um einen namenlosen Ich-Erzähler, der mit einem Überseedampfer von Indonesien nach Europa reist. Bei einem nächtlichen Spaziergang auf dem Deck begegnet er einem Mann, dieser vertraut sich ihm an und erzählt seine Geschichte – die eigentliche Handlung der Novelle: Er, ein Leipziger Arzt, ging vor sieben Jahren nach Indonesien, um dort in einem kleinen und abgelegenen Ort zu arbeiten. Eines Tages erscheint bei ihm unerwartet eine Frau, die ihn fortan mit ihrer hochmütigen, kühlen Art fasziniert. Im Laufe des Gesprächs stellt sich heraus, dass die Frau von ihm einen diskreten Schwangerschaftsabbruch wünscht. Sie ist bereit, dafür eine sehr hohe Geldsumme zu zahlen. Doch der Arzt verlangt von der Frau statt des Geldes eine gemeinsame Liebesnacht, woraufhin sie das Haus verlässt. Einem unzurechnungsfähigen Amokläufer ähnlich, verfolgt er die Frau bis an ihr Haus, macht dabei mehrere Dummheiten, die die Frau nur noch mehr davor abschrecken, sich auf ihn einzulassen. Da sie auf keinen Fall will, dass ihre Schwangerschaft publik wird, vertraut sie sich einer einheimischen Heilerin an. Der Eingriff misslingt und die Frau stirbt qualvoll. Als der Ehemann der Toten diese mit der Oceania nach Europa überführen will, verlässt auch der Arzt mit demselben Schiff Indonesien in Richtung Europa. Er will um jeden Preis verhindern, dass weitere Nachforschungen über die Todesursache der Frau angestellt werden. Erst bei der Ankunft in Neapel erfährt der Ich-Erzähler aus der Zeitung von einem „merkwürdigen Unfall“, der sich beim Entladen des Schiffs ereignet hat. Wie mehrere andere Werke Zweigs, hat auch diese Novelle mal wieder einen starken psychologischen Hintergrund. Namensgebend für die Novelle ist der Begriff Amok, der damals noch wenig bekannt war.

Gehört

Kate BushHounds of Love

Kate Bush wurde 1958 in London geboren. Sie heißt eigentlich Catherine Bush und ist Sängerin, Pianistin, Songwriterin und Musikproduzentin. Zu ihren bekanntesten Liedern gehören ‘Wuthering Heights’, ‘Babooshka’ und ‘Running Up That Hill’. 1973 traf sie David Gilmour von Pink Floyd. Dieser erkannte ihr Talent und förderte fortan ihre Laufbahn. Er nahm mit ihr einige Demotapes auf. 1975 stellte er der Plattenfirma EMI, bei der auch Pink Floyd unter Vertrag waren, die Demobänder vor. Die Plattenfirma schloss 1976 einen Vertrag mit der gerade 18-Jährigen für zunächst vier Jahre. 1977 begann sie, erste Bühnenerfahrung mit Coverversionen in kleinen Pubs und Bars zu sammeln. Ihre Musik beinhaltet Einflüsse aus klassischer Musik, Artrock, Glam, Jazz, irisch-keltischer und südosteuropäischer Musik. Ein Wiedererkennungsmerkmal ihrer Musik ist die gleichförmige Wiederholung bestimmter musikalischer Elemente, etwa Drum-Loops oder andere kurze Motive. Oft kommen bei Kate Bush ungewöhnliche Instrumente, wie Didgeridoo, Balalaika und Clavichord, zum Einsatz. Sie schreibt all ihre Songs selbst und spielt Klavier, Synthesizer, Violine und Gitarre. Außerdem produzierte sie ihre Alben selbst und führte bei einem Großteil ihrer Videos Regie.

‘Hounds of Love’ ist das fünfte Studioalbum von Kate Bush, das 1985 veröffentlicht wurde. Es ist ihr erfolgreichstes Album; so erreichte es unter anderem Platz eins der britischen und Platz zwei der deutschen Charts. Das Album besteht aus zwei Teilen. Damals, zu Zeiten des Vinyls, wurden diese auf die jeweilige Seite der LP verteilt, sodass die erste und zweite Seite der LP gleichzeitig auch die musikalischen Konzepte des Albums trennten. Der erste Teil des Albums, also die erste Seite der LP – heute Song eins bis fünf – trägt den Titel des Albums ‘Hounds of Love’ und besteht aus poetischen, aufwändig arrangierten Songs. Alle vier ausgekoppelten Singles stammen aus diesem ersten Teil des Albums. Der zweite Teil des Albums, nun also die zweite Seite der LP – heute Song sechs bis zwölf – trägt den Namen ‘The Ninth Wave’ und ist eher eine lyrische Geschichte, welche von einer Frau handelt, die nach einem Schiffsunglück eine Nacht im Wasser treibend verbringt, wo sie verschiedene Visionen und Träume erlebt. Funfact: Im Stück ‘Waking the Witch’ wird ein Hubschrauber-Sample aus dem Album ‘The Wall’ von Pink Floyd genutzt.

Gesehen

Jessica JonesSeason 2

Es handelt sich bei ‘Jessica Jones’ um eine US-amerikanische Fernsehserie, die auf der gleichnamigen Figur von Marvel aufbaut. Sie spielt im Marvel Cinematic Universe (MCU) und ist die zweite von vier Netflix-Serien, die schließlich zu der Crossover-Serie namens ‘Marvel’s The Defenders’ führten. Gespielt wird die namensgebende Hauptfigur von Krysten Ritter. Im März 2018 erschien die zweite Staffel komplett bei Netflix.

Jessica Jones versucht in dieser Staffel herauszufinden, warum sie überhaupt Superkräfte hat. Der Schlüssel zu diesen Informationen heißt IGH. Hier beginnt die Geschichte der Aufklärung des Geheimnisses, wie Jessica Jones zu dem wurde, was sie ist. Und was aus ihrer Mutter wurde. Sie trifft in dieser Staffel auf einige Bekannte, sogar Kilgrave ist mit dabei. Es gibt erstaunliche Wendungen in dieser Staffel, die hier nicht verraten werden. Nur so viel: Ganz oft ist alles ganz anders, als man es anfangs vermutet. Und alles endet natürlich äußerst tragisch! Aber am Ende wissen wir, wie alles begann.

Verkostet

Flensburger Blonde

Die Flensburger Brauerei Emil Petersen GmbH und Co. KG ist eine Privatbrauerei. Neben Flensburger Pilsener, umgangssprachlich auch als ‘Flens’ bezeichnet, klöppelt die 1888 gegründete Brauerei heute verschiedene Biere, u.a. eben das ‘Flensburger Blonde’, was heute verkostet werden soll. Das Unternehmen ist eine der wenigen deutschlandweit operierenden Brauereien, die nicht zu einem Brauereikonzern gehören, sondern sich weiterhin in Familienbesitz befinden. Mehrheitlicher Anteilseigner ist die Familie Dethleffsen-Petersen. Die Produktion betrug im Jahr 2014 ca. 550.000 Hektoliter. Es sind ca. 170 Mitarbeiter im Unternehmen beschäftigt.

Es handelt sich beim ‘Flensburger Blonde’ um ein Bier nach Art eines belgischen Abteibieres. Gebraut wird es mit einer obergärigen Spezialhefe aus Belgien sowie insgesamt mit drei Gerstenmalzen und hellem Weizenmalz. Ergänzt wird das alles mit slowenischen Aromahopfen namens ‘Styrian Golding Celeia’.

 

Feuilletoene – Sendung 245 – Inge Buck, Laurie Anderson, Kronos Quartet, Tatort und Tomintoul Peaty Tang

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In dieser Folge lasen wir ‘Prager Tagebuch’ von Inge Buck, hörten ‘Landfall’ von Laurie Anderson und dem Kronos Quartet, sahen den Tatort ‘Im toten Winkel’ und verkosteten den Tomintoul Peaty Tang.

Gelesen

Inge Buck – Prager Tagebuch (Sujet Verlag Bremen)

Inge Buck ist 1936 in Tübingen geboren, sie ist Kulturwissenschaftlerin und Schriftstellerin. Inge Buck wuchs in Süddeutschland auf. Sie hat in Tübingen Psychologie studiert und in München und Wien Publizistik, Literatur- und Theaterwissenschaften. Nach ihrer Promotion arbeitete sie als Redakteurin in der Hörspielredaktion des Deutschlandfunks. An der Hochschule Bremen war sie als Kulturwissenschaftlerin tätig. Sie schreibt Lyrik und Kurzprosa, Hörfunk-Features und Hörbilder, sie hat Biographien und Anthologien sowie mehrere Lyrikbände veröffentlicht. Sie lebt und arbeitet in der Hansestadt Bremen. 2003 erhielt sie den Robert-Geissendörfer-Preis.

Wir haben es hier mit einem Tagebuch zu tun, in dem Inge Buck die Reise von Bremen nach Prag, den Aufenthalt in Prag und die Rückfahrt über Wien zurück nach Bremen beschreibt. Sie macht das, indem sie Zeichnungen, kurze Prosa und Gedichte abwechselnd zu Papier bringt. Diese drei Dinge sind es, die dieses dünne Büchlein füllen. Es ist mal wieder ein Buch für Menschen, die nichts mit Literatur zu tun haben wollen, weil sie entweder keine Zeit oder Lust haben, dicke Bücher zu lesen.

Gehört

Laurie Anderson/Kronos Quartet – Landfall

Laurie Anderson heißt gebürtig Laura Philips Anderson und erblickte 1947 in Illinois das Licht der Welt. Sie ist Performance-Künstlerin, Musikerin und Filmregisseurin. Nach ihrem Highschool-Abschluss studierte sie Kunstgeschichte. 1972 graduierte sie zum Master of Fine Arts. Ihre ersten Performances hatte Anderson in den 1970er Jahren. 1977 entwickelte sie den Viofonografen, eine Violine mit einer aufmontierten 7″-Single, über die sie den Violinenbogen strich. Bekannt wurde sie 1981 mit ‘O Superman’, mit der sie Platz 2 der britischen Singlecharts erreichte. In Deutschland präsentierte sie 1989 auf ihrer Tour ‘Strange Angels’ nahezu alle Lieder in deutscher Sprache. Für die Encyclopædia Britannica schrieb sie ein ergänzendes Essay zum Eintrag über New York City. Im Laufe ihrer Karriere arbeitete sie unter anderem mit Andy Kaufman, William S. Burroughs, Peter Gabriel, Jean Michel Jarre, John Cage und Philip Glass zusammen.

Das Kronos Quartet ist ein Streichquartett, das von David Harrington 1973 in Seattle gegründet wurde. Seit 1978 ist es in San Francisco beheimatet. Es führt vor allem zeitgenössische Musik auf. Die Musiker arbeiteten mit Komponisten wie Steve Reich und Philip Glass zusammen und spielen Stücke aus unterschiedlichen Musikgattungen wie zum Beispiel alte Musik, Filmmusik, Jazz und Surf Rock. Sie haben unter anderem eine Bearbeitung von Jimi Hendrix’ Purple Haze aufgenommen. Bekannt wurde das Kronos Quartet durch das Album ‘Kronos Quartet Plays Music of Thelonious Monk’ aus dem Jahr 1985. Zum Zeitpunkt des 25. Geburtstags 1999 hatte das Kronos Quartet ein Repertoire von über 600 Werken, darunter 400 speziell für das Ensemble geschriebene Stücke. Es absolvierte mehr als 3000 Aufführungen, bekam sieben erste ASCAP-Preise und Edison-Preise sowohl für klassische als auch populäre Musik, und hat mehr als 1,5 Millionen Platten verkauft.

“Don’t you hate it when people tell you their dreams?”, fragt Laurie Anderson auf diesem Album. Sie erzählt dann im Laufe von ‘Landfall’ von diversen Albträumen und auch von einem realen Albtraum, nämlich von einem Hurrikan. ‘Landfall’ ist Laurie Andersons elektroakustischer Liederzyklus über den Hurrikan ‘Sandy’, der große Teile Nordamerikas verwüstete – einschließlich ihres eigenen New Yorker Apartments. Und während sie von ihrem Albtraum erzählt, untermalen die Arrangements des Kronos Quartets die Geschichte klanglich. So weisen disharmonische Harmonien auf das drohende Unwetter hin; obertonarme, gedämpfte Passagen deuten auf das Plätschern des Wassers hin, während der Sturm durch Manhattan pfeift; ausgedehnte Passagen von über die Saiten hüpfenden Bögen sollen das Zittern von Mensch und Tier darstellen. Es knarrt und rumpelt und kratzt, damit soll das Gefühl der Panik vermittelt werden; Violinen fangen irgendwann an zu spielen wie Heavy-Metal-Gitarristen auf ihrer Gitarre. Und am Ende schaut dieses Album auf ein Leben voller zerstörter Besitztümer und die überfluteten Keller. “All the things I’d carefully saved all my live, becoming nothing but junk.”, sagt Laurie Anderson. “And I thought: how beautiful. How magic. And how catastrophic.” Und so lässt einen dieses Album nicht resigniert zurück.

Gesehen

TatortIm toten Winkel (Radio Bremen)

Im toten Winkel ist ein Tatort von Philip Koch, der im Rahmen des Tatorts von Radio Bremen produziert wurde. Es ist die 1051. Tatort-Folge. Und wie üblich bei Radio Bremen-Produktionen der letzten Jahre, ermitteln die Bremer Kommissare Lürsen und Stedefreund – gespielt von Sabine Postel und Oliver Mommsen. Es ist ihr 37. Fall.

Es geht in diesem Tatort um den Rentner Horst Claasen, der seine pflegebedürftige, demente Ehefrau tötet. Die Krankheit seiner Frau hatte all ihre Ersparnisse aufgezehrt. Von der Pflegekasse hatten sie bei einer ersten Beurteilung keine Pflegestufe erhalten und den Sohn, der selbst nur eben gerade so über die Runden kam, wollte Horst Claasen nicht belasten. Und so erstickte er seine Frau mit einem Kissen und nahm selber Tabletten zu sich. Doch er wurde “zu schnell” gefunden und fand sich nun im Krankenhaus wieder. Der alte Mann schafft es aber, sich in der Klinik das Leben zu nehmen. Gutachter Carsten Kühne, der noch am Vormittag bei den Claasens einen Termin zur Begutachtung der Pflegebedürftigkeit hatte, gibt an, dass er sich gewundert hatte, warum ihm niemand öffnete. Er verweist die Ermittler an den Pflegedienst, den Claasen angeblich zweimal täglich zu seiner Frau kommen ließ und weshalb er eigentlich die Beurteilung vornehmen sollte. Inga Lürsen trifft den Gutachter später noch einmal auf dem Krankenhausgelände und wird Zeugin, wie dieser von Oliver Lessmann angegangen wird. Er hatte sich gerade erst bei Kühne über den Pflegedienst beschwert, den dieser ihm für seine Frau vermittelt hatte. Am nächsten Tag wird Carsten Kühne tot aus der Weser gefischt. Er wurde augenscheinlich erschlagen und dann ins Wasser geworfen. Frau Akke Jansen pflegt ihre demente Mutter Thea und macht auf Inga Lürsen einen überforderten Eindruck. Jansen berichtet, dass der Gutachter bei seinem letzten Besuch ihre Höherstufung nicht bewilligt hatte. Um die Pflege ihrer Mutter abzusichern, bräuchte sie unbedingt mehr Geld, was ihr nun versagt bleibt. Die Ermittler nehmen nun auch den Pflegedienst unter die Lupe und erfahren, dass dieser bereits einschlägig dafür bekannt ist, Pflegeleistungen abzurechnen, die gar nicht erbracht wurden. Den Nachweis des Abrechnungsbetruges können die Kollegen vom Wirtschaftsdezernat erbringen, nachdem sie beim Pflegedienst eine Finanzüberprüfung vornehmen. Dabei stellt sich eindeutig heraus, dass sowohl bei den Claasens als auch bei Akke Jansen keinerlei Pflegeleistungen erbracht wurden, sondern sich der Pflegedienst und der Pflegende die Erstattungen der Pflegeversicherung aufgeteilt hatten. Ein entscheidender Hinweis findet sich, als DNA-Spuren auf Kühnes Boot gefunden werden.

Verkostet 

Tomintoul Peaty Tang 40% (gefärbt und kühlgefiltert)

Tomintoul ist eine Whiskybrennerei in der Speyside und ist nach der nahegelegenen Ortschaft Tomintoul benannt, der höchstgelegenen Ortschaft der schottischen Highlands. Die Brennerei wurde 1964 gegründet. 1974 wurde die Distillery von zwei auf vier Brennblasen erweitert. 2000 wurde Tomintoul an Angus Dundee Distillers verkauft, denen u.a auch Glencadam gehört. Beim Peaty Tang handelt es sich um einen rauchigen Malt mit ca. 20-25 ppm.