Feuilletöne – Sendung 193 – Erich Kästner, The xx, Gilmore Girls – A Year in a LIfe – Spring und Balblair 03

Dieses mal haben wir ‘Das Märchen vom Glück’ von Erich Kästner gelesen, ‘I see you’ von The xx gehört, ‘Gilmore Girls: A Year in a Life – Spring’ gesehen und einen Balblair 03 verkostet.

Gelesen

Erich Kästner – Das Märchen vom Glück

Emil Erich Kästner wurde 1899 in Dresden geboren und starb 1974 in München. Er war Schriftsteller, Publizist, Drehbuchautor und verfasste Texte für das Kabarett. Bekannt machten ihn vor allem Kinderbücher wie ‘Emil und die Detektive’, ‘Das doppelte Lottchen’ oder ‘Das fliegende Klassenzimmer’. Alle drei wurden verfilmt. Außerdem schrieb er humoristische, zeitkritische Gedichte.

Hier erzählt Erich Kästner uns die Geschichte eines ca. 70-jährigen Mannes, der in einer verräucherten Kneipe sitzt und davon erzählt, dass er drei Wünsche frei hatte, zwei davon unvorsichtigerweise verplemperte und den dritten quasi nicht einlöst. Weil nur die Wünsche, die man vor sich hat, gut sind.

Gehört

The xxI see you

‘I see you’ wurde zwischen März 2014 und August 2016 in New York City, Los Angeles, Marfa, London und Reykjavík aufgenommen. Es ist das dritte Album der Band aus London. Und es ist anders als die Alben davor. Fröhlicher und heller, könnte man sagen. Musikalisch sind The xx noch elektronischer geworden. Mehr Synthesizer, weniger akustische Instrumente. Diese Veränderung ist wohl weitgehend auf Jamie xx zurückzuführen, welcher hier von seinem eigenen Debütalbum ‘In Colour’ inspiriert wurde. Wie wir das alles fanden, erzählen wir euch in dieser Folge.

Gesehen

Gilmore GirlsA Year in a LIfe – Spring (IMDb)

‘Gilmore Girls: A Year in the Life’ führt die Geschichte der Gilmore Girls fort, die zuvor als Serie von 2000 bis 2007 in sieben Staffeln ausgestrahlt wurde. Die Miniserie wird daher auch gern als achte Staffel bezeichnet. Bis auf Edward Herrmann, der im Dezember 2014 verstarb, sind die meisten Darsteller wieder in ihren jeweiligen Rollen zu sehen. Am 25. November 2016 wurden alle vier Tele dieser Miniserie bei Netflix veröffentlicht. Es werden in jeder der vier Episoden jeweils Erlebnisse einer Jahreszeit erzählt.

Lorelai und Emily machen gemeinsam eine Therapie und es kommt erwartungsgemäß zu Spannungen zwischen den beiden. Lorelai fürchtet weiterhin, dass Michel das Dragonfly Inn verlassen könnte, da er sich zunehmend langweilt. Rory muss derweil in London mit River Song, äh, Naomi Shropshire arbeiten, was sehr schwierig ist. Außerdem hat sie eine Affäre mit Logan, der aber wiederum eine Verlobte in Paris hat. Anlässlich eines Ehemaligentreffens besuchen Rory und Paris ihre alte High School Chilton. Rory schafft es nicht, einen Job als Journalistin zu bekommen, und so zieht sie wieder nach Stars Hollow. Luke findet heraus, dass Emily nicht mehr zu den Therapiesitzungen geht und Lorelai diese mittlerweile alleine fortsetzt. Das hatte sie ihm allerdings verschwiegen. First World Problems Galore! Spannend? Besser als ‘Winter’? Wir werden es euch verraten.

Verkostet

Balblair 03

Balblair ist eine Whiskybrennerei im Nordosten Schottlands. Sie wurde 1790 von John Ross gegründet und ist damit eine der vier ältesten Destilleries in Schottland, die noch in Betrieb sind. Die heutige Anlage stammt aus dem Jahr 1872 und wurde von Alexander Ross erbaut. Von 1915 bis 1947 war die Brennerei geschlossen. Seit 1996 gehört Balblair der Inver House Distillers Ltd. ( Old Pulteney, Speyburn, Knockdhu und Balmenach). Bei Balblair wird nicht das Alter als solches auf die Flasche geschrieben, sondern das Jahr der Destillation. Dieser Balblair wurde 2003 destiliert und 2015 abgefüllt.

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Feuilletöne – Sendung 192 – John Fante, Niels Gade, Gilmore Girls – A Year in a LIfe – Winter und Talisker 57° North/Springbank 12 CS

Die erste reguläre Sendung im Jahre 2017 und wir haben ‘1933 war ein schlimmes Jahr’ von John Fante gelesen,  die 8. Symphonie von Niels Gade in einer Aufnahme des DNSO unter der Leitung von Christopher Hogwood gehört, den ersten Teil der Gilmore Girls – A Year in a Life – gesehen und den  Talisker 57° North mit dem Springbank 12 CS verglichen.

Gelesen

John Fante – 1933 war ein schlimmes Jahr (Aufbau Verlag)

John Fante war US-amerikanischer Schriftsteller aus Colorado und lebte von 1909 und 1983. Im Jahre 1932 veröffentlichte seine erste Erzählung. 1938 erschien sein erster Roman ‘Wait until Spring, Bandini’ (‘Warte bis zum Frühling, Bandini’) und 1939 die Fortsetzung ‘Ask the Dust’ (‘Ich – Arturo Bandini’).  Er hatte großen Einfluss auf Charles Bukowski, der später einmal sagte: “Fante war mein Gott.” Um Geld zu verdienen, arbeitete er als Drehbuchautor. Das Drehbuch ‘Full of Life’ wurde 1952 für einen Oscar nominiert. 1978 erblindete er aufgrund einer Zuckerkrankheit. Infolgedessen wurden ihm später beide Beine amputiert. Als er im Sterben lag, war Charles Bukowski einer der regelmäßigen Besucher an seinem Krankenbett, dieser schilderte seine Eindrücke in dem Gedicht ‘Tod eines Vorbilds’.

Im Roman ‘1933 war ein schlimmes Jahr’ geht es um den 17-jährigen Dominic Molise, der sich nichts mehr wünscht, als ein Baseball-Star zu werden. Die Handlung spielt in einer Kleinstadt am Fuß der Rocky Mountains in den dreißiger Jahren. Dominic leidet unter dem Druck, im Familienbetrieb mitarbeiten zu müssen. Ziegelsteine zu stapeln, das ist nichts für ihn. Sein Vater hingegen versucht ihn zu überzeugen, statt des Baseballschlägers lieber eine Maurerkelle in die Hand zu nehmen. Seine Mutter sucht ihr Heil im Gebet. Und Dominic hört einfach nicht auf, davon zu träumen, ein Baseball-Star zu werden.

Gehört

Christopher Hogwood/DNSONiels Gade – 8. Symphonie

Niels Gade war Komponist und Dirigent des 19. Jahrhunderts. Zunächst war er Violinist der königlichen Kapelle in Kopenhagen. Ein königliches Stipendium ermöglichte ihm seine Ausbildung in Leipzig fortzusetzen. Hier wurde Felix Mendelssohn sein Förderer und Freund. So konnte er seine Ossian-Ouvertüre und zwei seiner Sinfonien mit dem Gewandhausorchester Leipzig aufführen. Ab 1844 übernahm er zunächst im Wechsel mit Felix Mendelssohn die Leitung des Gewandhausorchesters zu Leipzig, nach dessen Tod dann alleinig. Aufgrund des Schleswig-Holsteinischen Krieges ging er zurück nach Kopenhagen. Hier übernahm er bis zu seinem Tode im Jahre 1890 die Leitung des Kopenhagener Musikvereins. 1861 wurde er Hofkapellmeister. Schließlich gründete er 1865 gemeinsam mit Johann Peter Emilius Hartmann das Kopenhagener Konservatorium (Det Kongelige Danske Musikkonservatorium). Im Jahre 1871 vollendete Gade seine 8. Symphonie Opus 47 in b-Moll. Wir haben uns diese Symphonie in einer Aufnahme mit dem DR Symfoni Orkestret (Danish National Symphony Orchestra) unter der Leitung von Christopher Hogwood angehört und sprechen über Gade, die 8. Symphonie und diese Aufnahme.

Gesehen

Gilmore GirlsA Year in a LIfe – Winter (IMDb)

‘Gilmore Girls: A Year in the Life’ führt die Geschichte der Gilmore Girls fort, die von 2000 bis 2007 in sieben Staffeln ausgestrahlt wurde. Die Miniserie wird daher auch gern als achte Staffel bezeichnet. Bis auf Edward Herrmann, der im Dezember 2014 verstarb, sind die meisten Darsteller wieder in ihren jeweiligen Rollen zu sehen. Am 25. November 2016 wurden alle vier Teile dieser Miniserie bei Netflix veröffentlicht. Es werden in jeder der vier Episoden jeweils Erlebnisse einer Jahreszeit erzählt.

Es geht los mit ‘Winter’. Es beginnt kurz vor Weihnachten. Rory besucht Lorelai und Luke, die inzwischen seit neun Jahren zusammen sind. Einer der immer wiederkehrenden Dinge dieser Folge ist, dass Rory ständig vergisst mit ihrem derzeitigen Freund Paul Schluss zu machen, dessen Name auch immer wieder von allen vergessen wird. Rory versucht, als freie Journalistin Fuß zu fassen. Lorelai leitet mit Michel das Dragonfly Inn, nachdem Sookie sie vor über einem Jahr für eine Auszeit verlassen hatte. Richard ist verstorben und Emily trauert. Als sie ihr Haus fast vollständig ausräum, rät Lorelai ihr, sich Hilfe zu suchen. Ansonsten geht es in der ersten Folge der Neuauflage zunächst einmal darum, was aus den jeweiligen Figuren der Serie nach zehn Jahren geworden ist. Wir haben uns ‘Winter’ angesehen und erzählen euch, wie wir den ersten Teil der Miniserie fanden.

Verkostet

Talisker 57° North und Springbank 12 CS

Zwei Malts haben wir uns vorgenommen. Beide haben eine ähnlich hohe Alkoholstärke, also dachten wir, dass ein Vergleich recht spannend sein könnte.

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Feuilletoene – Sendung 191 – Best of 2016 – Bücher und Alben des Jahres

Diesmal geht’s um die Alben des Jahres und um die Bücher des Jahres. Ihr habt gewählt, und wir verkünden das Ergebnis eurer Wahl! Außerdem werden wir natürlich unsere Alben und Bücher des Jahres kundtun!

Bücher des Jahres der HörerInnen

  1. Ismael Kadare – Dämmerung der Steppengötter (40%)
  2. Clue Writing Anthologie – Kurz – Literatur in kleinen Happen (36%)
  3. Heinz Strunk – Der Goldene Handschuh (24%)
  4. Han Kang – Die Vegetarierin und Maxim Biller – Biografie (19%)
  5. Sarah Kuttner – 180° Meer (14%)

Alben des Jahres der HörerInnen

  1. Leonard Cohen – You want it darker (83%)
  2. David Bowie – Blackstar (52%)
  3. Radiohead – A Moon shaped Pool und Marina Baranova – Hypersuites (26%)
  4. Nick Cave & the bad Seeds – Skeleton Tree (17%)
  5. Katatonia – The Fall of the Hearts (13%)

Bücher des Jahres Frau Windhorst

  1. Christian Kracht – Die Toten
  2. Karl Ove Knausgård – Träumen
  3. Han Kang – Die Vegetarierin
  4. Ismail Kadare – Dämmerung der Steppengötter
  5. Sarah Kuttner – 180° Meer

Bücher des Jahres Herr Martinsen

  1. Siegfried Lenz – Der Überläufer
  2. Sarah Kuttner – 180° Meer
  3. Ismail Kadare – Die Dämmerung der Steppengötter
  4. Maxim Biller – Biografie
  5. Heinz Strunk- Der goldene Handschuh

Alben des Jahres Frau Windhorst

  1. Savages – Adore Life
  2. Daughter – Not to Disappear
  3. Leonard Cohen – You Want It Darker
  4. Black Mountain – IV
  5. Radical Face – Family Tree: The Leaves

Alben des Jahres Herr Martinsen

  1. Paul Simon – Stranger to Stranger
  2. Plants and Animals – Waltzed in from the Rumbling
  3. Rolf Kühn – Spotlights
  4. Leonard Cohen – You want it darker
  5. Marina Baranova – Hypersuites
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Feuilletöne – Sendung 190 – Postrock – Lara, Bark Psychosis und Caspian

Diesmal geht es um Post-Rock. Und weil wir davon gar nicht so wahnsinnig viel Ahnung haben, haben wir uns eine Gästin eingeladen, nämlich die wunderbare Lara.

Lara

Lara ist auf dem Weg eine Psychologin zu werden, schreibt für das Online Magazin Pretty in Noise als Autorin unter dem Namen Lara Void und ist höchst offiziell von Herrn Martinsen zur Diplom-Postrockologin ernannt worden. Bei Twitter ist sie als @VegaVoid unterwegs.

Post-Rock

Post-Rock ist wieder einmal eines dieser Musikgenres, das sich nicht so recht einordnen lässt. Post-Rock ist Musik, die von Instrumenten gekennzeichnet ist, die gewöhnlich mit Rock verbunden werden, die hier aber andere Aufgaben übernehmen als beim klassischen Rock. So übernehmen z. B. Gitarren quasi den Gesang, wenn man so will. Deshalb sind Post-Rock-Songs oft instrumental. Außerdem gibt es nicht die für den Rock typische Struktur der Strophe und des Refrains. Bekannte Bands sind u.a. Sigur Rós, Godspeed You! Black Emperor, Stereolab, Mogwai, Explosions in the Sky, Don Caballero oder Tortoise. Allein die genannten Bands sind so unterschiedlich in ihrer musikalischen Ausdrucksweise, dass es sehr schwer fällt, eine allgemein gültige Aussage über den Klang von Post-Rock zu machen. Als Beginn des Genres werden allgemein die späten 80er oder frühen 90er Jahre genannt.

Bark Psychosis

Im Jahr 1994 wurde zum ersten mal der Begriff “Post-Rock” benutzt. Und zwar im Zusammenhang mit dem Album ‘Hex’ der Band Bark Psychosis. Der Musikjournalist Simon Reynolds hat diesen Begriff geprägt. ‘Hex’ gilt deswegen als eines der einflussreichsten Alben des Post-Rock, weil es dieses Label als erstes explizit bekommen hat.

Caspian

Eine ganz besondere Post-Rock-Band sind Caspian. Eigentlich ursprünglich typische Vertreter des Genres, unterscheiden sie sich doch immer wieder von anderen Bands dieser Musikrichtung und man findet plötzlich Dinge wieder, die man gemeinhin gar nicht mit Post-Rock verbindet. So wird auf dem Album ‘Dust and Disquiet’ plötzlich gesungen und es gibt eine Songstruktur, die so gar nicht zum Genre Post-Rock passen mag. Lara erzählt uns, warum diese Band für sie so besonders ist.

Castles High, Marble Bright

Ein Song, der Lara ganz besonders am Herzen liegt, ist ‘Castles High, Marble Bright’. Warum dieser Song so besonders ist, das hat sie uns in dieser Sendung auch noch erzählt.

Abstimmen über die Alben und Bücher des Jahres

Wählt eure Lieblingsbücher und -alben des Jahres 2016!

Abstimmen für die Alben des Jahres: http://www.feuilletoene.de/gehoert/
Abstimmen für die Bücher des Jahres: http://www.feuilletoene.de/gelesen/

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Feuilletöne – Sendung 189 – Erik Satie – Parade, Vexations und Nocturnes

Erik Satie hätte in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag gefeiert. Und immer noch glauben viele Menschen, er hätte nur Musik für das Piano und alle Aufzüge dieser Welt geschrieben. Wir haben uns ‘Parade’, ‘Vexationsund die ‘Nocturnes’ angehört, und erzählen euch ein wenig über ihn und seine Musik.

Erik Satie

Erik Satie hieß eigentlich Alfred Éric Leslie Satie, wurde 1866 in Honfleur (Calvados) geboren und starb 1925 in Paris. Er war ein Komponist des frühen 20. Jahrhunderts. Er beeinflusste mit seinen Werken die sogenannte Neue Musik. Erste Bekanntheit verdankt er seinen Musikerkollegen Claude Debussy und Maurice Ravel, die seine Stücke spielten. Eine der hervorstechenden Eigenschaften seiner Werke ist das Außerkraftsetzen des Dur-Moll-Systems. Dazu kommen Einfachheit, Klarheit, Kürze und Schlichtheit. Somit gilt er als Vorreiter der Minimal Music. Saties Vorstellungen von Musik waren jedoch viel weitergehend. Er war der Meinung, dass der Komponist nicht das Recht habe, „die Zeit seiner Zuhörer unnötig in Anspruch zu nehmen“, also entwickelte er die Idee der Hintergrundmusik. Er nannte sie Musique d’ameublement, was etwa so viel heißt wie Möbel- oder Einrichtungsmusik. Musik sollte also seiner Meinung nach funktionieren wie ein Tisch, ein Stuhl oder ein Vorhang. Sprich: Musik sollte nicht stören, nicht im Wege stehen. Damit lehnte er jegliche Virtuosität oder jegliche Raffinesse ab. Satie sagte einmal: „Jeder wird Ihnen sagen, ich sei kein Musiker. Das stimmt.“ Wie ernst das alles zu nehmen ist, was Satie so sagte, wie viel Humor er hatte, und dass er auch ernste Werke schrieb, das wollen wir euch in dieser Sendung erzählen.

Parade

Parade – Ballet réaliste ist ein Ballett in einem Akt von Erik Satie, nach einem Thema von Jean Cocteau. Satie komponierte die Musik in den Jahren 1916 und 1917 für das Ballettensemble Ballets Russes. Die Kostüme, den Vorhang und das Bühnenbild entwarf Pablo Picasso. Das Ballett wurde am 1917 am Théâtre du Châtelet in Paris uraufgeführt und es kam prompt zu einen Skandal. Parade gilt als Schlüssel- und Ausgangswerk des multimedialen (Tanz-)Theaters. Dass drei dermaßen bekannte und anerkannte Persönlichkeiten der damaligen Zeit zusammenarbeiteten und ein Stück entwarfen, war neu. Und so entstand 1917 dank weltbekannter Künstlern und ihrer Inspirationen und Ideen ein kollektives Bühnenspektakel.

Handlung: In diesem Ballett geht es um eine Schaustellertruppe, die auf der Straße vor dem Jahrmarkt auf ihre Kunst aufmerksam machen will, um das Publikum anzulocken. Ein französischer und ein amerikanischer Manager sorgen für die Reklame. Ein chinesischer Zauberer und Akrobaten zeigen, was sie können: Der Zauberer jongliert mit einem Hühnerei, die Akrobaten führen ihr Können auf dem Hochseil und am Trapez vor. Ein Mädchen kommt vorbei und fotografiert. Ein Pferd, das von zwei Tänzern dargestellt wird, tanzt. Ein Publikum hingegen gewinnt die Truppe nicht.

Vexations

Wohl für das Klavier komponiert, obwohl die Partitur kein Instrument spezifiziert. Es handelt sich um eines der ersten Stücke für ein repetitives Arrangement sowie für Atonalität. Das Stück ist undatiert, wurde aber wohl zwischen 1893-1894 komponiert. Es wird allgemein als eines der längsten Stücke der Musikgeschichte angesehen, obwohl die Partitur nur aus einer Seite besteht. Warum? Nun, das Stück trägt folgende Inschrift Saties: “Um das Thema 840 mal hintereinander spielen zu können, wäre es ratsam, sich vorher in der tiefsten Stille und Unbeweglichkeit vorzubereiten.” Das ist mal wieder eine sehr typische Anweisung Saties, und niemand weiß so recht, was davon ernst zu nehmen ist und was nicht. Aber drollig ist sie allemal.

Nocturnes

Die Nocturnes sind fünf Klavierstücke – geplant waren sieben, das Werk blieb aber unvollendet. Sie wurden 1919 geschrieben. Es waren Saties letzte Werke für Soloklavier und sie zählen zu den bedeutendsten Errungenschaften des Genres. Die Stücke sind durchdrungen von völliger Ernsthaftigkeit, ganz ohne die sonst so humoristischen Titel oder Anweisungen, die typischerweise in seinen Partituren zu finden sind. Satie wurde von der französischen Presse belächelt und von chronischer Armut geplagt. Er litt an Depressionen. 1918 schrieb er an Valentine Hugo: “Ich scheiße auf die Kunst, sie hat mich zu oft ausgegrenzt.” 1919 dann schrieb er diese Stücke. “Ich habe mich in den letzten Monaten sehr verändert”, sagte er später. “Ich wurde sehr ernst … zu ernst, sogar.” Die Nocturnes riefen keine Begeisterung des damaligen Publikums hervor. Bis heute gehören sie zu den Werken Saties, die man eher nicht kennt. Angesichts Saties Ruf als musikalischer Humorist ist das Publikum ob dieses ernsten Werkes möglicherweise verunsichert gewesen. Satie-Liebhaber und Musikexperten hingegen schätzten sie. John Cage machte sie nach dem Zweiten Weltkrieg in den USA populär und heute sind sie hoch angesehen. Sie hätten es verdient, bekannter zu sein. Der Stil ist ein anderer, die Musik ist kompromisslos in der Ablehnung jeglichen sinnlichen Reizes. Sie wirkt fast trostlos und distanzierend. Die Nocturnes werden nicht in den Aufzügen oder Kaufhäusern dieser Welt gespielt.

Abstimmen über die Alben und Bücher des Jahres

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